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Protokoll des Wahltages
Im dritten Wahlgang: Wulff ist Bundespräsident
Wahl des Bundespräsidenten: Der Tag in Bildern
Wahl des Bundespräsidenten: Der Tag in Bildern FOTO: Screenshot BundestagsTV
Berlin (RPO). Christian Wulff ist in der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt worden. Der CDU-Politiker erhielt im dritten Wahlgang 625 Stimmen und erreichte die absolute Mehrheit. Der rot-grüne Kandidat erzielte 494 Stimmen. Insgesamt wurden 1240 gültige Stimmen, 121 Wahlmänner enthielten sich ihrer Stimme. Das Protokoll eines langen Wahltages. Von P. Stempel und F. Bluhm

++ 21.47 Uhr: Merkel, Westerwelle, Seehofer gratulieren - Zuerst spricht die Bundeskanzlerin. Sie würdigte Christian Wulff als jemanden, der auf die Menschen zugehen werde. Er sei genau der richtige, der in der jetzigen Zeit gewählt worden sei. FDP-Chef Guido Westerwelle würdigte Wulff als Brückenbauer und betonte seine Freude darüber, dass im dritten Wahlgang doch eine breite Mehrheit gefunden wurde. Zum Schluss durfte CSU-Chef Horst Seehofer gratulieren. Er sei dankbar, dass im dritten wahlgang die Bedeutung des Bundespräsidenten von einer großen Mehrheit der Versammlung gesehen wurde. Wulff werde ein engagierter Anwalt von Bürgerinteressen sein, so Seehofer.

++ 21.33 Uhr Die Bundesversammlung singt die Nationalhymne - Nach mehr als neun Stunden geht die Bundesversammlung zu Ende - mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne. Die meisten Mitglieder haben mitgesungen - pikant: Die Kandidatin der Linken, Luc Jochimsen, bewegte ihre Lippen nicht.

++ 21.26 Uhr Die Dankesrede - Christian Wulff dankt in seiner Rede Joachim Gauck für den Wettstreit und freut sich, dass seine Stimme auch weiterhin Deutschland gehört werden wird. Er schließt mit den Worten "Gott schütze unser Land".

++ 21.21 Uhr Christian Wulff nimmt die Wahl an - Norbert Lammert erklärt dem Bundestag, dass Christian Wulff bereits von seinem Amt als Niedersachsens Ministerpräsident zurückgetreten ist. Somit kann er die Wahl annehmen. Das tut er dann auch - "außerordentlich gerne und aus Überzeugung". Nach einem kurzen Applaus gibt es Blumen - zunächst überreicht von Angela Merkel, dann von den anderen Fraktionschefs. Interessant: Gesine Lötzsch umarmt kurz nach der Blumenübergabe auch die Kanzlerin. 

++ 21.19 Uhr Gratulationen für Christian Wulff Nach Philipp Rösler gratuliert auch David McAllister. Der kann sich jetzt auch freuen, schließlich wird er mit großer Wahrscheinlichkeit am Donnerstag zum neuen Ministerpräsidenten von Niedersachsen gewählt werden.

++21.14 Uhr Lammert verkündet Ergebnis - Christian Wulff bekommt 625 Stimmen. Der erste Gratulant ist Joachim Gauck, die Fraktionsvorsitzenden der verschiedenen Parteien folgen. Danach gratulieren die Ministerpräsidentenkollegen - allen voran Jürgen Rüttgers aus Nordrhein-Westfalen.

++ 21.07 Uhr Kurz vor der Verkündung Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel kehrt nun auf ihren Platz zurück. Guido Westerwelle tätschelt ihre Schulter. Ein Lächeln ziert ihr Gesicht - sicherlich hat auch sie schon von dem Ergebnis erfahren.

++ 20.56 Uhr Hat Wulff die Wahl gewonnen? - Ulrich Deppendorf sagt im Ersten gerade, dass Christian Wulff die Wahl wohl gewonnen habe. Er sagt, dass Wulff 625 Stimmen erhalten habe. Das wären zwei über der absoluten Mehrheit. Joachim Gauck käme demnach auf 496 Stimmen. Währenddessen füllen sich die Reihen im Bundestag wieder. Das offizielle Ergebnis soll gleich verkündet werden.

