Beck verteidigt seine Äußerungen: Jobabsagen: Henrico Frank hatte kein Geld fürs Telefonat
zuletzt aktualisiert: 22.12.2006 - 12:35Hamburg (RPO). Deutschlands berühmtester Arbeitsloser, Henrico Frank, hat in einem Interview verraten, warum er sich nicht bei den Firmen gemeldet hat, die ihm einen Job angeboten haben: Ihm habe schlicht das Geld fürs Telefonat gefehlt. SPD-Chef Beck hat unterdessen seine Äußerungen gegenüber Frank nochmals verteidigt.
SPD-Chef Kurt Beck weist Vorwürfe zurück, er habe mit seinen Körperpflegetipps für den Wiesbadener Arbeitslosen Henrico Frank alle Arbeitslosen beleidigt. "Ich habe diesem konkreten Menschen gesagt, was auch richtig und notwendig war, denn so wie er ausgesehen hat, hätte ihn kein Mensch eingestellt", sagte Beck am Freitag der Nachrichtenagentur ddp in Mainz. Die Bemerkung sei aus der Situation heraus eben "eher flapsig" gewesen, räumte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident ein. Aber er sei auch nie jemand gewesen, "der nur sagt, was politisch korrekt ist".
Beck fügte hinzu, er habe mit seiner Bemerkung keinesfalls versucht, gezielt eine politische Debatte anzustoßen. Auch habe er mit seiner Vermittlung von Jobangeboten an den 37-Jährigen "nie den Anspruch verbunden, jetzt allen Langzeitarbeitslosen geholfen zu haben". Aber wenn jemand mit einem konkreten Problem zu ihm komme, dann versuche er eben zu helfen, betonte Beck: "Soll ich zu dem Einzelnen sagen: Wenn nicht allen geholfen werden kann, dann helfe ich niemandem".
Beck bedauerte zugleich, dass Henrico Frank die ihm gebotene Chance nicht nutze. "Mir tut der Mann Leid. Unser Zusammentreffen war ja ein Zufall, aber das hätte ihm eine Chance gegeben, aus diesem Teufelskreis auszubrechen", sagte der Ministerpräsident. Offenbar werde Frank aber auch schlecht beraten.
Von solchen konkreten Einzelfällen abgesehen müsse es natürlich der Anspruch der Politik sein, möglichst allen Arbeitslosen zu helfen, fügte der SPD-Chef hinzu. Dazu brauche es eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik ebenso wie Beschäftigungsprogramme für die unterschiedlichen Gruppen von Betroffenen. Auch eine Art Kombilohnmodell für Tätigkeiten, die zwar gebraucht würden, die sich privatwirtschaftlich aber nicht lohnten, werde derzeit geprüft. Hier liege seine Verantwortung und daran arbeite er auch, betonte Beck.
Mutter sitzt zu Hause und heult
Deutschlands umstrittenster Arbeitsloser Henrico Frank sorgt sich um seine Mutter. Dass er heute als "Deutschlands frechster Arbeitsloser" bezeichnet wird, mache seiner Mutter schwer zu schaffen. "Sie sitzt daheim und heult. Das ist kein Spaß mehr", erzählt der 37-Jährige im Interview mit stern.de, dem Online-Angebot des Hamburger Magazins stern.
Den Termin bei Kurt Beck habe er absagen müssen, weil zeitgleich ein lang geplanter Adventskaffee einer Arbeitsloseninitiative stattfand. Außerdem habe er befürchtet, vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten "verhackstückt" zu werden. Daher wollte er nicht allein zu Beck. Die Staatskanzlei lehnte jedoch eine Begleitperson ab, und so habe er das Treffen lieber gar nicht erst wahrgenommen.
Dass Frank sich bei keiner der sieben Firmen gemeldet hat, die ihm einen Job angeboten haben, erklärt der Arbeitslose mit mangelndem Geld für ein Telefonat. Die Arbeitsplätze seien aber wegen seiner "30-prozentigen körperlichen Einschränkung" ohnehin nichts für ihn gewesen.
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