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Rechtsextreme Übergriffe
Video zeigt die Eskalation von Heidenau

Fotos: Notunterkunft für Flüchtlinge abgebrannt
Fotos: Notunterkunft für Flüchtlinge abgebrannt FOTO: dpa, nba soe
Düsseldorf. Ein elfminütiger Film auf Youtube zeigt, wie sich Rechte und Polizei in Heidenau Straßenschlachten liefern. Böller und Steine fliegen, ein Polizist ergreift die Flucht, als ihn eine Gruppe attackiert. Ein Landtagsabgeordneter der sächsischen SPD erstattet Anzeige. Auf dem Video sind Personen relativ gut zu erkennen.

"Da war wohl die intellektuelle Spitze der Rechten am Werk", spottet der sächsische SPD-Fraktions-Vize Henning Homann im Rückblick im Gespräch mit sueddeutsche.de. Augenscheinlich war es ein Sympathisant der Rechten, der den Film drehte und später auf dem Videoportal Youtube unter dem Titel "Heidenau ausschreitungen und randale 22.8.15" hochlud.

Was er er offenkundig nicht bedacht hatte: Auf dem Filmmaterial waren Einzelpersonen in bestimmten Sequenzen zu identifizieren. Als der Nutzer "xsbilly" das Video am Sonntagnachmittag löschte, war es bereits zu spät. Die Landtagsfraktion der SPD hatte den Film bereits als Beweismaterial gesichert. Später lud sie den Clip auf dem eigenen Kanal wieder hoch, um ihn so der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Der Clip dauert etwas länger als elf Minuten. Ungeschnitten zeigt er, wie sich Rechte und Polizisten auf einer breiten Straße bei Heidenau Straßenschlachten liefern. Böller und Raketen fliegen, auf der Straße qualmen Rauchbomben, immer wieder ist das Grölen der Rechten zu hören. Sie rufen "Wir sind das Volk" oder "Die Bullen, auf die Bullen drauf!"

Einige der Männer sind vermummt, andere nicht. In einer Sequenz (etwa nach 1.45 Min.) ist zu sehen, wie sie einen einzelnen Polizisten mit einem Feuerwerkskörper und einer Straßenabsperrung attackieren. Der Beamte ergreift daraufhin augenscheinlich die Flucht. "Ich hab' gerade alles gefilmt, ja sicher", hört man einen Mann mit sächsischem Dialekt sagen.

Immer wieder werfen die oft kahlgeschorenen Männer mit Steinen auf die Polizisten, die in sicherer Entfernung am anderen Ende der Straße stehen. Für das Wurfmaterial reißen sie extra Bordsteinteile aus der Verankerung und lassen sie auf dem Asphalt zerbersten.

Ein paar Minuten später gehen die Polizisten in einer geschlossenen Reihe vor und zerstreuen die Menge. Den Mann an der Kamera lassen sie unbehindert weiterfilmen.

Der SPD-Abgeordnete Homann hat das Video inzwischen an die Polizei weitergeleitet und Anzeige erstattet. "Wenn offenbar Rechtsextreme sich im Internet mit selbstgedrehten Videos für Ihre Straftaten rühmen, ist das erschreckend. Wenn sie damit ungewollt die Ermittlungsarbeiten der Polizei unterstützen könnten, sollte wir diese Chance wahrnehmen", teilte er über die Webseite der SPD-Fraktion mit.

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