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Parteitag in Köln
Jens Spahn schafft den Sprung ins CDU-Präsidium

Jens Spahn schafft den Sprung ins CDU-Präsidium
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn ist nun CDU-Präsidiumsmitglied. FOTO: dpa, ve soe
Köln. Überraschung beim CDU-Parteitag in Köln: Dem Gesundheitsexperten Jens Spahn gelang bei einer Kampfabstimmung aus dem Stand der Sprung ins Präsidium der Partei.

Er hat etwas gewagt, hat gekämpft - und gewonnen: Jens Spahn zieht ein ins Präsidium der CDU. Das war von der Parteispitze so zunächst nicht vorgesehen. Doch mit einem unermüdlichen Wahlkampf in eigener Sache, unzähligen Interviews und einem engagierten Auftritt vor den Delegierten des Parteitags in Köln konnte Spahn schließlich genug Unterstützung gewinnen.

Spahn ist ein Profi, trotz seiner erst 34 Jahre: Seit zwölf Jahren sitzt er im Bundestag. Er ist Experte für Gesundheitspolitik - und Experte für innerparteiliche Unruhe. So auch jetzt wieder. Dass sein Posten eigentlich für Gesundheitsminister Hermann Gröhe vorgesehen war, schreckte ihn nicht. Solche Kampfkandidaturen sind bei der CDU eigentlich alles andere als üblich.

Als Querulant will der Münsterländer nicht gesehen werden, eher als konsequenter Verfechter seiner Überzeugungen. Dass er "manchmal ganz schön auf die Nerven gehen kann", attestierte ihm jüngst sogar CDU-Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble im "Spiegel" und setzte lobend hinzu: "Aber das gefällt mir".

Spahns Kandidatur wurde von der Jungen Union und dem Wirtschaftsflügel der Partei unterstützt. Und genauso will Spahn seine Kandidatur auch verstanden wissen: Für eine Verjüngung der CDU-Spitze, für mehr Wirtschaftsfreundlichkeit der Partei. "Ich trete nicht gegen jemanden an", bekräftigte er vor den Delegierten. Und hielt eine Kurzrede, die eigentlich genau den Tenor von Bundeskanzlerin Angela Merkel einige Stunden zuvor wiedergab: Mut zur Zukunft, Offenheit für neue Technologien, Ansporn für Neues.

Geboren und aufgewachsen ist Spahn im nordrhein-westfälischen Ahaus. Der Heimat fühlt er sich noch immer tief verbunden - und versammelt auch in Berlin Exil-Münsterländer regelmäßig zu Sommerfesten und Grünkohlessen. Bodenständigkeit und Lokalpatriotismus verknüpft Spahn mühelos mit Weltoffenheit und Fortschrittsbegeisterung. Er schwärmt von Reisen nach Spanien oder Australien, er bloggt, twittert und sendet auf "spahntv". Und er hat Schuhgröße 49, wie er dem Parteitag noch berichtete.

Spahn, der junge Wilde

Der Mann mit der auffälligen, dunklen Brille nimmt gerne markante Positionen ein: Er ist bekennender Schwuler, sprach auch vor den Delegierten von Spaziergängen mit seinem Freund. In der Gruppe "Wilde 13" machte er sich für die steuerliche Gleichstellung der Homo-Ehe stark, er wettert gegen die Burka und forderte eine Reform des Wahlrechts zu Gunsten der jüngeren Generation. Und er gehört zu denen in der CDU, die immer mal wieder den Aufstand gegen zu viel Sozialdemokratisierung der Partei wagen und eine Reformagenda 2020 fordern.

Inhaltliche Überzeugung, Lust an der Rebellion und Spaß am Spiel mit der Öffentlichkeit mischen sich bei Spahn. Geschmerzt haben dürfte ihn, dass er bei der Postenvergabe nach der Bundestagswahl leer ausging - dabei war er durchaus einmal als möglicher Gesundheitsminister gehandelt worden. Um die Gesundheitspolitik kümmert sich der gelernte Bankkaufmann seit seinem Einzug in den Bundestag. Nicht nur auf diesem Feld fühlt er sich den Interessen der jungen Generation verpflichtet. Die Anliegen der Jüngeren will er nun auch in der Parteispitze vertreten.

 

(AFP)
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