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Hessen Wahl Spitzenkandidaten panorama
  Foto: AP
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Do it like Obama: Hessens Spitzenkandidaten im Twitterfieber

zuletzt aktualisiert: 15.01.2009 - 19:24

Wiesbaden (RPO). Yes We Can, too. Dieser Ansicht sind wohl momentan die meisten Spitzenkandidaten der hiesigen Parteien. Wie vor ihnen schon Barack Obama in den Vereinigten Staaten fahren sie nun in Hessens Wahlkampf eine hochentwickelte Kampagne im World Wide Web. Jedenfalls versuchen sie das.

SPD-Mann Thorsten Schäfer-Gümbel postet vom Aufstehen bis zum Schlafengehen mit wachsender Begeisterung im Blogging-Dienst Twitter. Sein Konkurrent, Ministerpräsident Roland Koch (CDU), lässt twittern - von Ehrenamtlichen der Jungen Union.

Am 4. Januar, zwei Wochen vor der Landtagswahl, war bereits die erste kleine Nachricht auf Schäfer-Gümbels Twitterkanal zu lesen: "Heute gehts los: Neujahrsempfang und Twittern! Freue mich, dabei zu sein!", lautete die zwangsweise kurze Nachricht, denn der Bloggingkanal erlaubt nur 140 Zeichen. Manchmal stündlich tippt der SPD-ler seitdem News wie "Mehr Ganztagsschulen, Konferenz in Frankfurt" oder "Wer kommt nach Alsfeld?" in sein Internethandy. Und am Ende des Tages: "Wieder ein Stück vorwärts. Bis morgen."

"Rede von Merkel ist fertig", posteten wiederum die Freiwilligen aus den Reihen des CDU-Nachwuchses, als die Kanzlerin jüngst in Wetzlar gesprochen hatte. Kurz darauf heißt es auf Kochs Twitterkanal und Videoserver: "Halle leert sich wieder." Auch dass in Hessen Minusgrade herrschen, ist ein Posting wert: "Eisige Kälte draußen, leichter Dunst über der Stadt." Unbeantwortet ließen die jungen CDU-ler dagegen ihre selbst gestellte Spezialistenfrage: "Gibt es eigentlich eine gute Twitter App für BlackBerry?"

Wer Programmatisches sucht, scrollt meist vergeblich die Einträge hoch und runter, denn viel Inhalt lässt sich mit der vorwärtsgerichteten Blogger-Methode kaum transportieren. Mehr Möglichkeiten bietet da der vergleichsweise konventionelle YouTube-Kanal der Grünen. FDP und Linke vertrauen einstweilen noch ausschließlich den klassischen Wahlkampfkonzepten. "Wer twittert", sagt der Frankfurter Psychologe Peter Fiesel, "sollte etwas auf der Pfanne haben." Der Obama-Stil allein verschaffe noch nicht das gewünschte Image.

"Damit Obamas Methode funktioniert, braucht es mehr als eine kleine Nachricht oder Botschaft", sagt Fiesel. Das Schlüsselwort des künftigen US-Präsidenten sei "Change" - Veränderung - gewesen, und mithilfe des Internets sei es auf der ganzen Welt gehört worden. Die bloße Wahl des Mediums ersetze nicht eine "tatsächliche Vision". Sowohl Koch als auch Schäfer-Gümbel fehle zumindest beim Twittern (englisch: zwitschern) eine klare Ansage wie etwa: "Ich will in einem bestimmten Stil meine Politik machen."

Für die Kölner Agentur "Barracuda", die den Internetauftritt des SPD-Spitzenmanns konzipierte, hat der unermüdlich twitternde Schäfer-Gümbel ein Ziel dennoch erreicht. "Er hat sich bekannt gemacht", sagt Barracuda-Geschäftsführer Oliver Zeisberger. Inzwischen bekommt der SPD-Spitzenmann sogar ungebetene Unterstützung von einem Double Twitterer, hinter dem der frühere "Titanic"-Chefredakteur Martin Sonneborn stecken soll.

Das Double nimmt sein Vorbild mit Einträgen wie "Offline ist wie Luftanhalten" eher liebevoll als bösartig auf die Schippe. "Habe Mutter gerade erzählt, dass ich öffentlich twittere", schreibt der falsche Schäfer-Gümbel ins Netz. "Ohrfeige erhalten!" Längst hat der echte SPD-Kandidat zurückgetwittert. "Nur Gutes wird kopiert." Und verspricht fürs angestrebte Amt des Ministerpräsidenten: "Auch als MP in Hessen möchte ich weiter twittern."

Quelle: DDP

 
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