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Kritik an Ankara-Abhängigkeit
Islamverband Ditib kündigt finanzielle Unabhängigkeit an

Islamverband Ditib kündigt finanzielle Unabhängigkeit an
Der Vertreter des Türkisch-Islamischen Bundesverbandes Ditib, Zekeriya Altug (Archivfoto). FOTO: dpa, hka rhi sab
Berlin. Der türkisch-sunnitische Islamverband Ditib hat angekündigt, auf lange Sicht von der Türkei finanziell unabhängig zu werden. Von Jan Drebes

"Es ist unklar, wie lange die Türkei die Unterstützung der Ditib-Imame noch leisten wird", sagte der Sprecher des Verbands, Zekeriya Altug, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, wies jedoch darauf hin, dass eine bloße finanzielle Unabhängigkeit von der Türkei nicht ausreiche, um die Ditib als Religionsgemeinschaft anzuerkennen.

Genau das ist das erklärte Ziel des Dachverbands deutsch-türkischer Moscheengemeinden. Sie beteuern ihre politische Neutralität. Kritiker werfen der Organisation jedoch vor, unter direktem Einfluss der türkischen Regierung in Ankara zu stehen und für Präsident Erdogan zu werben. Nach dem gescheiterten Putschversuch und harschen Reaktionen Erdogans hatte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Zweifel geäußert, ob Ditib als Religionsgemeinschaft eingestuft werden könne. Sie brachte das in Zusammenhang mit "Ereignissen" nach dem Putschversuch, und die niedersächsische Landesregierung stoppte Verhandlungen über einen Staatsvertrag mit Ditib-Vertretern.

CDU fordert von Ditib eine Öffnung für syrische Flüchtlinge

Grünen-Politiker Beck erklärte am Sonntag, es sei zwar "gut, dass die Ditib langsam anerkennt, dass ihre Abhängigkeit von Ankara in Deutschland als Problem empfunden wird". Es sei aber nicht das Geld allein. "Die Ditib ist ein Türkisch-Sunnitischer Verband. Muslimisch ist ein religiöses Bekenntnis, türkisch sein dagegen nicht", sagte Beck. Wollten die islamischen Organisationen als Religionsgemeinschaften anerkannt werden, müssten sie "politische oder nationale Merkmale ablegen und sich neu aufstellen", sagte der Grünen-Abgeordnete. Bundesinnenminister Thomas de Maizère (CDU) fordert, dass in Deutschland tätige Imame nicht nur aus Deutschland stammen müssten, sondern auch hierzulande ausgebildet werden sollten. Bisher ist es jedoch Praxis, dass die türkische Religionsbehörde ihre Beamten für bis zu fünf Jahre in deutsche Ditib-Gemeinden entsendet.

Ditib-Sprecher Altug sagte nun, er gehe davon aus, "dass in zehn Jahren mindestens die Hälfte unserer Imame in Deutschland sozialisiert sein wird". Von der Kritik der Grünen zeigte er sich überrascht. Dass der Verband mit der türkischen Religionsbehörde Diyanet kooperiere, sei nicht neu, sagte Altug. Die Zusammenarbeit sei wissenschaftlich begutachtet und die Unabhängigkeit der Ditib bestätigt worden. "Ditib ist und bleibt politisch neutral", erklärte der Sprecher des Verbandes. Nur die Imame, welche die Diyanet bereitstelle, würden auch von dort bezahlt.

Die CDU-Abgeordnete Cemile Giousouf hält dagegen. "Es geht nicht, dass zwei von sieben Ditib-Vorstandsmitgliedern Beamte der türkischen Religionsbehörde sind", sagte sie unserer Redaktion. Die Imame sollten in Zukunft nur aus Deutschland bezahlt werden, am besten über Moscheensteuern, die die Ditib bei einer Anerkennung als Körperschaft erheben könnte. Und: "Es wäre wünschenswert, dass sich der Verband auch anderssprachigen Muslimen etwa aus Syrien öffnet, um ihnen hier eine religiöse Heimat zu bieten", sagte Giousouf.

(jd)
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