DIE STIMMEN WERDEN AUSGEZÄHLT

++ 20.22 Uhr Alle Stimmen sind abgegeben - Mittlerweile sind alle Wahlzettel in der Urne gelandet und die Auszählung hat begonnen. In ungefähr einer halben Stunde soll das Ergebnis feststehen. Der Bundestag ist mittlerweile leer, nur noch vereinzelte Plätze sind besetzt. Norbert Lammert hält die Stellung.

++20.17 Uhr: S wie Steinmeier - Der renommierte Journalist Friedrich Nowottny erklärt bei Phoenix, dass die Linke die Chance vertan hat, mit ihrer Vergangenheit aufzuräumen. Unterdessen schreitet der SPD-Fraktionschef an die Urne.

++ 20.06 Uhr Norbert Lammert hat gewählt - Mittlerweile wählen die Wahlmänner und -frauen mit dem Buchstaben L. Auch Angela Merkel hat sich bereits auf dem Weg zur Stimmabgabe begeben. Bei Phoenix plaudert die Schauspielerin Nina Hoss. Sie wurde von den Grünen nominiert und steht hinter dem Kandidaten Joachim Gauck.

++ 19.55 Uhr Neues Team bei Phoenix - Bisher kommentierte die Moderatorin Constanze Abratzky  gemeinsam mit dem neuen Focus-Chefredakteur Wolfram Weimer das Geschehen während der Wahlgänge. Weimer wurde jetzt durch Spiegel-Redakteur Christoph Schwennicke abgelöst. Es wird aber auch immer schwieriger, über Dinge zu sprechen, die bei diesem Wahlmarathon bisher nicht angesprochen wurden. Immer wieder sieht man Angela Merkel im Gespräch mit Ursula von der Leyen, Andrea Nahles gähnt und auch den anderen Gesichtern ist anzusehen, so langsam steckt der Wahltag allen in den Knochen.

++ 19.30 Uhr Lammert eröffnet den dritten Wahlgang - Der dritte Wahlgang beginnt. Es gibt Applaus, als Lammert verkündet, dass der Empfang statt nach bereits während der Bundesversammlung eröffnet wird. Heißt: Es gibt was zu essen. Auf launige Weise macht er klar, dass er hoffe, dass die Anwesenden nicht vergessen, ihre Stimme abzugeben.  

DER DRITTE WAHLGANG BEGINNT

++ 19.14 Uhr Gysi tritt vor die Presse - Gregor Gysi bestätigt, was bereits bekannt war: Luc Jochimsen tritt im dritten Wahlgang nicht mehr an. Er sagt, dass beide konservativen Kandidaten für die Linke nicht wählbar sind. Die Wahl sei frei, allerdings gehe Gysi davon aus, dass sich die meisten Vertreter der Linken enthalten werden. Der Grünen-Europaabgeordnete Werner Schulz fällt ihm mehrfach ins Wort, Gysi lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen und schimpft derweil auf SPD und Grüne, dass man sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten habe einigen können.

++ 18.58 Uhr Jochimsen tritt nicht mehr an - Während sich die meisten Mitglieder der Bundesversammlung wieder im Bundestag eingefunden haben, tagt die Linke noch immer. Im Ersten wird über Gerüchte berichtet, dass die Linke-Kandidatin Luc Jochimsen im dritten Wahlgang nicht mehr antreten werde. Bestätigt ist dies aber noch nicht, allerdings berichten dies bereits Nachrichtenagenturen und TV-Sender.

