20 Jahre Wiedervereinigung: Hunderttausende feiern Deutsche Einheit
zuletzt aktualisiert: 03.10.2010 - 20:09Bremen (RPO). Rund 350.000 Menschen haben den 20. Jahrestag der Deutschen Einheit in Bremen gefeiert. Die Feierlichkeiten blieben weitestgehend friedlich, resümierte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Sonntag. Auch in Berlin und anderen Orten wurde das Jubiläum gewürdigt.
Bremens Polizeichef Holger Münch lobte die gründliche Vorplanung der Feiern. "Das hat wunderbar funktioniert", sagte er. Rund 40 Vorkommnisse von Grafittis bis Sachbeschädgiungen im Vorfeld der Feiern hätten Anlass zur Sorge gegeben, doch seien Ausschreitungen in der Stadt ausgeblieben. Der Schutz der Einheitsfeierlichkeiten vom Bürgerfest bis hin zum Staatsakt habe mehr als zwei Millionen Euro gekostet, so Mäurer.
Den Angaben zufolge blieb eine Demonstration am Samstagmittag mit 50 Teilnehmern völlig friedlich. Bei einer Demonstration mit 2000 Teilnehmern am Samstag war einzelne Farbbeutel und Flaschen geworfen und zwei Böller gezündet worden. Dabei hatte die Polizei in der Gruppe rund 700 gewaltbereite Demonstranten ausgemacht.
In der Nacht zum Sonntag zündeten Unbekannte einen Schaufelradlader und drei Autos in verschiedenen Stadtteilen Bremens an. Zudem seien die Scheiben einer Postfiliale eingeschlagen worden, hieß es. Diese Vorkommnisse ordnet die Polizei Einheitsgegnern zu. Außerdem brannten vier Müllcontainer, sagte Münch und korrigierte damit frühere Angaben.
Wulff fordert mehr Zusammenhalt
Bundespräsident Christian Wulff rief in seiner Rede die Deutschen zu mehr Zusammenhalt und Respekt gegenüber Fremden auf. "Wir sind ein Volk. Dieser Ruf der Einheit muss heute eine Einladung sein an alle, die bei uns leben", sagte er am Sonntag beim zentralen Festakt in Bremen. "Legendenbildungen, Zementierung von Vorurteilen und Ausgrenzungen dürfen wir nicht zulassen. Das ist in unserem eigenen nationalen Interesse."
Zugleich machte Wulff deutlich, dass Deutschland auch von Einwanderern die Einhaltung der Werte der Verfassung verlange. Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte die Gemeinschaftsleistung der Menschen in Ost- und Westdeutschland.
Auch der Bundestag erinnerte am Sonntagabend mit einer Feierstunde an die deutsche Wiedervereinigung. Bei dem Festakt vor dem Reichstagsgebäude in Berlin dankte Parlamentspräsident Norbert Lammert dem anwesenden Alt-Kanzler Helmut Kohl (beide CDU) für seinen Einsatz zur Herstellung der deutschen Einheit. Viele hätten daran mitgewirkt.
Dass aber diese historische Chance im Einvernehmen mit den europäischen Nachbarn und mit Unterstützung wichtiger Partner genutzt werden konnte, daran habe Kohl einen "herausragenden persönlichen Anteil". Der 20. Jahrestag der Wiedervereinigung sei eine besonders gute Gelegenheit, dem Kanzler der Einheit und Ehrenbürger Europas für diese "historische Leistung" zu danken.
Blumen für Helmut Kohl
Die Gäste der Feierstunde erhoben sich zu Ehren von Kohl von ihren Plätzen und applaudierten. Lammert überreichte dem sichtlich gerührten Alt-Kanzler einen Blumenstrauß. Auch dessen Frau Maike war anwesend, ebenso wie Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maiziere, die letzte Volkskammerpräsidentin Sabine Bergmann-Pohl, die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher sowie viele andere ehemalige und aktive Politiker.
Umrahmt wurde die Feierstunde von Musikbeiträgen. Ein Fallschirmspringer landete mit einer Deutschlandfahne in unmittelbarer Nähe des Parlamentsgebäudes. Auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude hatten sich auch mehrere tausend Berliner und Gäste eingefunden. Sie waren durch Absperrgitter von der offiziellen Veranstaltung abgetrennt, konnten die Feierstunde aber in Sichtweite sowie über große Videoleinwände verfolgen.
Mit einem Feuerwerk und Klängen der "Ode an die Freude" am Brandenburger Tor gingen in Berlin die Feierlichkeiten zu Ende. Jahren. Im Laufe des Tages waren Zehntausende Menschen bei sonnigem Herbstwetter über die Berliner Festmeile flaniert. Eine Sprecherin des Veranstalters sagte, die Stimmung war fröhlich und friedlich. Es seien viele Familien zu dem Fest gekommen. Zudem sei spürbar gewesen, dass Berlin das Symbol der Wiedervereinigung ist.
Nach Angaben der Sprecherin waren insgesamt 250.000 Berliner und Gäste zu dem Volksfest gekommen. Die Polizei sprach von einem friedlichen Verlauf ohne Zwischenfälle.
"Weg der Hoffnung eingeweiht"
Mit einem Festakt und einem Gottesdienst wurde derweil am thüringischen "Point Alpha" der christlich inspirierte "Weg der Hoffnung" eingeweiht. Durch seine Lage auf dem ehemaligen Todesstreifen werde aus dem Skulpturenweg ein Ort der Erinnerung an die jahrzehntelange Unfreiheit in der DDR, sagte der Vorsitzende der Point Alpha Stiftung, Wolfgang Hamberger.
In ihrer Predigt würdigten die Landesbischöfe Martin Hein von Kurhessen-Waldeck und Ilse Junkermann von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland den Beitrag der ostdeutschen Christen zur Wende. "Die DDR war ein Unrechtsstaat", betonte Junkermann. Angesichts dessen, was Christen dort durchgemacht hätten, "müssen wir voll Ehrfurcht Danke sagen", ergänzte Hein.
Die 14 bis zu vier Meter hohen Metallplastiken des aus der DDR stammenden Bildhauers Ulrich Barnickel greifen den biblischen Kreuzweg Jesu auf. Sie befinden sich beim früheren US-Beobachtungsposten "Point Alpha" nahe Geisa, einem der militärstrategisch bedeutendsten Orte des Kalten Krieges. Laut Angaben der Point Alpha Stiftung, die das Denkmal in Auftrag gab, nahmen etwa 800 Menschen an dem Gottesdienst teil; Tausende Gäste besuchten am Tag der Deutschen Einheit die ebenfalls von der Stiftung betriebene Gedenkstätte.
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