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Helmut Schmidt
Tweet von Erika Steinbach löst Empörung aus

Helmut Schmidt: So reagiert das Internet auf den Tod des Altkanzlers
In der Kritik: Erika Steinbach. FOTO: dpa, bvj cul rho
Düsseldorf. Helmut Schmidt ist tot, das Internet trauert. Viel Nachdenkliches und auch Humorvolles gibt es rund um den überzeugten Kettenraucher zu lesen - und leider auch Geschmackloses. So stellt CDU-Politikerin Erika Steinbach bei Twitter ein altes Schmidt-Zitat in einen neuen Kontext. Von Vassili Golod

Für Empörung und Kritik sorgte dieser Tweet von Erika Steinbach, der ehemaligen Präsidentin des Bundes der Vertriebenen. 

Steinbach versucht mit einem 34 Jahre alten Zitat des Altkanzlers offenbar rechte Ressentiments zu bedienen. Für diese Pietätlosigkeit erntet sie von anderen Twitter-Nutzern heftige Kritik - darunter diesen vielfach geteilten Konter des Bloggers Michael Seemann:

 

Auch der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel attackierte Steinbach. Er nennt Steinbachs Tweet "ungeheuerlich" und "geschmacklos".

 

Für positives Aufsehen sorgte indes ein Post des SZ-Magazins. Dieses schlichte und starke Motiv wurde bereits innerhalb der ersten Stunde tausendfach geteilt.

In Erinnerung bleibt Helmut Schmidt aber nicht in erster Linie als Kettenraucher, sondern vor allem als großer Politiker und Staatsmann. Zwischen 1974 und 1982 stand der Sozialdemokrat als Kanzler an der Spitze der Bundesregierung. "Wir werden seine Urteilskraft, seine Weitsicht und seinen Rat vermissen", schreibt der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel in seiner Würdigung auf der Partei-Homepage.

In seinem Text erinnert Gabriel an die politischen Verdienste der Altkanzlers, aber auch an dessen menschliche Stärken. Schmidt habe stets "Leidenschaft in der Sache" bewiesen und sich insbesondere durch seine "Treue zu den als vernünftig erkannten ethischen Prinzipien und zum eigenen Gewissen" ausgezeichnet.

Parteiübergreifende Würdigung

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe Helmut Schmidt mit einer Schweigeminute vor der Unionsfraktion gewürdigt, twittert ihr Sprecher Steffen Seibert.

"Deutschland hat einen Großen verloren", schreibt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in seiner Stellungnahme. "Als Bürgermeister von Hamburg, als Finanzminister und als Bundeskanzler, Helmut Schmidt wusste, worauf es ankam. Er hat Politik kraftvoll gestaltet – gerade in Krisenzeiten."

Auch die Grünen trauern um den Sozialdemokraten. In einem Tweet verweisen sie gleichzeitig auf seine Streitbarkeit und seine politische Größe:

FDP-Chef Christian Lindner zeigt ebenfalls großen Respekt vor Helmut Schmidt und gibt sich in seinem Tweet sogar ein wenig philosophisch.


"Helmut Schmidt hat endgültig mit dem Rauchen aufgehört"

Mehr Fingerspitzengefühl zeigen dagegen ausgerechnet die Satiriker. "Viele Deutsche werden sich wohl nur schwer mit dem Gedanken abfinden können, Helmut Schmidt nie wieder mit einer Zigarette in der Hand in einer Talkshow oder im Interview zu erleben", schreibt der "Postillon".

Auch der Parodie-Account "Jung von Mett" setzt sich bei Facebook kreativ mit dem Tod des politischen Urgesteins auseinander.

 

Der große Metzger ist von Bord gegangen.--> https://www.youtube.com/watch?v=qz4Fq9NXtzw

Posted by Jung von Mett on  Dienstag, 10. November 2015

 

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