Guttenberg verteidigt Truppenbesuch: "Ich tue das, was ich für richtig halte"
zuletzt aktualisiert: 14.12.2010 - 16:08Berlin (RPO). Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erntet auch aus der eigenen Koalition Kritik für seine Afghanistan-Reise mit Ehefrau Stephanie und Fernsehmoderator Johannes B. Kerner. Guttenberg weist die Kritik zurück. Der Truppenbesuch sei wichtig.
"Ich würde dem Minister zu mehr Zurückhaltung raten und ihm stattdessen empfehlen, die nach wie vor bestehenden Ausbildungs- und Ausrüstungsdefizite bei der Truppe zeitnah zu beheben", sagte die FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff dem "Kölner Stadt-Anzeiger" vom Dienstag. Die Anwesenheit von Starmoderatoren sei das letzte, was die Truppe derzeit brauche. Guttenberg selbst rechtfertigte die Reise. "Ich tue das, was ich für richtig halte, um den Soldaten hier im Einsatz die Anerkennung und die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die sie verdienen", sagte der CSU-Politiker Spiegel online.
Grüne sind empört
Dagegen erneuerten die Grünen ihre Kritik und sprachen von einer Selbstinszenierung, die an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten sei. "Auch wenn eine Reise nach Afghanistan vielleicht auf dem Wunschzettel von Stephanie zu Guttenberg ganz oben stand, hätte der Bundesverteidigungsminister hier die Grenzen erkennen müssen, die ihm sein Amt auferlegt", sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Der Krieg in Afghanistan dürfe nicht als Kerner-Show am Hindukusch inszeniert werden. Wer die Interessen der Soldaten ernst nehme, hätte ihnen besser gesagt, wie lange sie noch den Kopf hinhalten sollten.
Rückendeckung aus der Union
Rückendeckung erhielt der Verteidigungsminister aus der Union. CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich griff vor allem SPD-Chef Sigmar Gabriel scharf für seine Aussage an, nun fehle nur noch die Doku-Soap-Teilnehmerin Daniela Katzenberger am Hindukusch. "Es ist eine Beleidigung gegenüber unseren Soldatinnen und Soldaten, dass ihnen Herr Gabriel seine eigene offensichtliche Primitiv-Fantasie unterstellt", sagte Friedrich. Er habe Gabriel solche Fantasien immer zugetraut. Bislang seien diese jedoch ein Vorurteil gewesen. "Man sollte die Diskussion nicht auf dieses Primitiv-Niveau herunterziehen."
Gabriel hatte Guttenberg am Vortag kritisiert und erklärt: "Ich finde, Frau Katzenberger fehlt noch. Hätten die Soldaten ein bisschen was von. So hat nur der Bundesverteidigungsminister was von". Die gesamte Opposition hatte den gemeinsamen Truppenbesuch der Guttenbergs am Montag scharf kritisiert und dem Minister vorgeworfen, er nutze die Soldaten lediglich als Kulisse für die Selbstinszenierung.
Friedrich verteidigte indes die Aufzeichnung der Kerner-Sendung am Hindukusch. "Die Kriegsberichterstattung aus dem Ersten Weltkrieg war in einer damals stattfindenden Mediengesellschaft eine andere als heutzutage", sagte er. Heute gebe es ganz andere Formen, um der Bevölkerung in der Heimat deutlich zu machen, wie sich die Soldaten fühlten. Es sei ein Anlass zum Nachdenken, dass die Medien den Besuch weitgehend kritisch, die Soldaten aber begeistert aufgenommen hätten.
Auch Unions-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier nahm Guttenberg in Schutz. "Mich interessiert nicht die Spur, was Herr Gabriel dazu sagt, sondern mich interessiert, was die Soldatinnen und Soldaten dort dazu sagen", erklärte der CDU-Politiker. Sein Eindruck sei, dass die Truppe es durchaus schätze, dass ihr Einsatz stärker als früher in der Öffentlichkeit sichtbar werde.
Altmaier weist Kritik zurück
Unterdessen hat der Unions-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier (CDU) hat die Kritik an der Afghanistan-Reise von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und dessen Ehefrau zurückgewiesen. Er habe den Eindruck, dass der Besuch von den Soldaten am Hindukusch sehr gut aufgenommen worden sei, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in Berlin. Allein das sei entscheidend.
Altmaier ging insbesondere auf die Kritik des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel ein, der Guttenbergs Reise höhnisch kommentiert hatte. Bei Gabriels Bemerkung, es fehle nur noch der Truppenbesuch des Models Daniela Katzenberger, sei wohl "der Wunsch der Vater des Gedankens" gewesen, sagte Altmaier. Der Besuch der Guttenbergs sei nicht aus dem Rahmen anderer Besuche von Politikern herausgefallen.
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