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Katholikentag
Joachim Gauck nennt Rechtspopulisten "Dödel"

Joachim Gauck nennt AfD-Mitglieder "Dödel"
Der Bundespräsident bei einer Diskussion in Leipzig. FOTO: dpa, woi pzi
Leipzig. Auf dem Katholikentag in Leipzig platzte dem Bundespräsidenten beim Thema Flüchtlinge und AfD der Kragen. Anlass war ein Treffen mit Vertretern der alevitischen Gemeinde in Deutschland. Von Lothar Schröder

Für den Entschluss, keine AfD-Politiker zum Katholikentag nach Leipzig einzuladen, gibt es vor allem ethisch-ehrenhafte Gründe. Doch scheint das veranstaltende Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) damit ein Eigentor geschossen zu haben. Denn die Rechtspopulisten sind mit der "Exkommunikation" nicht etwa draußen vor der Tür geblieben, sondern rückten zumindest thematisch häufig in den Aufmerksamkeitsfokus des fünftägigen Laien-Treffens.

Wirbel um Petr Bystron

Dies freilich auch mit eifriger Eigenwerbung. So warf der bayerische AfD-Landesvorsitzende Petr Bystron den Amtskirchen vor, sie verdienten über ihre Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie "alleine an der Flüchtlingskrise mehrere Milliarden Euro pro Jahr". Die Kirchen hätten daher "aus kommerziellen Gründen ein massives Interesse an weiterer Zuwanderung".

Nach den Worten von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verunglimpft die AfD damit die engagierten Mitarbeiter der christlichen Kirchen. "Dass der Ausgrenzungshaltung gegenüber Menschen, die aus Not fliehen, nun die Beleidigung derer folgt, die in eindrucksvoller Weise haupt- und ehrenamtlich helfen, zeigt, wessen Geistes Kind diese Leute sind", sagte Gröhe in Leipzig unserer Redaktion. Der Gesundheitsminister ist Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und Teilnehmer des Katholikentags.

Die Empörung über Bystrons Behauptung zog sich wie ein roter Faden durch den gestrigen Tag. Während Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung erklärte, lieber sein Amt zur Verfügung zu stellen, als mit der AfD zusammenzuarbeiten, der Berliner Erzbischof Heiner Koch darauf aufmerksam machte, dass ein Katholikentag kein Parteitag sei, und Innenminister Thomas de Maizière (CDU) von einem empörenden "Schlag ins Gesicht der Helfer" sprach, gab sich der ansonsten wortsichere Bundespräsident Joachim Gauck eher hemdsärmelig, als ihm zur Flüchtlingsfrage über die Haltung der AfD der präsidiale Kragen platzte. Bei einem Besuch von Aleviten habe er einen Grad an Dankbarkeit feststellen können, "den ich mir bei einigen dieser Dödel wünschen würde", so Gauck.

Flüchtlinge, Islam, AfD - in diesem Dreieck spielen sich weite Teile des Katholikentages ab, der von den vielen glaubensfernen Leipzigern - rund 80 Prozent gehören keiner christlichen Kirche an - mehr ertragen als getragen wird. Dennoch war der Ort des 100. Katholikentags für diese Debatten zeichenhaft - für das Kuriosum, dass gerade Städte mit einem geringen Ausländeranteil besonders anfällig für fremdenfeindliche Stimmungen sind. Und so gab es viele Aufmunterungen, der diffusen "neuen Ängstlichkeit" zu begegnen, gar eine deutsche "Generaldepression" zu überwinden. "Wir sind plötzlich nicht mehr so vertraut mit dem, was uns umgibt, weil das, was uns umgibt, plötzlich ganz groß geworden ist", so der Bundespräsident über das Phänomen der inzwischen guten alten Globalisierung.

"Der weiße Fleck"

Der Rat, Deutschland möge seine kollektive Schnappatmung beenden und recht bald in einen Entspannungsmodus wechseln, konnte nicht wirklich überzeugen. Eher durfte die Frage nachdenklich stimmen, wo bei all unseren Bemühungen um Integration von einer Million Flüchtlingen eigentlich unser Gottvertrauen bleibe. Das aber scheint erst einmal nach Information zu dürsten. Quasi im Stundentakt wird in Leipzig über Islam und Islamisierung, Flüchtlinge und Integration debattiert. Der Glaube ist der Glaube der anderen, erscheint es mitunter in Leipzig. Die Debatte um die AfD hat Spuren hinterlassen. So wurde für heute auf den letzten Drücker noch ein Podium zu Rechtspopulismus und Nationalismus auf die Beine gestellt. In der Rubrik "Der weiße Fleck" lädt das ZdK in die Oper ein: zur Debatte mit Theologen und Politologen - und ohne AfD-Vertretung.

Quelle: RP
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