| 19.15 Uhr

Zuspruch vom ehemaligen Bürgerrechtler
Joachim Gauck lobt Thilo Sarrazin

Presse: Sarrazin hat es geschafft
Presse: Sarrazin hat es geschafft FOTO: ddp
Berlin (RPO). Thilo Sarrazin hat nach seiner Zuwanderer-Schelte in seinem Bestseller "Deutschland schafft sich ab" viel Kritik einstecken müssen, aber auch viel Lob bekommen. Nun äußert sich auch der frühere Präsidentschaftskandidat Joachim Gauck durchaus wohlwollend. Sarrazin habe "Mut bewiesen". "

Er hat über ein Problem, das in der Gesellschaft besteht, offener gesprochen als die Politik", sagte Gauck dem Berliner "Tagesspiegel" (Freitag).

Dabei äußerte er sich kritisch zum Parteiausschlussverfahren der SPD gegen Sarrazin. Die SPD habe das Recht zu sagen, dass die Position eines Parteimitgliedes nicht ihrer politischen Auffassung entspreche. Man muss aber nicht gleich mit Sanktionen drohen, wenn jemand der ein bestehendes Problem offen anspreche. Mit einer verkauften Auflage von gut 1,2 Millionen Exemplaren ist "Deutschland schafft sich ab" das erfolgreichste Buch des Jahres.

Die politische Klasse könne aus dem Erfolg von Sarrazins Buch lernen, dass "ihre Sprache der politischen Korrektheit bei den Menschen das Gefühl weckt, dass die wirklichen Probleme verschleiert werden sollen", so der evangelische Theologe Gauck. Im Sommer war er bei der Wahl des Bundespräsidenten als von der SPD nominierter Kandidat im dritten Wahlgang Christian Wulff unterlegen.

Zudem sprach sich Gauck für eine Debatte über eine Direktwahl des Bundespräsidenten aus. Zur Stärkung der Demokratie sollte es mehr Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürger geben, sagte der 70-Jährige dem Berliner Blatt.

Gauck verwies auf eine Distanz der Mitte der Bevölkerung zu politischen Entscheidungen. Deshalb wünsche er sich eine intensive Debatte über Volksentscheide auf Bundesebene, auch über die Direktwahl des Staatsoberhaupts. Das breite Interesse an der Präsidentschaftswahl im Juni habe gezeigt, dass es eine Sehnsucht der Menschen nach direkteren Formen der Mitsprache gebe.

Auch wenn es gute Gründe für die derzeitige Praxis einer Bundesversammlung gebe, sollte man offen über eine Direktwahl des Präsidenten sprechen. Gauck war als von der SPD nominierter Kandidat im dritten Wahlgang dem jetzigen Amtsinhaber Christian Wulff unterlegen.

(KNA/pst)
 
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