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Verdi kritisiert
"Zehn offene Sonntage sind völlig absurd"

Interview: Verdi sieht Sonntagsschutz in Gefahr
Die Gewerkschaft Verdi hält zehn verkaufsoffene Sonntage für keine gute Idee. FOTO: dpa
Essen. Verdi sieht den Sonntagsschutz im Einzelhandel in Gefahr. Laut einem Bericht kritisiert die Gewerkschaft, die Genehmigung von zehn verkaufsoffenen Sonntagen ohne konkreten Anlass sei verfassungswidrig.

"Wir erleben, dass der verfassungsrechtlich verankerte Sonntagsschutz ausgehöhlt wird", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ). "Etliche Behörden genehmigen Sonntagsöffnungen, die den rechtlichen Vorgaben nicht entsprechen", sagte Nutzenberger. Scharf kritisierte sie den Vorschlag des Handelsverbands Deutschland (HDE), zehn verkaufsoffene Sonntage ohne Anlass zu gestatten. "Der Vorstoß des HDE für zehn verkaufsoffene Sonntage ohne Anlassbezug ist verfassungswidrig und völlig absurd", sagte Nutzenberger. Der arbeitsfreie Sonntag sei ein Grundrecht, das Beschäftigten zustehe.

Bislang regelt jedes der 16 Bundesländer selbst, wie oft Geschäfte an Sonntagen öffnen dürfen. In vielen Bundesländern sind derzeit vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr erlaubt, in einigen wie Berlin und Brandenburg auch mehr. Die Kommunen bestimmen dann jeweils die entsprechenden Tage.

"Einfallstor für Siebentagewoche"

Auch der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (SPD) mahnte, die verkaufsoffenen Sonntage dürften "kein Einfallstor für eine generelle Ladenöffnung an sieben Tagen in der Woche" werden.
"Hier müssen die wirtschaftlichen Interessen klar hinter die Interessen des Arbeitsschutzes zurücktreten", sagte Schmeltzer der WAZ.

Das Ruhrbistum sprach sich ebenfalls gegen mehr verkaufsoffene Sonntage aus. "Unsere Ladenöffnungszeiten sind von Montag bis Samstag längst so flexibel geworden, dass es nicht wirklich notwendig ist, auch sonntags noch einkaufen zu gehen", sagte Klaus Pfeffer, Generalvikar des Bistums Essen.

Der Handelsverband Deutschland hatte vorgeschlagen, bundesweit zehn verkaufsoffene Sonntage mit Öffnungszeiten von 13 bis 18 Uhr einzuführen, ohne dass dafür wie bisher ein besonderer Anlass bestehen sollte.

(jj/KNA)
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