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Tod des Altkanzlers
Offenbar kein nationaler Staatsakt für Helmut Kohl geplant

Reaktionen auf den Tod Helmut Kohls
Reaktionen auf den Tod Helmut Kohls
Düsseldorf. Einem Medienbericht zufolge wird es für den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl keinen nationalen Staatsakt in Deutschland geben. Er soll als erste Persönlichkeit der Geschichte auf europäischer Ebene geehrt werden.

Für Altkanzler Helmut Kohl wird es nach Informationen der "Bild"-Zeitung ausschließlich einen europäischen Staatsakt in Straßburg geben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur vom Montag sprach viel für das Datum 1. Juli. Das würde auch mit Terminplanungen von Kanzlerin Angela Merkel übereinkommen. Am 2. und 3. Juli wollen die Spitzen von CDU und CSU ihr gemeinsames Wahlprogramm verabschieden.

Ein weiterer nationaler Staatsakt in Deutschland sei nicht vorgesehen. Dies sei Kohls ausdrücklicher Wunsch gewesen, schreibt die Zeitung. Der Altkanzler war am Freitag im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben.

Kohl soll als erste Persönlichkeit in der Geschichte der EU mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden. Der genaue Termin und die Details sind nach Angaben der EU-Kommission aber noch offen. An dem Staatsakt sollen EU-Spitzenvertreter und politische Weggefährten Kohls teilnehmen. Aber auch in Deutschland dürfte es wohl eine größere Trauerzeremonie geben. Direkt nach den Feierlichkeiten in Straßburg sei im Dom zu Speyer in Rheinland-Pfalz eine Totenmesse geplant, hatte die "Bild am Sonntag" geschrieben. Genaue Termine standen aber noch nicht fest.

Kardinal Lehmann würdigt Kohl als geradlinigen Menschen

Der frühere Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann würdigte Kohl als geradlinigen, sensiblen und gebildeten Menschen. "Er war nicht die Dampfwalze, die alles brutal niederwalzte, zu der ihn manche immer wieder machen wollten", sagte Lehmann unserer Redaktion. "Europäische Staatsmänner aus kleinen Ländern haben mir öfter gesagt, dass sie Helmut Kohl im Zusammenspiel der europäischen Kräfte ganz besonders schätzten, weil er gerade als Vertreter eines größeren und mächtigeren Landes immer Sensibilität und Rücksicht walten ließ gegenüber kleineren Partnern."

Für CDU-Generalsekretär Peter Tauber war Helmut Kohl "der zweite große Kanzler dieser Republik nach Konrad Adenauer". Der langjährige Kanzler habe ganze Jahrgänge von Jugendlichen geprägt. "Und selbst denen, die sich über ihn ärgerten und politisch anderer Meinung waren, gab das wahrscheinlich ein Gefühl von Sicherheit", schreibt Tauber in einem Gastbeitrag für "Die Welt".

Auch Kohl-Biograf Heribert Schwan trauert

Der Kohl-Biograf Heribert Schwan, der sich mit dem Altkanzler jahrelang erbittert vor Gericht gestritten hatte, sagte dem "Express": "Ich trauere zum einen um einen Staatsmann - und dann um einen Menschen, dem ich acht Jahre sehr nahe stand und verbunden war, von dem ich viel erfahren habe." Er sei gemischter Gefühle, denn er trauere auch um einen Menschen, "der sich von mir, ganz klar und eindeutig, ohne Begründung getrennt hat. Ich bin traurig darüber, dass ich mich mit ihm vor seinem Tod nicht mehr aussprechen konnte."

(dpa)
 
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