Die Landrätin von Fürth: Gabriele Pauli - reizvoll, rot, rebellisch

VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 20.03.2007 - 17:59

(RP) Gabriele Pauli hat Ambitionen und will künftig nicht nur auf ihrem feuerroten Motorrad durchstarten. Derzeit ist sie Landrätin in Bayerns kleinstem Landkreis. Warum ihr die Welt als Landrätin zu klein wird.

Auf dem Marktplatz in Zirndorf ist Kirmes: Kinder drehen sich in knuffigen Fliegern, neben der Schiffschaukel schallen Schlager aus den Boxen, Bratwurstduft steigt in den geröteten Abendhimmel. In der kleinsten Kreisstadt Bayerns wirkt alles klein. "Der kleine Grieche" steht an einem Fachwerkhaus, "Der kleine Pizzabäcker" an einem anderen. Und es sind nur ein paar kleine Schritte bis zum Landratsamt, dem Arbeitsplatz der einzigen Landrätin des Freistaats: Dr. Gabriele Pauli.

Dieser Name ist unwiderruflich mit dem Rückzug von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber verbunden. Weil die Landrätin aus dem kleinen Zirndorf aussprach, was viele in der CSU dachten. Weil sie jenen den Weg bereitete, die gierig darauf warteten, das Fell zu verteilen. Der Weg ist nun frei für Günther Beckstein und Erwin Huber, um Stoiber als Landesvater und Parteichef zu beerben. Von der "Königsmörderin" Pauli halten sich die Herren aber lieber fern.

Es ist früher Freitagabend. Im Landratsamt sind längst die Lichter gelöscht. Gabriele Pauli sitzt im dunklen Ledersofa ihres Stammlokals „Café Maroni" am Marktplatz. Hier reckt niemand den Hals nach der Landrätin. Man kennt sich. Und ist es inzwischen gewohnt, dass sich Journalisten die Klinke in die Hand geben.

Der Inhaber heißt Murat Bülbül, gehört dem liberalen alevitischen Glauben an. Vor ein paar Wochen saß auch ein Journalist der türkischen Tageszeitung „Hürriyet“ in einem der Ledersofas, fragte Pauli, ob sie schon mal in der Türkei Urlaub gemacht habe und ob sie erlauben würde, dass ihre Tochter einen Türken heirate. „Wenn sie sich lieben, warum nicht?“, antwortete Pauli. „Hürriyet“ feierte die Stoiber-Stürzerin als „Freundin der Türkei“. Pauli lacht glockenhell, als sie diese Geschichte erzählt. Und blickt etwas erstaunt in die Welt, in der plötzlich so wenig so viel bewirken kann.

Fränkische Gelassenheit ist für sie ein wichtiger Anker in diesen turbulenten Wochen. Die damit begannen, dass die Staatskanzlei versuchte, das Privatleben der 49-Jährigen auszuschnüffeln. Und ihren vorläufigen Höhepunkt fanden, als 6000 vermeintliche Parteifreunde beim politischen Aschermittwoch der CSU in Passau über die Ökonomin herfielen. „Hexe" und „Sau" riefen sie Pauli zu, auch andere Ausdrücke, die sogar die gewohnte Derbheit beim "längsten Stammtisch der Welt" übertrafen.

„Ein paar Gabi-Rufe waren auch darunter“, sagt sie mit ruhiger Stimme. „Das waren Leute aus meinem Landkreis.“ Ein Stück Heimat im Feindesland. „Ich genieße es, sein zu können, wie ich bin. Ohne jedes Wort auf die Goldwaage legen zu müssen." Nachdenklich rührt Pauli in ihrem Latte Macchiato.

Nur einen Augenblick. Dann ist sie wieder in ihrer Rolle. Glockenhelles Lachen. Klar, toll sei diese andere Welt, der Medienrummel, glamouröse Abende wie neulich in Baden-Baden, wo Spaniens König Juan Carlos einen Preis bekam, Peter Maffay und Placido Domingo zu den Gästen gehörten. Und mittendrin sie, Gabriele Pauli, mit ihrer 19-jährigen Tochter Cornelia. Noch in der Nacht fuhr sie nach Zirndorf zurück, um morgens pünktlich zu sein: Im Alltag von Akten, Scheckübergabe und Einweihungsfest.

Dieser Alltag ist Pauli zu klein geworden. Trotz komfortabler Zwei-Drittel-Mehrheit will sie 2008 nicht mehr als Landrätin antreten. „Ich brauche eine neue Herausforderung, habe das Gefühl, dass ich das Amt nicht mehr mit frischen Impulsen füllen kann.“ Das verkündet sie 14 Monate vor der Wahl, „damit ein Nachfolger aufgebaut werden kann". Also doch die Selbstlose?