++ 18.43 Uhr Merkel schwört Koalition ein - Im Vorfeld des dritten Wahlgangs wird die Wortwahl unter den Spitzenpolitikern knackiger. Die ARD berichtet, dass CSU-Mann Horst Seehofer in der Sitzung gesagt habe, dass es nun nicht mehr nur um Wulff gehe, sondern um mehr. Und Bundeskanzlerin Merkel habe die Fraktion mit Fußballvergleichen eingeschworen: "Das war für uns das Serbien-Spiel - jetzt haben wir das England-Spiel"

++ 18.25 Uhr SPD und Hamm-Brücher bedrängen die Linke - Wie unser Reporter aus Berlin berichtet, blieben die Verhandlungen zwischen Rot-Grün und Linken nach knapp 30 Minuten ohne Ergebnis. Der frühere Linken-Chef Oskar Lafontaine brachte in der Gesprächsrunde den ehemaligen UNEP-Direktors Klaus Töpfer als möglichen gemeinsamen Präsidentschafstkandidaten ins Spiel. SPD und Grüne lehnten den Vorschlag ab. Man wolle bei Gauck bleiben. SPD-Chef Sigmar Gabriel und Grünen- Fraktionschefin Renate Künast warben eindringlich dafür, im letzten Wahlgang den Kandidaten Gauck zu unterstützen oder wenigstens die Abstimmung unter den Vertretern der Linkspartei freizugeben.

In einem emotionalen Appell rief die Grünen-Wahlfrau Hildegard Hamm-Brücher die Linkspartei zur Kooperation auf. Es gehen nicht nur um Gauck und Wulff, es gehen jetzt um einen Test der Demokratiefähigkeit der Linken. Die Wahlleute der Linken wollen nun in ihrer Sitzung ihr Abstimmungsverhalten diskutieren. Nach Informationen der ARD verdichten sich die Hinweise, dass sie den Vorschlag annehmen.

++ 17.49 Uhr FDP für Wulff - Die FDP will weiterhin zu Christian Wulff als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten stehen. Die FDP werde mit "der selben Geschlossenheit und Entschlossenheit Christian Wulff auch im dritten Wahlgang unterstützen", sagt Parteichef Guido Westerwelle der ARD. Wulff sei "der richtige Bundespräsident für Deutschland".

++ 17.23 Uhr Rot-Grün verhandelt mit der Linken - Im Bundestagsbüro von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier kommt es überraschend zu Gesprächen zwischen Sozialdemokraten, Grünen und der Linken. Die Parteien versuchen auszuloten, ob sich eine gemeinsame Mehrheit im dritten und entscheidenden Wahlgang organisieren lässt. Mit dabei in der Runde sind neben Steinmeier Oskar Lafontaine, ehemaliger SPD-Chef und jetzige Führungsfigur der Linken, die beiden Linken-Chefs Gesine Lötzsch und Klaus Ernst sowie Gregor Gysi, ehemaliger Fraktionschef der Linken. Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel und Grünen-Fraktions-Chefin Renate Künast werden erwartet. Sie wollen zuvor ihre Fraktionen unterrichten.

Wie vorab zu hören ist, beharrt Rot-Grün auf dem Kandidaten Joachim Gauck. Die Linken haben sich gegen den ehemaligen Bürgerrechtler ausgesprochen. Sie wollen stattdessen versuchen einen neuen, gemeinsamen rot-rot-grünen Kandidaten zu finden. Im Gespräch ist die ehemalige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher (89). Auch sie nimmt nach Informationen unserer Redaktion an dem Gespräch im Steinmeier-Büro teil. Sie ist als Wahlfrau für die Grünen in der Bundesversammlung angetreten. Auch der Name Matthias Platzeck ist zu hören. Der SPD-Ministerpräsident führt in Brandenburg eine rot-rote Koalition.

Für eine rot-rot-grüne Mehrheit in der Bundesversammlung würde es rein rechnerisch aber nur reichen, wenn Delegierte von Schwarz-Gelb ihrem Kandidaten Christian Wulff weiterhin die Stimme verweigern.

++ 17.21 Uhr Dritter Wahlgang anberaumt - Gegen 18.15 Uhr soll der dritte Wahlgang beginnen. Dann reicht die relative Mehrheit. Der Kandidat, der die meisten Stimmen bekommt, wird Bundespräsident. Vor allem das linke Lager ist elektrisiert.

