Trotz abgelehnter Jobs: Henrico Frank soll geholfen werden
zuletzt aktualisiert: 21.12.2006 - 17:53Wiesbaden/Karlsruhe (RPO). Deutschlands bekanntester Arbeitsloser, Henrico Frank, könnte doch einen der aus gesundheitlichen Gründen abgelehnten Jobs antreten. Das erklärte der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) am Donnerstag in Karlsruhe.
Demnach sei es nicht ausgeschlossen, dass der 37-Jährige trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen einen der ihm von SPD-Chef Kurt Beck vermittelten Jobs annehmen könne. Die Stadt Wiesbaden verpflichtete Frank zur Teilnahme an einer Eingliederungsmaßnahme in den Arbeitsmarkt.
VDBW-Präsident Wolfgang Panter sagte, man werde Frank gerne über die gesundheitlichen Risiken der verschiedenen Stellenangebote beraten und ihm helfen, eine aus arbeitsmedizinischer Sicht vertretbare Tätigkeit auszuwählen. Frank hatte am Mittwoch alle acht Stellenangebote, die Beck ihm übermittelt hatte, mit der Begründung abgelehnt, sie kämen für ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht in Frage.
Der ehemalige Bauarbeiter hat nach eigener Darstellung eine kaputte Schulter, einen Bandscheibenschaden sowie nur eine Niere. Panter sagte dazu, aus der arbeitsmedizinischen Praxis sei bekannt, dass es oft von einer Vielzahl von Faktoren abhänge, ob eine Tätigkeit trotz gesundheitlicher Handicaps ausgeübt werden könne.
Wiesbaden fordert ärztliches Attest
Unterdessen hat die Stadt Wiesbaden den Langzeitarbeitslosen aufgefordert, bis 23. Januar ein ärztliches Attest beizubringen, aus dem hervorgehe, dass er wegen körperlicher Beeinträchtigungen nicht jede Arbeit wahrnehmen könne. Der für Sozialhilfe zuständige Sachgebietsleiter Wolfgang Werner sagte, die Stadtverwaltung wolle nun wissen, wie Frank beruflich eingesetzt werden könne. Parallel dazu habe die Stadt dem 37-Jährigen die Teilnahme an einer Eingliederungsmaßnahme in den Arbeitsmarkt angeordnet.
In der Punk-Szene wurde Frank allmählich zu einer Art Medienstar. Der Mainzer Internetversender punk-shop.com startete eine Homepage auf der "die aktuelle Henrico-Frank-Kollektion" bestellt werden kann. Unter dem Motto "Zieh Dich an, wie Deutschlands frechster Arbeitsloser" können Trikots und T-Shirts mit Aufschriften wie "Arbeitslos und Spaß dabei" bestellt werden.
Frank lässt Medientermine platzen
Der arbeitslose Baufacharbeiter wird derweil von seiner "Sprecherin" Brigitte Vallenthin immer stärker vor der Öffentlichkeit abgeschirmt. Vallenthin ließ am Donnerstag fest ausgemachte Medientermine platzen. Journalisten und Kamerateams, zum Teil von weit her angereist, mussten trotz vorheriger Zusage, mit Henrico Frank persönlich sprechen zu können, wieder abreisen. Einer Journalistin drohte Vallenthin Hausverbot an, weil diese auf dem zugesagten Termin bestand.
Vallenthin unterstrich am Donnerstag vor ihrem Haus, Frank wolle eben "nicht durch Vitamin B" einen Job "für sich abräumen", sondern für alle Arbeitslosen kämpfen. Ihr Einsatz für den Kollegen aus der "Hartz IV"-Plattform sei ganz selbstlos, versicherte Vallenthin: "Wir helfen eben einander", das tue in der kalten Gesellschaft in Deutschland not.
Frank selbst gibt weiterhin keine Stellungnahme zu seinen Zielen ab. Nach seiner Pöbelei auf dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt hatte SPD-Chef Kurt Beck Frank sieben Jobangebote besorgt, die alle von Vallenthin abgesagt worden waren. Vergangene Woche hatte Frank noch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp gesagt, er wolle "aus der Scheiße raus", schließlich bringe "herumsitzen" einen nicht weiter. "Ich bin keiner von den Faulenzern und Drückebergern, ich kann arbeiten und ich will arbeiten", betonte Frank. Seitdem lässt er sich von seiner "Sprecherin" abschirmen.
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