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Bericht des statistischen Bundesamtes
Immer weniger Familien bestehen aus Ehepaaren mit Kindern

Bericht des statistischen Bundesamtes: Immer weniger Familien bestehen aus Ehepaaren mit Kindern
FOTO: dpa, iwa lre vfd
Wiesbaden. Ein Bericht des statistischen Bundesamtes für das Jahr 2013 belegt: Noch sind in den meisten Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind die Eltern verheiratet. Der Trend zeigt aber, dass dies immer seltener der Fall ist. Die Ein-Kind-Familie wird zum dominierenden Modell.

Im Jahr 2013 waren in Deutschland 70 Prozent der Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind Ehepaare. Zehn Prozent bilden in der Statistik nichteheliche oder gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften.

Die Daten der Statistiker aus Wiesbaden illustrieren einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Die Familienformen verändern sich. Zum Vergleich: Im Gegensatz zum aktuellen Anteil von 70 Prozent lag die Quote der der Ehepaare 1996 mit 81 Prozent noch deutlich höher. Zudem gab es damals wesentlich weniger Familien mit Alleinerziehenden (14 Prozent) oder Lebensgemeinschaften (5 Prozent).

Als Familien bezeichnet das Statistische Bundesamt alle Eltern-Kind-Gemeinschaften, bei denen mindestens ein minderjähriges Kind im Haushalt lebt. Zu den Kindern zählen dabei - neben leiblichen Kindern - auch Stief-, Pflege- und Adoptivkinder.

Die durchschnittliche Anzahl der Kinder in Familien hat sich zwischen den Jahren 2002 und 2012 nur gering verändert. Der Anteil von kinderreichen Familien (drei oder mehr Kinder) an allen Familien ist um einen Prozentpunkt auf 15 Prozent gesunken. Eine Steigerung gab es in diesen zehn Jahren aber bei dem Anteil von Familien mit einem Kind. Dieser Anteil stieg von 40 Prozent (2002) auf 42 Prozent (2012).

Vergleich: So viele Familien bestehen aus Paaren mit Kindern

Große Unterschiede im Ländervergleich

Im Ländervergleich gibt es bei der Verteilung der Familienformen im Jahr 2013 deutliche Unterschiede: In Baden-Württemberg war der Anteil der Ehepaare an allen Familien mit minderjährigen Kindern mit 78 am höchsten. In Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen lag der Anteil der Ehepaare nur bei 51 Prozent und damit am niedrigsten, in Bremen bei 60 Prozent. Für diese Bundesländer greift bereits der Satz: Die Ehe wird zum Auslaufmodell.

Lebensgemeinschaften traten am häufigsten in Sachsen-Anhalt und Sachsen auf (jeweils 23 Prozent aller Familien), in Rheinland-Pfalz dagegen am seltensten (6 Prozent aller Familien). Die Familien mit einem Elternteil lebten in Berlin: Dort waren 32 Prozent der Familien Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern. In Baden-Württemberg traf dies nur auf rund jede sechste Familie (16 Prozent) zu.

NRW hat laut Bundesamt für Statistik noch einen relativ hohen Anteil von Ehepaaren an den Familien mit mindestens einem Kleinkind. Hier ziehen 74 Prozent der Eltern die Kinder innerhalb einer Ehe auf. Der Anteil der Alleinerziehenden an den Familien mit einem Kleinkind liegt in NRW bei 19 Prozent und damit auf einem Niveau mit Niedersachen und Rheinland-Pfalz. Nur in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg gibt es verhältnismäßig weniger Alleinerziehende.

Immer weniger Deutsche leben in Familien

Nicht nur der Anteil der Ehepaare an Familien nimmt stetig ab. Auch der Anteil der Deutschen, die in Familien leben, wird immer geringer. So lebten laut Statistischem Bundesamt 2012 nur noch 49 Prozent aller Bundesbürger in einer Familie. 1996 waren es immerhin noch 57 Prozent.

Dass die Familie als Teil der Gesellschaft trotz abnehmenden statistischen Anteilen in vielen Teilen der Bevölkerung noch immer eine hohe Relevanz hat, zeigte der Familienbericht des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2012. Besonders unter jungen Menschen im Alter bis 30 Jahren zählt die Familie immer noch als hoher Wert, die ergab ein Datenreport aus dem Jahr 2011. Mehr als drei Viertel der für den Datenreport befragten jungen Deutschen gab an, dass sie eine Familie brauchten, um glücklich zu werden.

Mit dem Familienreport hatte die Bundesregierung 2012 die Familie auch als Bildungsort für Kinder hervorgehoben. Stärken wollte sie die Familie als Ort für Bildung weiterhin durch den "Bildungs- und Teilhabepakt". Der Teilhabepakt ermöglicht Familien mit geringem Einkommen Zuschüsse, damit Kinder an Ausflügen und Veranstaltungen in der Schule oder in Vereinen teilnehmen können. Damit solle auch sichergestellt werden, dass Impulse zur Bildung weiterhin aus den Familien heraus entstehen.

(ots/ac)
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