Ein Gast im Kanzleramt berichtet: "Ich war dabei"
zuletzt aktualisiert: 27.08.2009 - 08:00Frankfurt (RP). Frank Schirrmacher, Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", war beim Geburtstagsempfang für Deutsche-Bank-Chef Ackermann Gast im Kanzleramt und berichtete darüber. Wir dokumentieren Auszüge:
"Es ist Zeit für ein Bekenntnis: ich war dabei. Ich habe gegessen und ich habe geredet, allerdings kaum getrunken. Ich habe, als ich eine Einladung der Bundeskanzlerin zum Abendessen mit Josef Ackermann bekam, nicht abgesagt. Ich habe auch nicht danach gefragt, wer das Essen zahlt.
Josef Ackermann habe ich vorher höchstens dreimal in meinem Leben gesprochen, und weil ich ihn mag, sah ich eine gute Gelegenheit, nicht nur ihn, sondern auch die Räume der Kanzlerin kennenzulernen. (...)
Der Abend war interessant, was vor allem an den anderen Gästen und der klugen Tischordnung lag. Ich glaube, kann es aber nicht beschwören, dass es Spargel gab.
Weit entfernt saßen verstreut die journalistischen Kollegen, die ich sowieso schon kannte, Mathias Döpfner, Kai Diekmann und Stephan Sattler. Mir gegenüber saß Wolfgang Schürer, Vorsitzender der Stiftung des Lindauer Nobelpreisträgertreffens, der interessant von der Begegnung von Studenten mit Nobelpreisträgern erzählte. Rechts davon, wenn ich mich recht erinnere, sogar mir direkt gegenüber, saß Klaus-Dieter Lehmann, der Chef des Goethe-Instituts, in seiner Nähe (...) Jürgen Hambrecht, der Chef der BASF. Frau Schavan blickte freundlich von links herüber, daneben die damals noch nicht arme Frau Schaeffler, die auf meine Frage an Frau Schavan, warum wir den Dipl.Ing abgeschafft haben, sehr interessant über Ingenieure aus China berichtete. (...)
Frau Merkel moderierte das Gespräch. Auch hier versagt mein Gedächtnis für alle Details. Aber sehr viel wurde über Bildung gesprochen und über die Präsentation deutscher Kultur im Ausland. Ich habe sehr profitiert. Niemand schien betrunken. Es wurde nicht getanzt. (...)
Hätte ich gewusst, dass es nötig werden würde, ich hätte mir Notizen angelegt. Ich kann zu meiner Entschuldigung nur sagen, dass ich ähnliche Geburtstagsessen auch schon beim Bundespräsidenten erlebt habe, zum Beispiel bei Hans Magnus Enzensbergers 70. Geburtstag, wo das Essen, wie mir schien, in jedem Fall nicht schlechter war. Ich habe nicht gesehen: Udo Walz, Sabine Christiansen oder Til Schweiger. Frank Elstner war da, aber der gehört in eine andere Kategorie. (...)
Wer wird sich jetzt noch von der Bundeskanzlerin einladen lassen? Anders als manche meiner journalistischen Kollegen, die sich niemals zum Essen einladen lassen und jedes Büffet verschmähen, bin ich schwach geworden. Wir sind weit gekommen, in der Beschädigung der Würde nicht nur der Politiker, sondern auch der Verfassungsorgane, aber alles hat seinen Preis. Verzeihung kann ich nicht erwarten, aber Verständnis. Mit keinem Mitschuldigen habe ich geredet. Mein Bekenntnis kommt aus freiem Willen. Ich habe bekannt, nun richtet mich."
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