Ehrenkreuz für Tapferkeit: Historische Auszeichnung für vier Soldaten
zuletzt aktualisiert: 06.07.2009 - 16:29Berlin (RPO). Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg sind deutsche Soldaten mit einem Ehrenkreuz für Tapferkeit ausgezeichnet worden. In einer betont zivilen Zeremonie erhielten am Montag vier Feldwebel im Alter zwischen 28 und 33 Jahren das neue Ehrenkreuz der Bundeswehr.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (beide CDU) nahmen die Ehrung vor. Merkel forderte mehr Anerkennung für die Einsätze der Bundeswehrsoldaten.
Die Männer hatten nach einem Selbstmordattentat in Afghanistan im vergangenen Oktober nach den Worten Merkels unter Einsatz ihres Lebens alles getan, um das Leben anderer Soldaten sowie afghanischer Kinder zu retten. Bei dem Anschlag in der Nähe von Kundus waren zwei deutsche Soldaten und fünf afghanische Kinder getötet worden. Das Ereignis hatte sich wenige Tage nach der offiziellen Einführung des von Jung angestoßenen Ehrenkreuzes abgespielt.
Verliehen wurde das Kreuz "für besonders tapferes Verhalten unter außergewöhnlicher Gefährdung für Leib und Leben". Zugleich betonte Merkel, die Auszeichnung werde stellvertretend für den Einsatz vieler anderer Bundeswehrsoldaten verliehen. Merkel forderte, die Leistungen der Bundeswehr insgesamt stärker zu würdigen. "Unsere Soldaten müssen für ihren Einsatz mehr Anerkennung finden", sagte sie. Es werde in Deutschland auch zu wenig darüber gesprochen, was die Auslandseinsätze den Einzelnen und ihren Familien abverlangten.
Während in anderen Ländern Tapferkeitsmedaillen eine lange Tradition haben, ist die deutsche Ehrung wegen der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und das damals verliehene Eiserne Kreuz teilweise umstritten. Merkel betonte allerdings die Notwendigkeit einer solchen Ehrung. "Eine Armee im Einsatz braucht eine solche Auszeichnung", sagte sie. Zugleich wurde die Zeremonie jedoch betont zivil gestaltet: Sie wurde im kleinen Rahmen im Bundeskanzleramt vor einer blauen Stellwand abgehalten, statt Militärmärschen wurde Klassik gespielt. Weitere Tapferkeitsauszeichnungen sind derzeit nicht in Vorbereitung.
Der Bundeswehrverband verteidigte die Ehrung als "längst überfällig", wie sein Vorsitzender Ulrich Kirsch dem Sender N24 sagte. "Wenn jemand etwas ganz Besonderes leistet und dabei sein eigenes Leben in die Waagschale wirft, dann ist das doch wohl wert, honoriert zu werden." Die Auszeichnung beschreibe zudem in gewisser Hinsicht die neue Rolle der Bundeswehr als einer "Einsatzarmee". Und die habe in einem Einsatz wie in Afghanistan auch "mit Tod und Verwundung zu leben", sagte er dem Radiosender WDR 5.
Auch SPD und CDU lobten die Auszeichnung. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil nannte es richtig, dass diejenigen, die Mut bewiesen hätten, auch entsprechend anerkannt würden. Sein CDU-Kollege Ronald Pofalla erklärte, die Leistungen der Bundeswehr müssten stärker gewürdigt werden; dazu gehöre auch das geplante Ehrenmal für Angehörige der Bundeswehr. Die Linke sprach dagegen von "militaristischen Ritualen zur Glorifizierung und Verherrlichung des Soldatentums". Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe, nannte die Auszeichnung laut Handelsblatt.com "positiven Patriotismus", der kein Heldenkult sei.
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