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Joachim Gauck
Eine kluge Entscheidung

Joachim Gauck verzichtet auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident
Joachim Gauck war ein kluger und beliebter Bundespräsident. FOTO: dpa, jhe
Meinung | Berlin. Bundespräsident Joachim Gauck verzichtet auf eine zweite Amtszeit. Obwohl er ein so guter und beliebter Präsident ist, trifft er damit eine kluge Entscheidung. Von Eva Quadbeck

Bundespräsident Joachim Gauck hat im Amt des Staatsoberhauptes alles erreicht, was es zu erlangen galt. Nach den peinlichen Abtritten seiner Vorgänger gab er dem Präsidentenamt die Würde zurück. Im Volk ist er beliebt, ohne dass er sich je angebiedert hätte. Die Parteipolitik begleitete er kritisch, ohne dem Politikverdruss das Wort zu reden. Und in der Flüchtlingskrise verwies er frühzeitig darauf, dass "unsere Möglichkeiten endlich" seien und nahm so viele Bürger mit, die sich von der Regierung nicht mehr verstanden fühlten. Seine für ihn wohl persönlich größte Leistung ist es, dass der Freigeist nie aus dem Protokoll gefallen ist. Die Mühe, die es ihm mitunter bereitete, seine Worte im Zaum zu halten, ließ er sich kaum anmerken.

Gaucks Entscheidung, trotz Drängen und Bitten von Union, SPD und Grünen, auf eine zweite Amtszeit zu verzichten, ist ohnehin respektabel. Die Entscheidung ist zudem klug. Der 76-Jährige verwies darauf, dass er nicht garantieren kann, noch einmal fünf Jahre mit der gleichen "Energie und Vitalität" das Amt ausfüllen zu können. Er wird spüren, dass die Kräfte nachlassen. Nun ist Gauck oft vorgeworfen worden, er sei eitel. Er ist aber nicht eitel genug, dass er sich nach den öffentlichen Schmeicheleien der Parteien wider besseren Wissens zu einer zweiten Amtszeit hinreißen ließe. Auch das spricht für diesen Präsidenten.

Bis März 2017 darf sich das Land auf einen Gauck freuen, der die letzten neun Monate seiner Amtszeit genießen und produktiv gestalten wird. Nun sind die Parteien in der Pflicht, die Würde des Amtes nicht mit unwürdigem parteipolitischem Geschacher um die Nachfolge Gaucks wieder zu torpedieren. Im Jahr der Bundestagswahl, nur knapp zwei Monate vor den Wahlen in NRW, werden sich die Parteien gegenseitig das Schwarze unter den Fingernägeln nicht gönnen. Je näher der Nachfolge-Kandidat heute noch an der aktiven Politik beteiligt ist, desto höher liegt die Wahrscheinlichkeit für Zank. Mit Würde wird man nur einen wirklich überparteilichen Kandidaten durch die Bundesversammlung bringen.

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(qua)
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