Gegenwind: Heftige Kritik an Becks Steuerplänen
zuletzt aktualisiert: 16.04.2006 - 13:34Hamburg (rpo). Kaum im Amt muss SPD-Chef Kurt Beck scharfe Kritik einstecken. Auslöser sind seine Äußerungen zur Steuerlast in Deutschland: Beck hatte gefordert, die Steuern zu erhöhen, um Deutschland zukunftsfähig zu machen. Besonders aus der Wirtschaft wird nun heftiger Protest laut.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte der Zeitung "Bild am Sonntag": "Weitere Steuererhöhungen sind Gift für die Konjunktur und schaden Wachstum und Beschäftigung. Neue Steuern sind das Letzte, was Deutschland gebrauchen kann. Der designierte SPD-Vorsitzende sollte diese Debatte ganz schnell beenden."
Hundt verwies darauf, dass 2007 ohnehin unter anderem die Mehrwertsteuer angehoben werde. Der Arbeitgeberpräsident: "Damit kommt es zur größten Steuererhöhung, die es je in Deutschland gegeben hat. Die Politik sollte die Warnungen ernst nehmen, dass dem zarten Wirtschaftsaufschwung dadurch im kommenden Jahr bereits wieder das Ende droht, anstatt darüber nachzudenken, wie sie Bürgern und Unternehmen noch tiefer in die Tasche greifen kann."
Vorstoß "fantasielos"
CSU-Landesgruppen-Chef Peter Ramsauer hat den Vorstoß des designierten SPD-Vorsitzenden Kurt Beck für Steuererhöhungen als wenig hilfreich in der aktuellen Debatte um die Gesundheitsreform kritisiert.
"Es wäre fantasielos, Steuern erhöhen zu wollen, bevor nicht alle Möglichkeiten des eisernen Sparens und der Eigenvorsorge ausgeschöpft sind", sagte Ramsauer am Sonntag der Nachrichtenagentur AP. Dies gelte auch für das Gesundheitswesen.
Beck hatte in einem Interview gesagt: "Mit der aktuellen Steuerlastquote von 20 Prozent können wir die Republik nicht mehr zukunftsfähig gestalten."
Angeblich gesundheitliche Probleme
Beck, der dem aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Matthias Platzeck nachgefolgt ist, leidet angeblich selbst an Herz-Kreislauf-Problemen.
Eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten sagte der Zeitung "Bild am Sonntag" laut einem Vorabbericht: "Er schwitzt nach Stressphasen einfach ein bisschen mehr. Der Blutdruck steigt dann etwas - aber nicht in Bereiche, die zu Sorge Anlass geben."
Zuvor hatte Beck in der ZDF-Talkshow "Johannes B. Kerner" offen bekannt, dass der Stress des Politikbetriebs auch bei ihm Spuren hinterlässt, vor allem an freien Tagen. Beck sagte in der Sendung am 28. März wörtlich: "Ich neige ein bisschen zu Herz-Kreislauf-Problemen. Und wenn die Ruhephase dann da ist, dann ist es am extremsten."
Beck sagte der Zeitung: "Ich fühle mich fit für das Amt des Vorsitzenden." Nach eigener Darstellung geht er regelmäßig zum Arzt und lässt "die üblichen Routineuntersuchungen" machen. "Medikamente nehme ich keine", sagte der SPD-Politiker. Aber er habe schon vor gut einem Jahr seine Ernährung umgestellt und vier Kilo Gewicht abgenommen.
"Ich war zu kräftig, jetzt lasse ich die Süßigkeiten weg und esse viel Obst", sagte Beck. Zudem habe er sich ein Sportprogramm auf einem Fahrrad-Hometrainer verordnet und gehe öfter zu Fuß.
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