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Treffen mit US-Präsident
Gauck in den USA auf Roman Herzogs Spuren

Joachim Gauck trifft am Mittwoch Barack Obama in den USA
Joachim Gauck und Daniela Schadt bei ihrer Ankunft in Philadelphia. FOTO: dpa, wk hpl
Philadelphia. Der Bundespräsident wird am Mittwoch mit US-Präsident Barack Obama über das deutsch-amerikanische Verhältnis sprechen. Von Eva Quadbeck

Bundespräsident Joachim Gauck ist am Montagabend gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt in Philadelphia im US-Staat Pennsylvania gelandet. Es ist der erste offizielle Besuch Gaucks in den Vereinigten Staaten. Dem Bundespräsidenten wird eine besondere Ehre zuteil: Nach 18 Jahren ist er das erste deutsche Staatsoberhaupt, das von einem amerikanischen Präsidenten empfangen wird. Zuletzt besuchte im Juli 1997 der damalige Bundespräsident Roman Herzog den früheren US-Präsidenten George Bush.

Die Staatsbesuche von Joachim Gauck FOTO: dpa, wk fpt

Am Abend wird Gauck noch die "German Society of Pennsylvania" besuchen, Amerikas älteste deutsche Gesellschaft, die 1764 gegründet wurde. Ihr Zweck war es, den deutschen Einwanderern beim Start im neuen Land zu helfen. Zu den deutschen Einwanderern nach Amerika gehören auch Vorfahren des Bundespräsidenten, wie Gauck erst nach der Wende erfuhr. So lebt in den USA noch eine Cousine zweiten Grades, die ihn auch schon in Bellevue besuchte.

Gauck wird am Dienstag eine "zentrale Rede", wie es vorab aus dem Präsidialamt hieß, in der University of Pennsylvania halten. Ein symbolträchtiger Ort: In Philadelphia nahm die amerikanische Demokratie ihren Ursprung. Am 4. Juli 1776 erklärten sich die 13 britischen Kolonien unabhängig von Großbritannien. Dort wurde auch die amerikanische Verfassung beschlossen und verkündet. Für Gauck will den historischen Hintergrund nutzen, um über den Anteil der Amerikaner an 25 Jahre Deutscher Einheit zu sprechen. Die Amerikaner, insbesondere George Bush, stand in dieser Frage von Anfang an auf Seiten der westdeutschen Regierung unter Kanzler Helmut Kohl.

Weiteres Thema der Rede soll auch die Zukunft der transatlantischen Beziehungen sein, hieß es aus dem Präsidialamt. Sie waren zuletzt durch die NSA-Spionage-Affäre eingetrübt. Der Bundespräsident werde sich in diesem Zusammenhang mit der Abwägung von Freiheit und Sicherheit auseinandersetzen, hieß es. In diesem Punkt fand Amerika-Freund Gauck auch schon früher klare Worte der Kritik.

Fotos: Die Staatsbesuche bei Joachim Gauck seit 2012 FOTO: dpa, jai kde

Auch für den Präsidenten persönlich dürfte diese Reise etwas Besonderes sein. Hat er doch durch den politischen Neuanfang nach dem Mauerfall ein besonderes Verhältnis zur USA. Freiheit und Verantwortung, die auch in der Ideengeschichte der Amerikaner eine große Rolle spielen, gehörten immer zu Gaucks zentralen Themen. Auf dem Hinflug in die USA berichtet Gauck eine Ankedote, die ihn bei seinem ersten Besuch, damals als Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, in den USA beeindruckte. Damals reihte er sich im Nationalarchiv in Washington in die Schlange derer ein, die das Original der amerikanischen Verfassung sehen wollten. Er sei mit einem Jungen ins Gespräch gekommen, der zu Gauck sagte: "Ich besuche meine Verfassung." Auch um die Wertegemeinschaft der demokratisch verfassten Länder soll es bei Gaucks Reise gehen.

Beim Treffen mit US-Präsident Obama am Mittwoch stehen die bilateralen Beziehungen und auch um das Thema Deutsche Einheit im Mittelpunkt. Es sei nicht ausgeschlossen, dass auch die NSA-Affäre, TTIP und die Flüchtlingskrise angesprochen würden, hieß es.

In Washington wird Gauck zudem das Lincoln Memorial und das Martin Luther King Memorial besuchen. Ein Ort des Kampfes um Freiheit und Gleichheit: Das Lincoln Denkmal erinnert an den 16. Präsidenten der USA, Abraham Lincoln, einen entschiedenen Gegner der Sklaverei. Auf den Stufen des monumentalen Erinnerungsbaus hielt Martin Luther King 1963 seine berühmte "I have a Dream"-Rede.

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