In Krefeld statt Passau: Horst Seehofer kämpft um Parteivorsitz
zuletzt aktualisiert: 22.02.2007 - 07:41Krefeld (RPO). Horst Seehofer war nicht in Passau zum Politischen Aschermittwoch seiner Partei. Stattdessen war er in Krefeld zum Fischessen. Dort sprach er über Kernkraftwerke, den Transrapid, Kindererziehung - und endlich auch über seinen Willen, Parteichef zu werden: "Ich bin Kandidat, und ich bleibe Kandidat."
Als Horst Seehofer am Mittwochabend das Hotel in Krefeld betritt, ist die allgemeine Aufregung groß. Unzählige Medienvertreter fangen den Bundesagrarminister bereits am Eingang ab. Als er kurz darauf den Saal betritt, in dem die CDU Krefeld ihr Fischessen am Aschermittwoch abhält, empfangen ihn die rund 300 geladenen Gäste mit tosendem Applaus.
Seehofer ist sichtlich erfreut: "Ich bedanke mich für die für meine Verhältnisse ungewöhnlich freundliche Begrüßung", sagt er. Das Publikum lacht, sie verstehen seine Anspielung.
Sein Auftritt bei der Unions-Schwesterpartei im nordrhein-westfälischen Krefeld hatte bereits im Vorfeld für einigen Wirbel gesorgt, weil Seehofer dem politischen Aschermittwoch der CSU am Mittag im niederbayerischen Passau überraschend ferngeblieben ist.
Schon den Journalisten, die ihm vor seinem Auftritt fragen, ob er denn den Konflikt mit Stoiber und Huber gescheut hätte, erklärt er, dass sein Fernbleiben nichts zu bedeuten habe. "Ich war ganz selten in Passau, und nach 30 Jahren muss ich mich in der Partei auch nicht mehr vorstellen", sagt er lachend.
Auch der Kreisvorsitzende der CDU Krefeld, Winfried Schittges, begrüßt Seehofer überschwänglich. Nicht nach Passau und nicht nach Ingolstadt sei Seehofer gekommen, sondern nach Krefeld. Er spricht sogar von einem "Krefelder Geist", der zu spüren sei.
Bei seiner Rede bleibt Seehofer die meiste Zeit im Vagen, streift dabei aber zahlreiche publikumswirksame Themen. "Es ist Unsinn, sichere Kernkraftwerke abzuschalten und Strom aus unsicheren Werken aus dem Ausland zu beziehen", ruft er. Das Publikum spendet ihm begeistert Beifall. Auch für den umstrittenen Transrapid bricht Seehofer eine Lanze: "Wie sollen wir denn etwas ins Ausland verkaufen, wenn wir es im eigenen Land nicht verwenden."
Für seine Kabinettskollegin, Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU), ist Seehofer voll des Lobes. "Sie hat Recht. Wir müssen in Deutschland mehr tun, um Berufstätigkeit und Kindererziehung zu vereinbaren", betont er. Aber auch die Frauen, die sich "nur" für die Erziehung des Nachwuchses entscheiden, hätten den Respekt der Gesellschaft verdient.
Erst am Ende seiner Rede gibt Seehofer auf die ersehnte Frage nach seiner Kandidatur um den CSU-Vorsitz eine Antwort. "Ich bin Kandidat und ich bleibe Kandidat, und das werde ich auch in den nächsten Monaten massiv betreiben", betont er. Und fügt hinzu: "Wenn nicht jetzt, wann dann."
Das überraschende Fernbleiben vom politischen Aschermittwoch seiner Partei im niederbayerischen Passau habe nichts zu bedeuten. Der derzeitige CSU-Chef Edmund Stoiber werde erst in sieben Monaten aus dem Amt scheiden. "Man muss sich schließlich seine Kräfte immer einteilen", scherzt Seehofer.
Als Motivation für seine Kandidatur gibt Seehofer an, er wolle bei den nächsten Wahlen mit der Union die 40-Prozent-Marke wieder brechen. "Und am besten wäre es, alleine die Geschicke wieder zu bestimmen", sagt er im Hinblick auf den momentanen Berliner Koalitionspartner SPD. CDU und CSU dürften sich dabei nicht auf die politische Schwäche der Gegner verlassen, sondern müssten es aus eigener Kraft schaffen. "Und dazu gehören in einer Partei Gesichter."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum