Einweihung für Mai geplant: Holocaust-Mahnmal: Die letzte Stele steht
zuletzt aktualisiert: 15.12.2004 - 16:24Berlin (rpo). Die letzte Stele steht, der oberirdische Teil des Berliner Holocaust-Mahnmals ist damit fertig. Ehe es im Mai eingeweiht werden kann, muss nun noch das unterirdische Dokumentationszentrum fertig gestellt werden. Gemeinsam sollen Sie die Erinnerung an die jüdischen Holocaust-Opfer wach halten.
Äußerlich ist das Holocaust-Mahnmal, das am 10. Mai in Berlin eröffnet werden soll, seit heute vollendet. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) und der US-Architekt Peter Eisenman waren dabei, als die zwei Meter hohe Stele am Rande des 19.000 Quadratmeter großen Geländes aufgestellt wurde. "Wir sind voll im Zeitplan", sagte die Publizistin und Mitinitiatorin des Mahnmals Lea Rosh.
Forderungen von Kritikern nach einer Eröffnung schon zum deutschen Gedenktag für Völkermord am 27. Januar wies Rosh als "unsinnig" zurück, da die Arbeiten an dem unterirdischen "Ort der Information" noch nicht fertig seien. Darin soll eine Ausstellung auf insgesamt 800 Quadratmeter Fläche in fünf Räumen an das Schicksal ermordeter Juden erinnern und die Vernichtung dokumentieren. Geplant ist etwa, den Weg von 15 jüdischen Familien exemplarisch nachzuzeichnen. Mit dem Ausbau soll Anfang bis Mitte Januar begonnen werden. Einen Tag nach der feierlichen Eröffnung im Mai ist das Holocaust-Mahnmal dann für alle Besucher frei zugänglich.
Das einem wogenden Feld gleichende Mahnmal mit unterschiedlich hohen, eng beieinander stehenden Säulen soll durch dezente Sicherheitsmaßnahmen geschützt werden. Nicht nur Rechtsextreme oder radikale Islamisten, sondern auch geistig Verwirrte könnten sich gegen das Mahnmal wenden. Dennoch lehnt die Mahnmal-Stiftung einen Zaun ab: Der Säulenwald soll öffentlich zugänglich sein, Schutz bieten unauffällige Sicherheitsbeamte und zusätzliche Polizeistreifen. Nachts werden die Stelen von "sabotagesicheren" Lampen angestrahlt.
Architekt Eisenman will nach eigenen Angaben mit dem Bauwerk zeigen, dass es "kein Ziel, kein Ende, keinen Weg hinein oder hinaus" aus der Erinnerung gebe. Das Ausmaß des Holocaust mache jeden Versuch unmöglich, ihn mit traditionellen Mitteln zu repräsentieren, hatte Eisenmann im Juni 1999 gesagt, nachdem sich der Bundestag für seinen Entwurf entschieden hatte. Dem war eine jahrelange, kontroverse Diskussion um das Mahnmal vorausgegangen. Bereits 1988 hatte die Publizistin Lea Rosh zum Gedenken an die Judenverfolgung ein "sichtbar gemachtes Bekenntnis zur Tat" gefordert und dafür einen Förderkreis gegründet.
Nach jahrelanger Debatte entschied sich der Bundestag im Rahmen eines Architekturwettbewerbs 1999 für Eisenmans Entwurf und stellte umgerechnet 27,5 Millionen Euro bereit, doch erst im Oktober 2001 konnte mit dem Bau begonnen werden. Kurz zuvor hatte Roshs Förderverein mit einem umstrittenen Plakat zu Spenden aufgerufen, auf das der Satz: "Den Holocaust hat es nie gegeben" gedruckt war. Die Berliner Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen Volksverhetzung auf, die Plakate wurden schnell wieder abgehängt.
Ein weiterer Eklat folgte im Oktober 2003: Weil die Firma Degussa den Graffiti-Schutz für das Projekt bereitstellen sollte, verhängte das Kuratorium der Mahnmalstiftung einen Baustopp. Ein Degussa-Tochterunternehmen hatte während der NS-Zeit das Giftgas Zyklon B für die Vernichtungslager hergestellt. Das Kuratorium trennte sich kurz von dem Unternehmen, machte den Entschluss aber schließlich wieder rückgängig.
Bundesinnenminister Otto Schily und der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, haben sich anlässlich der Fertigstellung des Stelen-Feldes für ein Demonstrationsverbot rund um die Gedenkstätte ausgesprochen. In der "Leipziger Volkszeitung" plädierten auch die innenpolitischen Fraktionsexperten von SPD und CDU/CSU, Dieter Wiefelspütz und Wolfgang Bosbach, dafür. Ablehnend äußerte sich Bundestagspräsident Wolfgang Thierse.
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