CSU-Parteitag: Huber lädt Pauli zur Mitarbeit ein
zuletzt aktualisiert: 29.09.2007 - 23:30Düsseldorf (RPO). Gabriele Pauli will und darf weitermachen. "Es darf auch jemand unbequem sein", zeigte sich der neue CSU-Chef Erwin Huber nach dem Eklat um die chancenlose Konkurrentin generös.
Der frisch gebackene Parteichef, dem Pauli nach seiner Rede die Hand gereicht hatte, sagte: "Sie hat die Chance, in der CSU mitzuarbeiten. Bei uns wird niemand ausgegrenzt. Es darf auch jemand unbequem sein." Die 24 Stimmen für Pauli seien vermutlich eine Respektsbezeugung "für den Mut, den sie zweifellos hatte", erklärte der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach.
Erst als Huber als neuer CSU-Chef gewählt war, Seehofer mit 39 Prozent ein achtbares Ergebnis eingefahren hatte und Pauli mit 2,5 Prozent deutlich verloren hatte, machte sich bei der Parteispitze und den Delegierten deutliche Erleichterung breit. "Es ist geklärt", meinte CSU-Generalsekretär Markus Söder über das Verhältnis der Partei zu Pauli.
Pauli selbst betonte nach ihrer Niederlage, sie sei nicht enttäuscht. "50 plus x wäre natürlich toll gewesen", meinte sie scherzhaft. "Ich führe aber ein glückliches Leben, das hängt nicht davon ab, Parteivorsitzende zu werden." In der CSU werde sie weiter mitmachen, schließlich habe sie Impulse gegeben. Als Landrätin wird sie nicht mehr kandidieren. Zu ihren Zukunftsplänen meinte Pauli nur geheimnisvoll: "Warten wir's mal ab."
Eklat
Gabriele Pauli hatte auf dem CSU-Parteitag zuvor für einen Eklat gesorgt: Die Fürther Landrätin forderte Beckstein auf, sich zu seinen jüngsten Angriffen auf sie zu erklären. "Lieber Günther, was hat Dich dazu veranlasst zu sagen, diese Frau müsse zum Psychiater?" Für diese Aussage fordere sie keine Entschuldigung, aber eine Erklärung.
Ihren großen Auftritt platzierte die Landrätin am Samstag mitten in den geplanten Triumphzug des designierten bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein. Kaum hatte dieser seine Bewerbungsrede für die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2008 beendet, zückte die Fürther Landrätin die rote Wortmeldekarte und schritt zum Mikrofon. Der künftige Regierungschef habe sie als Person bezeichnet, die zum Psychiater müsse, sagte Pauli. Das nehme sie nicht hin. "Lieber Günther, ich will dazu eine Erklärung von Dir!", verlangte sie.
"Ich habe mir in der Zwischenzeit sehr viel anhören müssen, liebe Parteifreunde", warf sie den rund 1.000 Delegierten vor. Sie habe den Sturz von Edmund Stoiber schließlich nicht allein verursacht. "Mich hat man danach als Königsmörderin bezeichnet", rief Pauli unter vereinzelten Pfui- und Buh-Rufen. "Ich weiß, warum ihr das so macht. Man tut sich leicht, wenn man das alles einer Person anhängen kann."
Schließlich wurde der Landrätin das Mikrofon abgeschaltet. Man wolle nun die Wahl zur Nominierung Becksteins zum Spitzenkandidaten durchführen, hieß es.
Dabei hatte der Parteitag so besinnlich begonnen. Ein evangelischer Geistlicher warnte die Politiker in einer Andacht vor "eitler Selbstbespiegelung im Gefühl der Macht". Ein katholischer Pfarrer mahnte: "Wir brauchen Ehrlichkeit und Mut."
Versteinerte Miene
Auslöser für Paulis Auftritt war die Bewerbungsrede Becksteins. Darin erwähnte er nur Erwin Huber und Horst Seehofer als Bewerber um den Parteivorsitz. Pauli hörte mit versteinerter Miene zu. Als Beckstein nach Paulis Wortmeldung auf sie zugehen wollte, zeigte diese ihm die kalte Schulter. Sie wolle, dass er in aller Öffentlichkeit eine Erklärung abgebe, sagte sie. "Alles, was bisher über mich publiziert wurde, war auch öffentlich."
Nach seiner Nominierung reagierte Beckstein dann doch noch öffentlich. "Ich will auch mit kritischen Geistern in und außerhalb der Partei einen fairen Umgang pflegen", sagte er vor den Delegierten und bot Pauli ein persönliches Gespräch an. Er habe sie nie als Fall für den Psychiater bezeichnet. Andere hätten das getan. Außerdem habe Pauli schon vor dem Parteitag Gelegenheit gehabt, mit ihm zu sprechen. Das habe sie nicht getan. "Ich wollte, dass das alles mal geklärt wird", erklärte Pauli nach ihrer öffentlichen Wortmeldung.
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