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Überfall in Potsdam: Hatte Ermyas M. Streit mit Tätern?

zuletzt aktualisiert: 22.04.2006 - 18:35

Potsdam/Karlsruhe (rpo). Der bei einem vermutlich rassistischen Überfall in Potsdam schwer verletzte Deutsch-Äthiopier Ermyas M. liegt weiter im künstlichen Koma. Sein Zustand sei stabil, aber lebensbedrohlich. Inzwischen werden jedoch Stimmen laut, der Überfall habe sich anders abgespielt als bislang dargestellt.

Laut "Focus" berichteten Zeugen, Ermyas M. habe in einer nahe dem Tatort gelegenen Diskothek eine tätliche Auseinandersetzung mit zwei Personen gehabt. Die "Märkische Allgemeine" schrieb, dieser Streit sei an der Haltestelle wieder aufgeflammt. Ermyas M. solle die beiden Männer beleidigt und versucht haben, zumindest einen von ihnen zu treten.

Ermyas M. war "Focus" zufolge zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert. Auch die Täter hätten Polizeikreisen zufolge auf der Mailbox-Aufnahme stark betrunken geklungen. Die "Potsdamer Neuesten Nachrichten" berichteten, Sicherheitsbehörden hätten zwar Zweifel am rechtsextremen Tatmotiv, nicht aber an der rassistischen Einstellung der Männer.

Die beiden Männer sitzen in brandenburgischen Untersuchungsgefängnissen. Die Polizei in Potsdam teilte mit, sie seien in der Nacht zum Samstag von Karlsruhe per Hubschrauber zurückgeflogen worden. Am Freitagabend hatte der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof Haftbefehle wegen versuchten Mordes gegen den 29-jährigen Björn L. und den 30-jährigen Thomas M. erlassen. Beide bestritten die Tat, einer gab an, zur Tatzeit zu Hause gewesen zu sein.

Anwelt erhebt Vorwürfe gegen Bundesanwaltschaft

Der Anwalt eines der beiden Tatverdächtigen will Rechtsmittel gegen den Haftbefehl gegen seinen Mandanten einlegen. Anwalt Veikko Bartel sagte am Samstag der Nachrichtenagentur AP, die Bundesanwaltschaft habe "entlastende Ermittlungen, die sich aufdrängten, unterlassen". Sein Mandant, der 29-jährige Björn L., sei ein "völlig unbescholtener Bürger", der auch nie im Zusammenhang mit Rechtsextremismus aufgefallen sei.

Bartel kritisierte zum einen, dass die Bundesanwaltschaft nicht, wie von ihm gefordert, die Standortdaten der Handyverbindungen seines Mandanten angefordert habe. "Trotz meiner Aufforderung haben sie alles unterlassen, dies zu tun." L. habe sich nach eigenen Angaben zum Tatzeitpunkt mehrere Kilometer vom Tatort entfernt aufgehalten.

Des Weiteren kritisierte Bartel, dass die Identifizierung seines Mandanten als Tatverdächtiger durch zwei Zeugen erfolgt sei, die dessen "hohe, piepselige Stimme" auf der Bandaufzeichnung der Mailbox erkannt haben wollten. L. habe normalerweise tatsächlich eine hohe, piepselige Stimme, seit sechs Wochen leide er aber unter einer Kehlkopfentzündung.

Bei der Durchsuchung seines Autos hätten die Ermittler auch einen entsprechenden Krankenschein gefunden, der auf den Mittwoch vor der Tat datiert gewesen sei, zudem seien entsprechende Medikamente gefunden worden. Auch der Arbeitgeber sowie Bekannte und Nachbarn seines Mandanten, die nicht mit diesem befreundet seien, hätten alle ausgesagt, dass L. seit mehreren Wochen nur noch krächzen könne, weswegen er als Tatverdächtiger ausscheide.

"Mehr hat die Bundesanwaltschaft aber nicht in der Hand", betonte Bartel. Er werde die üblichen Rechtsmittel einlegen und "wir werden sehen, ob dies einer weiteren richterlichen Überprüfung des Senats am Bundesgerichtshof standhält".

Eine Sprecherin des Ernst-von-Bergmann-Klinikums, im dem Ermyas M. behandelt wird, sagte am Samstag in Potsdam auf Anfrage, "es gibt keine Komplikationen". Der 37-jährige Familienvater liegt mit einer schweren Schädel-Hirn-Verletzung im Krankenhaus. Die "Märkische Allgemeine" zitierte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft, wonach dem Opfer durch einen einzigen, äußerst wuchtigen Faustschlag der Schädelknochen an einem Auge zertrümmert wurde. Ermyas M. habe, anders als bisher erklärt, aber keine Rippenbrüche oder sonstige schwere Verletzungen am Oberkörper erlitten.

Quelle: afp2

 
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