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Chef der Deutschen Rentenversicherung: Herbert Rische warnt vor Altersarmut

VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 12.11.2009 - 07:20

Berlin (RP). Würzburg Niedrige Löhne und Mini-Jobs lassen nach Ansicht des Chefs der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische, in Zukunft die Altersarmut steigen. Die Ausweitung der Mini-Jobs, wie es der Koalitionsvertrag von Schwarz-Gelb vorsieht, bewertet er kritisch: "Wenn der Niedriglohnsektor die Hälfte des Arbeitsmarktes ausmacht, dann können Sie die lohnbezogene Alterssicherung in die Tonne treten."

Rische mahnte bei der Bundesregierung ein umfassendes Konzept gegen Altersarmut an. Zunächst müsse untersucht werden, wie sich die Einnahmen künftiger Rentner zusammensetzen. Vorschläge für eine Mindestrente, wie sie beispielsweise von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) kommen, passen nach Ansicht Risches nicht in das deutsche Rentensystem. Sie müssten über Steuern finanziert werden. "Das wäre aber die Kapitulation vor dem Niedriglohnsektor", betonte Rische.

Die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse seien zwischen 1998 und 2008 von damals 72,6 auf nun noch 66 Prozent zurückgegangen, sagte DGB-Vize-Chefin Annelie Buntenbach, die für die Gewerkschaften im Vorstand der Rentenversicherung sitzt. Heute habe eine Floristin, die 40 Jahre Vollzeit gearbeitet haben, einen Rentenanspruch von monatlich 710 Euro.

Eine Bäckereifachverkäuferin liege bei 670 Euro, ein Busfahrer bei 740 Euro, ein Gebäudereiniger bei 550 Euro. Durch die verschiedenen Rentenreformen der vergangenen Jahre erhielten Menschen mit solchen Erwerbsbiografien in Zukunft nochmals 15 Prozent weniger, betonte Buntenbach.

Trotz der drohenden Altersarmut und den angekündigten Null- und Mini-Anpassungsrunden für Rentner bis 2016 geht Rische davon aus, "dass die Regierung die jetzt beschlossenen Reformen einhält". Er wünscht dem neuen Arbeits- und Rentenminister Franz Josef Jung (CDU) dafür die "notwendige Akzeptanz in der Bevölkerung".

Einen fließenden Übergang in den Ruhestand hält Rische für sinnvoll. Es sei erfreulich, dass sich die Betriebe darauf einstellten. Ergänzend sei es sinnvoll, die Zuverdienstgrenzen für Rentner lockerer zu gestalten. Es sei nicht vermittelbar, dass derzeit für jeden individuell Zuverdienstgrenzen festgelegt werden müssten.

Von Minister Jung verlangte Rische für Anfang nächsten Jahres ein Konzept zur Überprüfung der Rente mit 67. Bislang ist im Gesetz nur festgelegt, dass die Chancen für ältere Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt untersucht werden müssten, bevor die Rente mit 67 tatsächlich im Jahr 2012 startet. Der Jahrgang 1947, der dann regulär in den Ruhestand gehen könnte, soll als erster einen Monat länger als bis zum 65. Geburtstag arbeiten.

Quelle: RP

 
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