Vereitelte Terroranschläge: Immer mehr Spuren führen ins Ausland
zuletzt aktualisiert: 08.09.2007 - 12:24Berlin (RPO). Von den drei verhafteten mutmaßlichen Terroristen führen mehr Spuren ins Ausland als bisher bekannt. Fahnder haben laut "Spiegel" rekonstruiert, dass die gefundenen Militärsprengzünder aus Syrien stammten und mit einem Kurier eingeschleust worden sind. Die Anschläge der drei Verhafteten sollten wohl noch im September in die Tat umgesetzt werden.
Laut Bundesanwaltschaft hatte sich das Trio bereits drei Kleintransporter in Frankreich besorgt und brachte sie mit französischen Kennzeichen nach Deutschland. Dem "Focus" zufolge gehen die Ermittler davon aus, dass die Transporter als Autobomben eingesetzt werden sollten.
Die Bundesanwaltschaft relativierte am Samstag Meldungen, wonach das Netzwerk der drei Islamisten bis zu 49 Verdächtige umfasst. "Einschließlich der drei Verhafteten führen wir insgesamt zehn Ermittlungsverfahren, mehr nicht", sagte Oberstaatsanwältin Petra Keuner. Die vom Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, auf der Innenministerkonferenz (IMK) am Freitag in Berlin genannte Zahl von 49 "Verdächtigen" erkläre sich womöglich, wenn die zahlreichen Kontakte der drei verhaften Islamisten mitgerechnet würden.
Dem "Spiegel" zufolge wurden die drei im Sauerland verhafteten Islamisten aus Pakistan massiv unter Druck gesetzt, um noch im September einen Anschlag in Deutschland zu begehen. Das BKA habe Ende August einen Telefonanruf eines Unbekannten aus Nordpakistan abgehört, der den deutschen Islamisten eine Frist von 14 Tagen setzte. Die Bundesanwaltschaft suche deshalb nach zwei Unbekannten mit den Decknamen "Sule" und "Jaf". Der mutmaßliche Kopf der deutschen Terror-Zelle, Fritz G., hatte sich laut "Focus" in Telefon-Callshops Anweisungen der Islamischen Dschihad Union aus Pakistan eingeholt. Seine Gesprächspartner habe er dabei "Chef" genannt. Die Gesprächspartner unterhielten enge Kontakte zur El Kaida, berichtete der "Focus" weiter.
Ein Bericht, wonach die drei inhaftierten Terror-Verdächtigen in den laufenden Vernehmungen hartnäckig schweigen, ist laut der Bundesanwaltschaft richtig. Die "Bild"-Zeitung hatte unter Berufung auf ranghohe Sicherheitskreise außerdem berichtet, dass es noch keine belastbaren Erkenntnisse über den Verbleib der fünf bis sieben weiteren Personen aus dem Umfeld der drei Inhaftierten gebe. Die Mehrzahl solle sich ins Ausland abgesetzt haben.
Unterdessen wurde bekannt, dass der Zugriff am vergangenen Dienstag habe aus einer Polizeipanne resultierte: Als die drei Verdächtigen zufällig in eine Kontrolle gerieten, entfuhr einem Dorfpolizisten bei der Überprüfung, die Männer stünden "ja auf der Liste des BKA". Das hätten nicht nur Fritz G., Adem Y. und Daniel S. in dem verwanzten Auto, sondern auch die live lauschenden BKA-Beamten gehört, schreibt der "Spiegel.
Wie entschlossen die Verdächtigen offenbar waren, zeigt sich dem Magazin zufolge angesichts der Tatsache, dass sie die laufende Observation offenbar bemerkten. So sei einer der Islamisten einmal an einer roten Ampel ausgestiegen und habe seelenruhig die Reifen eines Verfolger-Wagens des Verfassungsschutzes aufgeschlitzt.
Die Debatten um die Online-Durchsuchung und Strafen für den Besuch von Terror-Camps hielten derweil an. Im Streit um die Einführung der Online-Durchsuchung rechnet CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla damit, dass Union und SPD sich einigen. "Am Ende wird es zu einer eindeutigen und rechtlich abgesicherten Regelung kommen", sagte Pofalla der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte am Freitag erneut betont, zunächst müssten die technischen und rechtlichen Voraussetzungen für die Online-Untersuchung geprüft werden.
Justizministerin Zypries forderte, dass muslimische Gemeinden in Deutschland künftig radikale Mitglieder den Sicherheitsbehörden melden. "Ich bin sicher, dass die friedliebenden Muslime in unserem Land nicht wollen, dass ihre Glaubensgemeinschaft durch radikalisierte Gewalttäter in Misskredit gebracht wird", sagte Zypries der "Bild am Sonntag". Sie wünsche sich deshalb, dass die Gemeinden "selbst aktiv Radikalisierungstendenzen entgegenwirken und notfalls auch entsprechende Hinweise an die Sicherheitsbehörden geben", sagte die Ministerin. Ähnlich hatten sich zuvor der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) und weitere Rechtspolitiker der Union geäußert.
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