ES MUSS EINEN DRITTEN WAHLGANG GEBEN

++ 17.10 Uhr Wulff scheitert erneut - Bundestagspräsident Norbert Lammert verliest das Ergebnis. Auf Wulff entfielen 615 Stimmen, Gegenkandidat Gauck erhielt 490. Luc Jochimsen, Kandidatin der Linken bekam 123 Stimmen - drei weniger als im ersten Durchlauf. Dem Kandidat der rechtsextremen NPD gaben genau wie im ersten Durchlauf drei Delegierte die Stimme. Auffällig bei der Bekanntgabe: Im zweiten Wahlgang gibt es nur noch 1239 abgegebene Stimmen - fünf weniger als im ersten Wahlgang.  Rein rechnerisch haben ihn 29 Delegierte aus dem schwarz-gelben Lager nicht unterstützt. Für den rot-grünen Gegenkandidaten Joachim Gauck votierten in der Bundesversammlung 490 Delegierte - neun weniger als im ersten Wahlgang. Für die Regierung Merkel sind die Abstimmungsergebnisse eine schallende Ohrfeige. Rot-Grün hingegen triumphiert. Ihr Gegenkandidat Joachim Gauck konnte im ersten Wahlgang 499 Stimmen für sich verbuchen, 37 mehr als das rot-grüne Lager zählt. Zusammen mit den Stimmen der Linken hätte es sogar für eine absolute Mehrheit gereicht.

++ 16.58 Uhr Es klingelt - Lammert ruft die Delegierten in den Plenarsaal. Zum zweiten Mal erreicht die Spannung an diesem Nachmittag einen Höhepunkt. Wieder twittern Bundestagsabgeordnete. "Man munkelt von einem dritten Wahlgang", schreibt beispielsweise die SPD-Parlamentarierin Eva Högl.

++ 16.41 Uhr Doch kein neuer Kandidat - Linken-Chef Klaus Ernst stellt klar: Einen gemeinsamen Kandidaten mit SPD und Grünen wird es nicht geben. Zuvor hatte die Co-Vorsitzende der Linken, Gesine Lötzsch, im Fernseh-Interview erklärt, ein solches Modell wäre eine Möglichkeit, über die beide nachdenken müssten. Offensichtlich gibt es nicht nur in der Regierungskoalition Abstimmungsprobleme. 

++ 16.30 Uhr Und wieder steigt die Spannung - Die Pleite im ersten Wahldurchgang war für viele überraschend. Die meisten hatten mit einem sicheren Durchmarsch gerechnet. Umso gespannter sind die Wahlleute nun auf das Ergebnis des zweiten Wahlgangs. Die Linke diskutiert bereits heftig über ihr Verhalten in einem möglichen dritten Wahlgang. Zu reizvoll erscheint manchem die Aussicht, dem Gegenkandidaten der Regierung ins Amt zu verhelfen.

++ 16.20 Uhr Auszählung reloaded - Der zweite Wahlgang ist beendet. Erneut wird ausgezählt. Die Frage, die alle in Berlin bewegt: Wird es sogar einen dritten geben? In den Reihen der Union ist Unruhe zu spüren. Wird es zum offenen Aufstand kommen oder überwiegt nun doch der Korpsgeist? Ein Hauch von Putsch liegt in der Luft.

++ 16.12 Uhr Kandidat aus der Kiste? - Gerüchte über einen neuen, gemeinsamen Kandidaten von SPD, Linken und Grünen machen die Runde. Gesine Lötzsch soll es in Umlauf gebracht haben. Auch Bodo Ramelow (Linkle) will im Gespräch mit der ARD nicht dementieren.

++ 15.16 Uhr Lammert eröffnet zweiten Wahlgang - Erneut werden alle 1244 Wahlleute in alphabetischer Reihenfolge aufgerufen und zur Stimmabgabe gebeten. Voraussichtliche Dauer: eine Stunde. Zeitgleich weist SPD-Geschäftsführer Thomas Oppermann genussvoll daraufhin, dass der rot-grüne Kandidat Joachim Gauck mit den Stimmen der Linken die Wahl im ersten Durchgang gewonnen hätte.

