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Merkel besucht Heidenau
"Es ist beschämend und abstoßend, was wir erleben mussten"

Fotos: Merkel besucht Flüchtlingsheim in Heidenau
Fotos: Merkel besucht Flüchtlingsheim in Heidenau FOTO: dpa, pzi
Heidenau. Rechte Demonstranten haben den Besuch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Flüchtlingsheim im sächsischen Heidenau mit Buhrufen und lauten Pfiffen begleitet. "Volksverräter, Volksverräter", skandierten sie. Merkel nannte die Ereignisse vom vergangenen Wochenende "beschämend und abstoßend".

Kanzlerin Angela Merkel hat Gewalt gegen Flüchtlinge als "beschämend" verurteilt und Solidarität mit den Hilfebedürftigen eingefordert. "Es gibt keine Toleranz gegenüber denen, die die Würde anderer Menschen infrage stellen", sagte Merkel am Mittwoch nach einem Besuch in der Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Heidenau, wo Rechtsextreme in den vergangenen Tagen Asylbewerber bedroht und Polizisten angegriffen hatten. Rechte Demonstranten begleiteten ihren Auftritt mit Buhrufen und lauten Pfiffen.

In der Unterkunft in einem ehemaligen Baumarkt in Heidenau sprach Merkel mit Flüchtlingen, Helfern und Sicherheitskräften. Für die Kanzlerin war es laut Bundespresseamt überhaupt der erste Besuch in einem Flüchtlingsheim in Deutschland seit ihrem Amtsantritt 2005.

"Es gibt keine Toleranz gegenüber denen, die nicht bereit sind, zu helfen, wo rechtlich und menschlich Hilfe geboten ist", sagte die Regierungschefin nach den Gesprächen. Gemeinsam werde man "alle Anstrengungen unternehmen, deutlich zu machen: Deutschland hilft, wo Hilfe geboten ist." Die menschliche und würdige Behandlung von Schutzsuchenden sei Teil des deutschen Selbstverständnisses.

Die rasant wachsende Flüchtlingszahl bezeichnete Merkel als riesige Herausforderung. "Das wird noch viel Kraft verlangen." Bund, Länder und Kommunen müssten eng zusammenarbeiten. Es sei geplant, noch im September einige Änderungen auf den Weg zu bringen. Man könne nicht so arbeiten, "als wenn wir in einem ganz normalen Zustand (...) wären", sondern müsse gemeinsam "neue Wege gehen".

Sigmar Gabriel besucht Heidenau FOTO: dpa, rje lre

Demonstranten störten Merkels Besuch mit einem Hupkonzert. Vor der Flüchtlingsunterkunft fuhren zahlreiche Autofahrer mit ihren Wagen hupend vorbei. In sozialen Netzwerken hatten rechte Gruppen zu der Aktion aufgerufen. "Volksverräter, Volksverräter", skandierten Rechtsradikale. Rechte Demonstranten vor der Unterkunft riefen: "Dem deutschen Volke" und "Wir sind das Pack". Medien wurden als "Lügenpresse" beschimpft, ein Kameramann mit einem Ei beworfen.

Merkel war vorgeworfen worden, zu lange zu den Ausschreitungen in Heidenau geschwiegen zu haben. SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte den Ort bereits am Montag besucht und die Angreifer als "Pack" bezeichnet. Seither sieht sich die SPD-Zentrale mit rassistischen Hass-Mails und beleidigenden Anrufen konfrontiert. Am Dienstag war im Willy-Brandt-Haus sogar eine Bombendrohung eingegangen.

Hier geht es zu den Bildern von Merkels Besuch in Heidenau.

(dpa)
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