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Joachim Gauck auf Staatsbesuch in Peru
"Bekenntnis zur Schuld kann Nationen stärken"

Joachim Gauck in Peru: "Bekenntnis zur Schuld kann Nationen stärken"
Bundespräsident Joachim Gauck hat in Lima über das Thema Schuld gesprochen. FOTO: dpa, wk
Lima. Bundespräsident Gauck ist stolz auf Deutschland. Nach langem Zögern hätten die Deutschen ihre düstere Vergangenheit von Nazi-Herrschaft und DDR-Diktatur bewältigt. Diese Erfahrung könne auch für andere Länder nützlich sein - wie etwa Peru.

Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seinem Staatsbesuch in Peru an die deutsche Erfahrung mit zwei Diktaturen erinnert und einen konsequenten Umgang mit der Vergangenheit angemahnt. Auch Deutschland habe mühsam lernen müssen, sich der nationalsozialistischen und der DDR-Vergangenheit zu stellen, sagte Gauck am Samstag am "Ort der Erinnerung" in der Hauptstadt Lima. In Peru waren bei bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen zwischen der linken Guerilla Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) und den Militärs seit den 1980er Jahren etwa 70 000 Menschen ums Leben gekommen.

Die doppelte Diktatur-Erfahrung habe Deutschland in eine besondere Rolle gebracht, sagte Gauck. Die deutsche Erfahrung könne auch für andere Länder nützlich sein. "Unsere Erfahrung hat unsere Nation nicht kaputt gemacht, sondern sie gestärkt", sagte Gauck.

Der "Ort der Erinnerung" in Lima soll die blutige Vergangenheit des Landes mit aufarbeiten helfen. Die Erinnerungsstätte, die auch mit deutscher Finanzhilfe errichtet wurde, ist noch nicht fertiggestellt - und umstritten. Der peruanische Präsident Ollanta Humala, ein ehemaliger Offizier, nahm an der Veranstaltung mit Gauck am Samstag nicht teil. Allerdings waren einige Kabinettsmitglieder anwesend. Strittig ist in Peru vor allem, welcher Verbrechen sich Militär und Sicherheitsdienste im Kampf gegen die maoistische Guerilla schuldig gemacht haben.

Der peruanische Literatur-Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa, der die Gedenkstätte von Anfang an unterstützt hat, hieß Gauck am "Ort der Erinnerung" willkommen. Gewalt dürfe niemals Instrument für politische Ziele sein, sagte er, an die terroristische Guerilla gerichtet. Für die gesamte Gesellschaft gelte: "Man kann die Vergangenheit hinter sich lassen, ohne die begangenen Gräueltaten zu verstecken."

"Es gibt keine Demokratie, die Zukunft hat, ohne ein starkes Gebäude des Rechts", sagte Gauck. Politik dürfe niemals nur die Perspektive der Herrschenden einnehmen, sondern müsse immer auch die der Unterdrückten und der Opfer mit einbeziehen. Auch die Schuld staatlicher Organe im Kampf gegen den Terrorismus müsse thematisiert werden. "Im Kampf verlieren wir oft unsere Werte. Aber warum sollten wir darüber nicht sprechen?"

Am Sonntag fliegen Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt von Lima aus nach Ayacucho in den Anden, damals ein Zentrum der blutigen Kämpfe zwischen Guerilla und Militärs. Dort besucht Gauck ein Gedenkmuseum, das die Familien der Entführten, Gefangenen und Verschwundenen des Bürgerkriegs eingerichtet haben. In einer Schule informiert er sich über ein Projekt mit zweisprachigem Unterricht für Kinder aus indigenen Gemeinden. Sie werden in Spanisch und Quechua, der Sprache der Ureinwohner, unterrichtet.

(dpa)
 
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