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Helmut Schmidt
Arzt: "Er ist sehr, sehr friedlich gestorben"

Helmut Schmidts Arzt: "Er ist sehr, sehr friedlich gestorben"
Der Hamburger Gefäßspezialist Heiner Greten vor dem Haus des Altkanzlers. FOTO: dpa, bom fdt
Hamburg. Helmut Schmidt ist nach Aussage seines Arztes Heiner Greten friedlich in seinem Bett verstorben.Der Hamburger Gefäßspezialist behandelte den SPD-Politiker seit über 30 Jahren und war ein enger Freund. Nach Schmidts Tod gab er der Nachrichtenagentur dpa ein Interview. 

Ist Helmut Schmidt während Ihrer Visite gestorben?

Greten Ich war dabei. Ich war zwei, drei Stunden vorher schon im Haus. Er ist sehr friedlich und entspannt, allerdings ohne Bewusstsein wie schon in den vergangenen Tagen über, eingeschlafen und verstorben.

Er hatte also zum Schluss keine Schmerzen?

Greten Er hatte die ganze letzte Zeit keine Schmerzen. Ärzte können die Schmerztherapie immer so gestalten, dass der Patient schmerzfrei ist. Er war sicher schmerzfrei. Er wollte immer zu Hause sterben, und er ist zu Hause gestorben.

Wer war in der Stunde des Todes außer Ihnen bei ihm?

Greten Seine Lebensgefährtin Frau Loah und seine Tochter Susanne waren im Haus, auch das Pflegepersonal.

Hat er sich vor seinem Tod noch verabschiedet?

Greten Das ist schwer zu beantworten. Also der Tod ist ja heute eingetreten. Heute hat er sich nicht verabschiedet, weil er nicht bei Bewusstsein war und gestern auch nicht. Ich denke aber, dass er in den Tagen zuvor sich vielleicht doch von seinen Lieben verabschiedet hat.

Wann war er das letzte Mal bei Bewusstsein?

Greten Vielleicht vor einem oder zwei Tagen. Ich habe ihn jeden Tag gesehen und versorgt, bin aber natürlich nicht den ganzen Tag da gewesen.

Er ist also in seinem Bett gestorben?

Greten Richtig.

Im Schlafzimmer?

Greten Ja richtig.

Können Sie etwas zur Todesursache sagen?

Greten Die Todesursache ist in so einem Fall, bei einem 96-jährigen alten Herren mit vielen Grunderkrankungen, zum Schluss immer ein Versagen von vielen Organen, der Atmung, des Herzens. Ich denke, zum Schluss hat er einfach aufgehört zu atmen.

Sie sagten schon, er ist friedlich gestorben.

Greten Er ist sehr, sehr friedlich gestorben, jawohl.

Und sein Gesicht sah entspannt aus?

Greten Alles entspannt und friedlich.

War die Operation im vergangenen September seine schwerste gesundheitliche Krise?

Greten Nein, er hat viele schwere Krankheiten durchgemacht, die er alle bewunderungswürdig überstanden hat, mit viel Energie und auch mit sehr viel Verständnis gegenüber der Medizin. Jetzt zum Schluss war die Krankheit per se eigentlich nicht so schwierig. Ich glaube, man muss einfach sagen, dass sein körperlicher Zustand insgesamt dazu beigetragen, dass er gestorben ist. Die Krankheiten zuvor - wie jeder weiß hatte er eine Bypass-Operation am Herzen - waren zum Teil schwierig. Die hat er alle gut überstanden. Aber jetzt zum Schluss kam eben diese schwere Erkrankung der Beine hinzu, bei der die Arterien der Beine verschlossen waren. Aber auch das hatte er eigentlich ganz gut überstanden. Zu guter Letzt ist so langsam sein Allgemeinzustand immer schlechter geworden, wobei ich auch nicht ganz ausschließen will, dass er zum Schluss auch ein wenig resigniert hat, was er vorher nie getan hat.

Er war ja quasi das Stehaufmännchen?

Greten Ja absolut, ein absoluter Kämpfer.

(dpa)
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