DER ZWEITE WAHLGANG BEGINNT

++ 15.15 Union demonstriert Zuversicht - Die Spitze der Unionsfraktion bemüht sich weiterhin in Zuversicht. Es sei "keine Katastrophe", dass Wulff im ersten Wahlgang der Bundesversammlung nicht die notwendige absolute Mehrheit erreicht habe, sagt Wolfgang Bosbach nach der Sitzung der Fraktion.

++ 15.10 Uhr Jochimsen tritt wieder an - Die Kandidatin der Linkspartei wird sich auch im zweiten Durchlauf zur Wahl stellen. Dies hätten die 124 Delegierten einstimmig entschieden, und Jochimsen habe zustimmt, sagte Parteichefin Gesine Lötzsch nach einer Fraktionssitzung.

++ 15 Uhr Joachim Gauck spricht - "Wir haben eine Etappe gewonnen, aber es  ist realistisch zu erwarten, dass der zweite Wahlgang nicht so läuft wie wir uns das wünschen", sagt der rot-grüne Kandidat vor der Fraktion der Grünen.

++ 14.55 Rösler sucht Schuldige woanders - Der FDP-Gesundheitsminister betont noch einmal: In der FDP habe es eine offene Aussprache gegeben. Drei Abgeordnete wollten Gauck die Stimme geben. Andere in der FDP - unter anderem Wolfgang Kubicki - geben sich überzeugt: Die 44 fehlenden Stimmen sind nicht auf die FDP zurückzuführen. Generalsekretär Christian Lindner wertet das Resultat eher als "ein Problem der Union". Er orakelt von "chaotisierenden Elementen" in der Regierungskoalition.

14.52 Uhr Bettina Wulff sprachlos - "Ich sage nichts." Das ist die einzige Reaktion von Bettina Wulff, der Frau des düpierten Kandidaten. Auch ein Merkel-Vertrauter ist ratlos. "Die Wahl ist frei und geheim. Ich weiß nicht, wer Wulff nicht gewählt hat. Warten wir es doch mal ab", sagt Regierungssprecher Ulrich Wilhelm.

++ 14.50 Uhr Offene Rechnungen - Politikforscher Karl-Rudolf Korte zeigt sich alles andere als überrascht von der Denkzettelwahl. "Das habe ich erwartet. Da sind jede Menge enttäuschte NRW-Wahlkämpfer von Union und FDP dabei, die mit der Regierung eine Rechnung offen haben", sagt der Wissenschaftler unserer Redaktion.

++ 14.43 Uhr "Klatsche für Merkel" - Aufgeregte Diskussionen auf den Fluren des Bundestags. Unsere Reporter Michael Bröcker sammelt Stimmen. "Eine Klatsche für Merkel", sagt DGB-Chef Michael Sommer. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) versucht Dampf aus dem Kessel zu nehmen: "Das Endergebnis ist entscheidend. Am Ende des tages wird Christian Wulff gewählt. Auch Roman
Herzog wurde im dritten Wahlgang gewählt", sagt Brüderle.

++ 14.25 Uhr Twitter hatte falsche Zahlen - Kurz vor der offiziellen Bekanntgabe des Ergebnisses explodierte der Internet-Dienst Twitter. Die Meldung, Wulff haben die Wahl mit einer Mehrheit von sechs Stimmen gewonnen, machte die Runde.

++ 14.12 Uhr Sitzung unterbrochen - Nach der Bekanntgabe des Ergebnisse unterbricht Bundestagspräsident Norbert Lammert wie abgesprochen die Sitzung. Der zweite Wahlgang soll um etwa 15.15 Uhr beginnen.

