| 12.09 Uhr

Ruth Klüger
Holocaust-Überlebende lobt deutsche Willkommenskultur

Berlin. Die Schriftstellerin und Auschwitz-Überlebende Ruth Klüger hat im Bundestag eindringlich ihr Leid als Zwangsarbeiterin der Nationalsozialisten geschildert und zugleich die deutsche Flüchtlingspolitik gelobt.

In einer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus berichtete die 84-Jährige gestern, wie sie als Kind von dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in das Arbeitslager Christianstadt deportiert wurde. Sie berichtete von Hunger, Kälte und Gewalt. "Im Steinbruch war es zum Verrecken kalt."

Weltweit wird am 27. Januar der Nazi-Opfer gedacht. Am 27. Januar 1945 befreiten russische Truppen die letzten noch lebenden Häftlinge des größten deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Die in den USA lebende Klüger nannte als Hauptgrund, die Einladung für die Rede im Bundestag anzunehmen, die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland: "Dieses Land, das vor 80 Jahren für die schlimmsten Verbrechen des Jahrhunderts verantwortlich war, hat heute den Beifall der Welt gewonnen dank seiner geöffneten Grenzen und der Großzügigkeit, mit der Sie syrische und andere Flüchtlinge aufgenommen haben und noch aufnehmen.

Klüger wurde 1931 in Wien als Tochter eines jüdischen Arztes geboren. Die Familie wurde nach Theresienstadt deportiert und von dort ins Vernichtungslager Auschwitz. Ihr Vater und Halbbruder wurden ermordet. Klüger gelang mit ihrer Mutter auf einem "Todesmarsch" die Flucht. Sie zählt zu den bekanntesten Germanistinnen in den USA. Als Schriftstellerin machte sie sich mit ihrer Autobiografie einen Namen. Bundestagspräsident Norbert Lammert rief zu Wachsamkeit gegenüber Unmenschlichkeit und Ausgrenzung auf.

(dpa)