Nein. Dass sie jetzt mehr will als den kommunalen Erfolg, verhehlt sie nicht: „Ich will voll durchstarten.“ Wenn sie solche Sätze sagt, blicken ihre blauen Augen mit beeindruckender Klarheit in die Welt. Ihre Lippen sind fuchsiarot nachgezogen, die Fingernägel französisch manikürt, die roten Haare hochgesteckt. Frau Landrätin trägt hohe Pumps, Jäckchen mit Maxi-Muster in Schwarz-Weiß - und knapp knielangen Rock. Ihre Röcke müssten länger werden, haben ihr CSU-Obere geraten. „Die hätten am liebsten, dass ich diese geschlechtslosen Anzüge trage", sagt Pauli. Und lacht. Da könne sie doch gleich im Kartoffelsack durch die Gegend laufen.



Am Vormittag war Kreistagssitzung, es ging um den Haushalt. „Wir haben investiert und dennoch die niedrigste Kreisumlage Bayerns." Das macht selbstbewusst. Und mutig. „Wenn ich dem Druck nicht standhalten kann, hätte ich's doch gar nicht anfangen brauchen", betont Pauli mit Blick auf die vergangenen Wochen. „Da hätt' ich schon die Sorge haben müssen, etwas zu verlieren." Hat sie aber nicht. „Weil ich ein ausgewogenes Leben führe."

Keine Angst vor Ministersessel

Ihr angekündigter Rückzug zog prompt eine neue Kampagne gegen die CSU-Rebellin nach sich: Knapp 4000 Euro Ruhegeld stünden der Landrätin zu, empörten sich Boulevardblätter. Beckstein ließ sogleich medienwirksam prüfen, ob alles rechtens ist. Die Männerwelt schlug wieder zurück. Dennoch: Pauli, die seit mehr als 17 Jahren dem CSU-Vorstand angehört, strebt nach Höherem. Generalsekretärin vielleicht oder Ministerin. „Aber ich brauche es nicht. Vergangenheit und Zukunft belasten das Jetzt."

Nein, diese Frau wird nicht schweigen. Und wer ihr nur mit dem Vorwurf der Selbstprofilierung begegnet, macht es sich zu leicht. Denn ihre Forderung nach mehr Basisdemokratie in der CSU ist nicht neu, auch nicht ihre Kritik am Intrigantenstadl, der Schatten im Privatleben sucht, um Unbequeme zum Schweigen zu bringen.

Seit dem Valentinstag ist sie zum zweiten Mal geschieden und damit absolute Ausnahme im mehr als 40-köpfigen CSU-Vorstand, dessen Familienbild, „doch gar nicht mehr der Wirklichkeit entspricht". Dabei sei es wichtig, „Verlust zu spüren, um stärker zu werden".

Stärke ist ihrer Ansicht nach typisch weiblich. Auf Frauen vertrauen kann sie in der CSU aber nicht. Als Pauli Stoiber wegen der Schnüffeleien, die ihr Männergeschichten und Alkoholprobleme nachweisen sollten, eine frauenfeindliche Haltung vorwarf, formulierten Führungsfrauen flugs ein Papier, das den Landesvater als Frauenversteher pries. Barbara Stamm, Vizepräsidentin des Landtags, unterschrieb nicht. „Manchmal ist es mutig, nichts zu sagen", weiß Pauli.

Eine andere Meinung zu vertreten als die Masse, hat sie selbst früh gelernt. Mitte der 70er, als es schick war, links zu sein, besonders in der bayerischen SPD-Hochburg Mittelfranken, trat sie in die CSU ein. „Ich war Bezirksschulsprecherin, wollte Konkretes für die Schüler durchsetzen. In anderen Parteien gab es nur ideologische Diskussionen."

Deshalb CSU, in der sie als Exotin gilt: Weil sie als einzige eine Fahrerin hat, keinen Fahrer. Und weil Pauli in ihrer Freizeit am liebsten schwarzes Leder an ihre Haut lässt - „damit ich fest im Sattel sitze". Im Sattel eines PS-starken Motorrads, einer blutroten Ducati Monster.

Quelle: RP

 
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Autor: hubert.braun | 20.03.07 22:26 (1/2)
Kein Problem @Bayer47!
Dann drück halt mal die Daumen dass die Sozen 2008 die absolute Mehrheit gewinnen im Maximilianeum.
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Autor: Bayer47 | 20.03.07 19:36 (2/2)
Gabriele Pauli ist nicht nur reif fürs Kabinett
Sie arbeitet mit der Kraft der Wahrheit und ihre einzige Angst ist, von dem abzuweichen, was sie für richtig hält. Diesen Quellen entspringen auch all ihre anderen Statements, die sie aus dem...
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