NUN MUSS ES EINEN ZWEITEN WAHLGANG GEBEN

++ 14.10 Uhr - Wulff verpasst die Mehrheit Wulff verpasst klar die benötigte absolute Mehrheit im ersten Wahlgang. 644 Delegierte hatte das schwarz-gelbe Lager in die Bundesversammlung geschickt. 600 Stimmen entfielen am Ende auf Wulff. Mindestens 623 wären nötig gewesen, um die absolute Mehrheit zu erzielen. Es ist eine Ohrfeige für die Regierung Merkel. Joachim Gauck, rot-grüner Gegen-Kandidat, konnte 499 Stimmen für sich verbuchen, 37 mehr als das rot-grüne Lager zählt. Die Kandidatin der Linken, Luc Jochimsen, erhielt 126 Stimmen und damit zwei mehr als die Linke Stimmen hat. 13 Delegierte enthielten sich, eine Stimme war ungültig. Drei Stimmen entfielen auf den Kandidaten der rechtsextremen NPD, den Liedermacher Frank Rennicke.

++ 13.57 Uhr Die Spannung steigt - Die Delegierten sind auf den Fluren, viele führen Interviews. Die meisten gehen davon aus, dass Wulff es bereits im ersten Wahlgang packt. Besonders für die Twitter-Nutzer ist die Sache bereits entschieden. Wulff, angeblich mit sechs Stimmen über der absoluten Mehrheit. In ein paar Minuten werden erneut die Glocken klingeln und die Abgeordneten zur Bekanntgabe des Ergebnisses in den Plenarsaal rufen.

++ 13.40 Uhr Gabriel feiert sich - Der SPD-Chef im Interview mit der ARD. Egal wie es auch ausgeht - Sigmar Gabriel wertet die Wahl des Bundespräsidenten schon vor Abschluss der Stimmenauszählung als Erfolg für Rot-Grün.

++ 13.30 Uhr Es wird ausgezählt - Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die Sitzung für eine halbe Stunde unterbrochen. Alle Delegierten haben ihr Votum abgegeben. Mit dem Ergebnis ist um 14.10 Uhr zu rechnen. Bundestagspräsident Lammert mahnt die Wahlleute dennoch, von einem Spaziergung um den Wannsee abzusehen.

++ 13.23 Uhr Wulff wählt - FDP-Chef Guido Westerwelle hat schon, CDU-Kandidat Christian Wulff ist auf dem Weg in die Wahlkabine. Wo der CDU-Politiker wohl sein Kreuzchen macht? Aufgerufen sind inzwischen alle. Auch der letzte Name auf der Liste, Brigitte Zypries, ist gefallen.

++ 13.18 Uhr Der Wahlzettel ist online - Der CSU-Abgeordneten Dagmar Bär ist offenbar langweilig. Sie hat ihren Wahlzettel fotografiert und bei Twitter hinterlegt. Angekreuzt ist noch nichts.

++ 13.05 Uhr S wie Schäfer-Gümbel - Inzwischen ist die Bundesversammlung beim Aufruf zur Stimmabgabe in alphabetischer Reihenfolge bei Thorsten Schäfer-Gümbel angelangt. Die Delegierten nutzen die Auszeit zum Austausch - auch über Parteigrenzen hinweg. Beck plaudert mit Westerwelle, Grüne mit der Kanzlerin, Jürgen Rüttgers mit dem Regisseur Sönke Wortmann. Auf der Ehrentribune tauschen sich immer wieder auch Joachim Gauck und Bettina Wulff aus.

++ 12.43 Twittert Martina Gedeck? - Jemand twittert unter dem Namen der Schauspielerin Martina Gedeck: "Wird wohl noch länger dauern hier in der Bundesversammlung. Gauck sieht sehr gelassen aus."

++ 12.30 Uhr - Der erste Wahlgang beginnt - Der Bundestagspräsident erklärt den Delegierten den Ablauf in allen Details: welche Wahlurne, welcher Umschlag (der blaue), welcher Weg durchs Plenum. Von nun an werden die 1244 Wahlleute in alphabetischer Reihenfolge einzeln aufgerufen und zur Stimmabgabe gebeten. Voraussichtliche Dauer: eine Stunde, dann wird ausgezählt. Gewählt ist, wer im ersten Wahlgang mindestens 623 Stimmen bekommt. Andernfalls wird ein neuer Wahlgang nötig.

