Unicef-Studie zur Lage der Kinder: Holland Vorbild, Deutschland im Mittelfeld
VON NICOLAS BERTHOLD - zuletzt aktualisiert: 14.01.2010 - 19:37Berlin (RPO). Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Köhler hat zusammen mit der Kinderhilfsorganisation Unicef die neue Studie "Zur Lage der Kinder in Deutschland 2010 - Kinder stärken für eine ungewisse Zukunft" vorgestellt. Demnach hat sich die Situation der deutschen Kinder im internationalen Vergleich seit 2007 leicht verbessert.
Die Unicef-Studie zur Lebenssituation der Kinder in 21 Industrieländern zeigt, dass sich in den vergangenen zwei Jahren einige Aspekte in Deutschland verbessert haben. Andererseits gibt es noch immer Verbesserungsmöglichkeiten und ungelöste Probleme.
Platz 1 für die Niederlande
Von den 21 untersuchten Mitgliedsstaaten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) landet Deutschland mit Platz 8 im oberen Mittelfeld. Die besten Bedingungen finden Eltern für ihre Kinder laut Studie erneut bei unseren Nachbarn aus den Niederlanden. Gefolgt von den drei skandinavischen Ländern Schweden, Finnland und Norwegen. Vor drei Jahren belegte Deutschland noch den elften von 21 Plätzen.
Die Unicef-Studie lobt einerseits die Fortschritte und Verbesserungen in den Bereichen Bildung, Beziehungen zu Gleichaltrigen und Familie sowie Verhalten und Risiken. Hier lässt sich seit der letzten Studie 2007 ein statistischer Aufwärtstrend feststellen.
Deutliche Defizite erkennbar
Die Unicef-Experten warnen aber vor deutscher Genügsamkeit: "Es gibt keinen Anlass, es sich auf einem Mittelfeldplatz bequem zu machen. Denn dahinter verbergen sich deutliche Defizite", sagt Regine Stachelhaus, Geschäftsführerin von Unicef Deutschland.
Insbesondere die Situation allein erziehender Mütter und ihrer Kinder sei besorgniserregend. Vielfach seien diese Kleinfamilien von materieller Armut betroffen, die es unbedingt zu beseitigen gilt. Von den rund 2 Millionen Kindern, die von allein erziehenden Elternteilen groß gezogen werden, müssen fast 700.000 Kinder mit weniger als 60 Prozent des Äquivalenzeinkommens zurechtkommen.
Finstere berufliche Zukunft
Hinzu kommt die finstere berufliche Perspektive, die die Jugendlichen in Deutschland von ihrer Zukunft zeichnen. Knapp 25 Prozent gehen nach Beendigung von Schule oder Ausbildung davon aus, dass sie Arbeiten mit niedriger Qualifikation ausüben werden. In anderen Industrieländern blicken junge Erwachsene deutlich optimistischer nach vorn.
Die Situation in punkto Gesundheit und Sicherheit ist ebenfalls bedenklich. Deutschland belegt in diesem Bereich nur Platz elf. Unicef beklagt die zu hohe Säuglingssterblichkeit, das Geburtsgewicht der Kinder und die niedrige Impfrate.
Eltern mit in der Verantwortung
Der aktuelle Bericht nimmt die Eltern der Kinder mit in die Verantwortung. Demnach vermitteln Erwachsene ihrem Nachwuchs zu häufig ein negatives Bild der Zukunft und ihrer persönlichen Möglichkeiten. Vielmehr sollten sie als stärkender Faktor einwirken, Potenziale aufzeigen und nicht den Fokus auf mögliche Gefahren oder Probleme richten.
Der jetzt präsentierte Bericht ist eine Fortführung der Studie von 2007 und hat sechs unterschiedliche Bereiche untersucht: Materielles Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit, Bildung, Beziehungen zu Gleichaltrigen und Familie, Verhalten und Risiken sowie subjektives Wohlbefinden.
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