| 19.25 Uhr

Heiko Maas
Der Minister als Mensch

Diese Politiker-Ehen sind gescheitert
Diese Politiker-Ehen sind gescheitert FOTO: dpa, soe fux sab
Meinung | Berlin. Ist der Berliner Politikbetrieb ein Ehe-Killer? Und wie soll man öffentlich mit Privatem umgehen? Fragen, deren Antworten sich bei der gescheiterten Partnerschaft des Bundesjustizministers ihren eigenen Weg zu bahnen scheinen. Von Gregor Mayntz

Nein, Heiko Maas hätte es nicht unbedingt öffentlich machen müssen, dass er und seine Frau Corinna sich "einvernehmlich und in Freundschaft getrennt" hätten. Natürlich dient das der Klarheit im Umgang mit dem medial sehr präsenten Regierungsmitglied. Aber ob ein Bundesminister verheiratet ist oder geschieden ist, ob er glücklich mit einem Partner ist oder getrennt lebt, wie er seine Freizeit verbringt und mit wem, geht die Öffentlichkeit so lange nichts an, wie er nicht mit seinen privaten Verhältnissen selbst in die Medien geht oder seine öffentlichen Forderungen und Ansprüche im Gegensatz zu seiner eigenen Lebensführung stehen.

Mitschwingende Botschaften

Aber jeder prominente Politiker weiß, welche Wirkungen Bilder haben, besonders, wenn er so medienaffin ist wie Maas. Ihm muss klar sein, welche Botschaften mitschwingen, wenn er sich in die Öffentlichkeit begibt und bei Veranstaltungen mit Medienbegleitung eine eigene Begleitung dabei hat, und erst Recht, wenn diese Begleitung nicht die eigene Frau ist, sondern eine bundesweit bekannte Schauspielerin.

Die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder hat die Medienberichterstattung kritisiert, weil die Boulevardpresse umgehend einen Zusammenhang zwischen der Trennungsnachricht und den gemeinsamen Bildern von Maas und dem TV-Star Natalia Wörner schufen. "Was ist mit dem guten Grundsatz, Privatleben (von) Politikern zu respektieren, sofern sie es nicht selbst zum Beispiel durch Homestories öffentlich gemacht haben?", twitterte Schröder. Und sie verwies darauf, dass dieser Grundsatz bei ihr selbst nur teilweise funktioniert habe, Fotos nach der Geburt ihres Kindes gegen ihren Willen veröffentlicht worden seien. Und bei Maas? Gäbe es nur den gemeinsamen Auftritt bei einer Veranstaltung, wäre das in der Tat eine fragwürdige Spekulation. Es hätte nur eine zufällige Begegnung sein können, nur eine Bekanntschaft.

"Sie hat einen ansteckenden Humor"

Doch der Minister stand auch für andere Bilder zur Verfügung. Bilder, die eigens inszeniert wurden, und die zeigen, wie die schöne Schauspielerin und der gut angezogene Minister sich anstrahlen – verbunden mit einem gemeinsamen Interview, in dem sie über ihre Freundschaft plauderten und erklärten, was sie aneinander schätzen. "Heiko ist sehr klar, geradlinig und unverschnörkelt", sagte Wörner. "Sie hat einen ansteckenden Humor. Sie ist unverschämt neugierig. Und sie ist extrem unaufgeregt", sagte Maas. Dieses Interview und diese Bilder haben im vergangenen Jahr wohl auch deshalb nicht für viel Aufsehen gesorgt, weil die Medien eben nicht spekulierten und einfach eine Freundschaft als Freundschaft zur Kenntnis nahmen.

Ganz normale Menschen

Es bleibt dabei, dass die Trennungsnachricht und die Freundschaftsbotschaft beide zur Kenntnis genommen werden können. Aber nebeneinander und ohne Schlussfolgerung. Ob es mehr Zusammenhänge gibt oder nicht, ist allein Sache von Maas und Wörner. Und es bleibt ihnen allein überlassen, ob sie etwas, wann sie etwas und was sie dazu sagen. "Ich glaube, viele haben einen etwas überzogenen Eindruck von Politkern oder Schauspielern. Sie sind auch nur ganz normale Menschen", erklärte Maas in dem Doppelinterview vom Juni 2015.

Diese Feststellung war zwar auf die Frage bezogen, ob es irgendwie anders verläuft, wenn man Freund eines Ministers oder einer Schauspielerin wird. Doch im übertragenen Sinne gilt das auch für ihr Recht auf Privatleben. Wie bei ganz normale Menschen.

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