++ 12.10 Uhr - Raunen im Saal Lammert geht auf die Debatte über die überparteiliche Rolle des Bundespräsidenten ein. Großes Raunen. Lammert scherzt über die "Anhänger der Erbmonarchie" und die hörbare Rolle von NRW-Grünen-Chefin Silvia Löhrmann. Das gebe ja wohl Anlass für schönste Spekulationen über die Regierungsbildung in NRW.

++ 12 UhrEin Versprecher Bundestagspräsident Norbert Lammert tritt ans Podium und eröffnet die Bundesversammlung. Er erinnert kurz an den Rücktritt von Horst Köhler: "Alles andere als ein normaler Vorgang, aber keine Staatskrise." Dabei unterläuft ihm ein kleiner Versprecher: Die Bundesversammlung trat das letzte Mal zusammen Neunzehnhundert-Zweitausendneun.

++ 11.52 Uhr - Zwei Ausfälle bei der SPD Union und FDP melden nach den Zählappellen alle Wahlleute an Bord. Anders bei der SPD: Zwei Abgeordnete fehlen - eine Parlamentarierin wegen Krankheit, die andere ist hoch schwanger. Damit verfügen die Sozialdemokraten nur über 331 statt 333 Delegierte. Die Grünen waren vollzählig, ebenso die Linkspartei.

++ 11.48 Uhr - Vier FDP-Stimmen für Gauck Vier FDP-Wahlmänner wollen heute für Joachim Gauck und nicht für Christian Wulff stimmen. Der sächsische FDP-Landeschef Holger Zastrow versicherte im Interview mit dem Sender Phoenix: "Ich weiß von vier, die drei aus Sachsen und Oliver Möllenstädt aus Bremen." Diese hätten sich gestern in der Fraktionssitzung erklärt, so Zastrow.

++ 11.40 Uhr - Wo ist Ströbele? Der Grüne Reinhard Bütikofer meldet über Twitter das Neueste vom Zählappell aus seiner Fraktion. Der Abgeordnete Christian Ströbele wird vermisst. Bütikofers Twitter-Kommentar: "Fahrrad streikte wohl."

++ 10.51 Uhr - Fraktionen rufen zum Zählappell Letzte Beratungen der Delegierten der jeweiligen Parteien. Im Berliner Reichstagsgebäude kamen zunächst die Wahlleute der Linken zusammen, die Sitzungen der anderen Parteien sollen gegen 11 Uhr beginnen. Es geht letztlich um Zählappelle, die sicherstellen sollen, dass alle da sind. Die Bundesversammlung wird um 12 Uhr zusammentreten.

++ 10.31 Der Reichstag füllt sich Vor dem Reichstagsgebäude trudeln zunehmend mehr Delegierte ein. Auch viele Prominente sind zu sehen. Martina Gedeck, Nina Hoss, Sönke Wortmann. Zu den 1244 Wahlleuten kommen Gäste und zahllose Medienvertreter. Mit anderen Worten: Das Haus ist voll bis unters Dach. Die sonst für Besucher offenstehende Kuppel ist heute gesperrt.

++ 9.16 Uhr Lammert kämpft gegen Twitter-Lecks Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) will bei der Wahl des Bundespräsidenten tunlichst Informationslecks vermeiden. Nach Ende des ersten Wahlgangs werde er die Schriftführer ermahnen, dass sich die Erfahrung der letzten Abstimmung nicht wiederholen dürfe, sagte Lammert im ZDF-"Morgenmagazin". Im vergangenen Jahr war das Wahlergebnis für Amtsinhaber Horst Köhler von Mitgliedern der Bundesversammlung noch vor der offiziellen Verkündigung per Twitter-Nachrichten publik gemacht worden. 

++ 9 Uhr - Ökumenischer Gottesdienst beginnt Der Tag der Bundespräsidentenwahl beginnt ganz offiziell. Vertreter aller Parteien besuchen einen ökumenischen Gottesdienst in der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale. Nicht ohne Pointe im Hinblick auf die Stimmabgabe ist der Appell von Prälat Karl Jüsten, Leiter des Katholischen Büros in Berlin: Er ruft Politiker und Repräsentanten von Kirche und Gesellschaft zur Gewissenserforschung auf.  

Quelle: RTR/AFP/ddp/AP
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