Gerücht über Liebesaffäre von Seehofer: Intrigen im CSU-Machtkampf
VON MARGARETE VAN ACKEREN UND REINHOLD MICHELS - zuletzt aktualisiert: 16.01.2007 - 10:56München/ Berlin (RP). Gerüchte über eine Liebesaffäre von Parteivize Horst Seehofer kursieren. Edmund Stoiber kämpfte gestern im Fraktionsvorstand um seine Spitzenämter. Seine Popularität in Bayern und bei CSU-Anhängern sinkt jedoch weiter.
Der CSU-Machtkampf trägt zunehmend intrigante Züge. Kaum hatte sich einer der Anwärter auf die Stoiber-Nachfolge an der CSU-Spitze, Bundesagrarminister Horst Seehofer, vehement für einen Verbleib Stoibers in seinen Ämtern ausgesprochen, wurde über den Ehemann und dreifachen Vater Seehofer eine delikate Behauptung verbreitet: Die Bild-Zeitung schreibt von einer seit drei Jahren bestehenden Affäre des 57-Jährigen mit einer Bundestags-Mitarbeiterin. Angeblich soll sie ein Baby von ihm erwarten.
Schon bei der Klausurtagung der Berliner CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth das Gerücht von einer Affäre die Runde gemacht. CSU-Generalsekretär Markus Söder kritisierte den Stil der Berichterstattung als „unerträglich“. CSU-Vizechefin Barbara Stamm befand: „Das ist unterste Schublade.“ Sie vermutete hinter der Veröffentlichung eine politische Kampagne.
Dass private Informationen oder auch nur Gerüchte im Kampf um die innerparteiliche Macht genutzt werden, hat in der CSU Tradition. 1993, beim Kampf zwischen Stoiber und Theo Waigel um die Nachfolge des Ministerpräsidenten Max Streibls wurde Waigel öffentlich als Ehebrecher diffamiert. „Plötzlich“ wurde seine Liaison mit der Ex-Skifahrerin Irene Epple öffentlich, und das in einer Zeit, in der viele wussten, dass Waigels Ehefrau schwer krank war.
Stoiber, der auch gestern weiter um seine Spitzenämter kämpfte, sagte zu den Gerüchten über das Privatleben des Berliner CSU-Ministers: „Ich finde es unanständig, dass so etwas in den Medien gestreut wird. Seehofer ist und bleibt für höchste Ämter erste Wahl.“ Dass diese Bemerkung aber nicht bedeutet, dass Stoiber seinen Platz an der Spitze der CSU für Seehofer zu räumen gedenkt, wurde am Morgen in München und am Nachmittag und Abend im 50 Kilometer entfernten Ort Kreuth klar.
Am Vormittag hatte Stoiber in kurzen Unterredungen mit dem CSU-Bezirkschef Oberbayern, Landtagspräsident Alois Glück, und anschließend mit CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann betont, er kämpfe weiter „für seine Ziele, für einen Erfolg Bayerns und für den Erfolg der CSU“. Bei der stundenlangen Aussprache mit dem vierzigköpfigen erweiterten CSU-Fraktionsvorstand in Kreuth äußerte sich Stoiber zunächst ähnlich unmissverständlich und kampfentschlossen.
Am Abend dann trat der Ministerpräsident Teilnehmern zufolge plötzlich dem Eindruck entgegen, er klebe an seinem Stuhl. Er wolle erneut kandidieren, erklärte er demnach, müsse aber nicht.
Unterdessen zeichnete sich zweierlei ab: Die Landtagsfraktion der CSU in München ist gespalten: in Abgeordnete, die nicht mehr an eine gute Zukunft mit Stoiber glauben und solche, die glauben, dass man mit ihm auch bei der Bayern-Wahl 2008 wieder ein Ergebnis von 50 plus X werde erreichen können.
In Stoibers politischen Überlebenskampf platzte gestern eine Forsa-Umfrage für die Illustrierte „Stern“: Danach sind 69 Prozent der wahlberechtigten Bayern gegen eine erneute Spitzenkandidatur Stoibers. Auch bei CSU-Anhängern verliert Stoiber Unterstützung: Nur 32 Prozent (vor zwei Wochen: 52 Prozent) sind laut Umfrage dafür, dass Stoiber noch einmal antritt. Glück soll vergebens versucht haben, Stoiber zur Einsicht zu bewegen: Aus Glücks Umgebung hieß es vielsagend, erleichtert sei Glück gewiss nicht nach dem Vier-Augen-Gespräch. Auch Fraktionschef Herrmann versuchte, Stoiber klarzumachen, dass die Stimmung in der Partei zu seinen Ungunsten gekippt sei. Am Abend meinte er, die CSU-Fraktionsführung stehe fair zum Ministerpräsidenten.
Besorgt ist die CSU-Führung auch, wenn sie in diesen Tagen des demoskopischen Abstiegs Artikel 18 der bayerischen Verfassung studiert. Danach könnte der Landtag durch einen Volksentscheid aufgelöst werden, wenn eine Million Stimmen für diesen Weg gesammelt werden. Die CSU hält es für möglich, dass der Opposition von SPD, Grünen und FDP dies gelingen und die CSU danach ihre gewohnte absolute Mehrheit verlieren könnte. Der SPD-Fraktionschef, Franz Maget, forderte baldige Neuwahlen, notfalls mit Hilfe von Artikel 18.
Dass die Luft für einen Verbleib des Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden dünner wird, belegen auch Äußerungen wie jene von Innenminister Günther Beckstein: Mit Blick auf den seit 1993 regierenden Stoiber meinte Beckstein, nach so vielen Jahren im Amt sei eine Debatte über eine etwaige Nachfolge Stoibers eine zunächst natürliche Diskussion.
Der populäre Franke Beckstein könnte nach Meinung seiner Bewunderer Stoiber „aus dem Stand“ ablösen und die verstörte CSU wieder befrieden. Ein Vertrauter Stoibers unterstellte Beckstein mit bissigem Ton „sehr großen Ehrgeiz, Übergangs-Ministerpräsident zu werden“. Hämisch wurde auch auf Becksteins Schwerhörigkeit in Folge eines vor Jahren erlittenen Hörsturzes verwiesen.
Gleich ehrgeizig sei Wissenschaftsminister Thomas Goppel, einst ein erfolgreicher CSU-Generalsekretär und Sohn eines der beliebtesten Ministerpräsidenten im Freistaat, Alfons Goppel.
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