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Aus Hass wird Hilfe
Rassisten spenden unfreiwillig für Flüchtlinge

Fotos: Tausende bei "Pegida"-Demo am 19. Oktober 2015
Fotos: Tausende bei "Pegida"-Demo am 19. Oktober 2015 FOTO: dpa, lus soe
Düsseldorf. Schreiber von rechten Parolen sammeln Spenden für Flüchtlinge – unfreiwillig: Die Initiative "Hass hilft" leitet für gemeldete menschenverachtende Kommentare jeweils einen Euro an Flüchtlingsprojekte. Von Karoline Hatt

Die Organisatoren von "Rechts gegen Rechts" wollen etwas gegen rassistische und fremdenfeindliche Kommentare im Netz unternehmen und werden dabei vom FC St. Pauli, Sky und Facebook unterstützt. Mit "Hass hilft – die erste unfreiwillige Online-Spenden-Aktion" wollen sie drauf aufmerksam machen, dass nicht jede rassistische oder homophobe Äußerung automatisch von Facebook gelöscht wird. Grund dafür: Das Recht auf freie Meinungsäußerung schützt teilweise auch rechtliche Graubereiche.

Und so geht's: "Wir wandeln jeden menschenverachtenden Kommentar in eine Spende von einen Euro um. Heißt: Je mehr Hasskommentare, desto mehr Euro. Und diese Spenden gehen nicht irgendwohin. Sondern an Flüchtlingsprojekte der 'Aktion Deutschland Hilft' und an 'Exit-Deutschland', eine Initiative gegen Rechts", heißt es auf der Homepage.

"Hass Hilft": Endlich eine Antwort auf Hass-Kommentare im Internet.Eine Frage beschäftigt Deutschland seit langem: Wie...

Posted by HassHilft on  Mittwoch, 21. Oktober 2015

"Damit spenden alle Hasser und Hetzer praktisch gegen sich selbst", heißt es weiter. Das Kalkül der Macher: "Entweder hören die Online-Hasser auf zu kommentieren, oder sie sammeln Geld gegen ihre fremdenfeindlichen Interessen."

Bisher (Stand: 23. Oktober 2015, 12.55 Uhr) hat die "unfreiwillige Spendenaktion" 241 Euro eingebracht. Eine Liste mit den "Top 10 der fleissigsten Spender, äh, Hass-Poster" auf Facebook bekommen die Besucher der Homepage ebenfalls präsentiert. "Die oben genannten Facebook-Profile sind echt. Aus Sicherheitsgründen veröffentlichen wir hier nur die Abkürzung des Namens", steht dort.

Unfreiwilliger Spendenlauf in Wunsiedel

Bereits im vergangenen Jahr sorgten die Organisatoren unter dem Motto "Rechts gegen Rechts" für Aufmerksamkeit. Im November 2014 initiierten sie in der oberfränkischen Kleinstadt Wunsiedel den "unfreiwilligen Spendenmarsch Deutschland". Jahr für Jahr kommen dort Hunderte Rechtsextreme zum "nationalen Heldengedenken" zusammen. Das Prinzip war einfach aber ziemlich genial: Für jeden Meter, den ein Neonazi zurücklegte, gingen zehn Euro an das Aussteigerprogramm Exit-Deutschland. Die "Läufer" selbst erfuhren davon allerdings erst auf der Strecke. Schon diese Aktion brachte der ZDK (Gesellschaft Demokratische Kultur) deutschlandweite Aufmerksamkeit.

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