Prominente in der Bundesversammlung: "Ich bin ein freier Geist"
zuletzt aktualisiert: 19.05.2009 - 11:35Berlin (RPO). Regina Halmich schätzt an Horst Köhler, dass er Klartext redet. Überzeugend findet die langjährige Boxweltmeisterin vor allem die Mahnung, die Krise sei "keine Kulisse für Schaukämpfe", sondern eine Bewährungsprobe für die Demokratie. Die 32-Jährige ist nur eine von vielen Prominenten aus allen Teilen der Gesellschaft, die von den Parteien für die Abstimmung über den Amtsinhaber und Kandidaten der Union, Köhler, seine SPD-Herausforderin Gesine Schwan, und den Kandidaten der Linken, Peter Sodann, entsandt werden.
Laut Grundgesetz besteht die Bundesversammlung aus den Bundestagesabgeordneten und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der Länder gewählt werden. Regelmäßig werden neben den Spitzenpolitikern der einzelnen Länder auch Prominente, Sportler oder Künstler gewählt, die ebenso wie die übrigen Mitglieder der Versammlung nicht an Aufträge und Weisungen gebunden sind.
So sitzen im Bundestag am 23. Mai Schauspieler, Sportler, Industrielle und Gewerkschaftsbosse zusammen. Für Halmich steht schon jetzt fest: Köhler habe die Dinge "exakt auf den Punkt gebracht", sagt die 32-Jährige. "Er gibt sich nicht volksnah - er ist es." Deshalb hat sie keinen Zweifel, wem sie in der Bundesversammlung ihre Stimme geben wird.
Das überrascht nicht: Regina Halmich wird von der CDU Baden-Württemberg in das Gremium entsandt, das am nächsten Samstag das neue Staatsoberhaupt wählt. Uwe Steimle hingegen reist für die sächsische Linke nach Berlin. "Als die mich gefragt haben, musste ich mich nicht groß verstellen", sagte der Schauspieler und Kabarettist, der mit Linkspartei-Kandidat Peter Sodann befreundet ist. "Die meisten Menschen haben nur eine Meinung. Aber der Peter, der hat eine Haltung." Sodann werde zwar wohl nur als Spielball benutzt, aber es sei toll, wie der kämpfe.
Steimle vermutet bis heute, dass die Entscheidung des NDR, ihn als Kommissar Hinrichs in der Fernsehserie "Polizeiruf 110" in den Ruhestand zu schicken, mit seiner Unterstützung für Sodann zu tun hatte. Die letzte "Polizeiruf"-Folge mit ihm wird Ende Juni ausgestrahlt. Den Krimi, der am Samstag in Berlin spielt, findet der 45-Jährige ungleich spannender. Ob er in einem möglichen dritten Wahlgang auf SPD-Kandidatin Gesine Schwan umschwenken würde, lässt er offen. "Das ist doch eine geheime Wahl. Mir wurden zwar Empfehlungen ausgesprochen, aber ich bin ein freier Geist!"
"Keine Paradiesvögel"
Das nimmt auch Handballnationaltrainer Heiner Brand für sich in Anspruch. Der 56-jährige Gummersbacher, der von der SPD Nordrhein-Westfalen benannt worden ist, hat immer wieder Sympathien für Köhler erkennen lassen, der ihm vor zwei Jahren auch das Bundesverdienstkreuz verliehen hat. "Ich kann eigentlich nur Positives über ihn sagen", bekräftigte Brand kürzlich. Eine öffentliche Festlegung auf Schwan lehnt er ab. Die Entscheidung sei "Privatsache".
Damit allerdings könnte Brand sich getäuscht haben. Der schnauzbärtige Trainer sollte sich vielleicht mal mit Fürstin Gloria von Thurn und Taxis unterhalten. Seit sie 2004 als CSU-Wahlfrau für Gesine Schwan gestimmt hat, wird sie von der bayerischen Staatsregierung nicht mehr eingeladen. Auch wenn die Fürstin letztes Jahr versicherte, heute würde sie Köhler wählen, der CSU war die Sache eine Lehre. "Keine Paradiesvögel", entschied Parteichef Horst Seehofer frühzeitig.
Doch nicht nur bei der CSU tendiert der Glamourfaktor diesmal gegen Null. Angesichts der knappen Mehrheitsverhältnisse wollten auch CDU und FDP keine unnötigen Risiken eingehen. Dies gilt auch für die Freien Wähler, die Köhler die knappe absolute Mehrheit sichern wollen. Ihre Frontfrau Gabriele Pauli gab ihr Ticket nach Berlin sogar zurück, weil sie sich nicht auf Köhler festlegen mochte.
Charlotte Knobloch und die "Prinzen"
SPD und Grüne sehen das entspannter. Sie haben wieder eine Reihe von Schauspielern und anderen Prominenten aufgestellt. So schicken die Sozialdemokraten aus Hamburg Nina Petri in die Bundesversammlung, aus Baden-Württemberg Walter Sittler und aus Berlin Leonard Lansink ("Wilsberg"). Aus Bayern reisen Ottfried Fischer und Doris Schröder-Kopf auf SPD-Ticket nach Berlin, aus Sachsen der Sänger Sebastian Krumbiegel von den "Prinzen".
Die Grünen in Berlin haben Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, und Schriftsteller Feridun Zaimoglu nominiert, ihre Parteifreunde in Baden-Württemberg die Schauspielerin Jasmin Tabatabai.
Die Union setzt stärker auf vertraute Gesichter. Zu den Schwergewichten aus der Wirtschaft zählen Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt (CDU Baden-Württemberg) und der frühere DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun (CDU Hessen). Verlegerin Friede Springer wird von der CDU Berlin entsandt. Mit DGB-Chef Michael Sommer (SPD Berlin) und IG-Metall-Chef Berthold Huber (SPD Hessen) sind auch die Gewerkschaften prominent vertreten. Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrates der Juden, verdankt ihren Platz der CSU.
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