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Umgang mit Häftlingen: Jobs sollen Rückfallquote senken

VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 07.10.2009 - 07:26

Düsseldorf (RP). NRW startet eine Offensive für die Integration von Strafgefangenen auf dem Arbeitsmarkt. "Case-Manager" sollen die Gefangenen schon während der Haft an spätere Arbeitgeber vermitteln. Wie funktioniert das? Ortstermin in der Düsseldorfer JVA Ulmer Höh.

Der Gefangenen Christoph S. nimmt am INA-Projekt von Nordrhein-Westfalen teil. Foto: RP, Hans-Jürgen Bauer

Christof S. sitzt schon zum sechsten Mal im Gefängnis. Am 6. November soll er entlassen werden. „Nochmal komme ich nicht zurück“, sagt der 43-Jährige selbstbewusst. Kathleen Amthor nickt. Garantieren kann man für nichts, steht ihr ins Gesicht geschrieben. Jedenfalls standen die Chancen dafür, dass Christof S. nicht erneut rückfällig wird, noch nie so gut wie diesmal.

Die JVA Ulmer Höh in Düsseldorf. Es ist Mittagszeit, auf den Gängen riecht es nach Eintopf. Christof S. trifft Kathleen Amthor, um seine Entlassung vorzubereiten. Die 28-Jährige ist bei der Gesellschaft für Qualifizierung im Handwerk (GQH) beschäftigt. Die „Case-Managerin“ hat den Auftrag, den Häftling vom Beginn des Vollzugs an zu begleiten und in Arbeit oder Ausbildung zu vermitteln. S. gehört zu ihren ersten „Klienten“. Das Modellprojekt „INA“ ist gerade erst angelaufen.

INA – das steht für Integrationsplanung, Netzwerkbildung, Arbeitsmarktintegration. Das Land NRW will damit die extrem hohe Rückfallquote von arbeitslosen Strafgefangenen (80 bis 90 Prozent) senken. Zunächst soll das Konzept in Düsseldorf, Moers und Wuppertal ausprobiert werden. Das NRW-Arbeitsministerium und der Westdeutsche Handwerkskammertag sind mit im Boot. „Wir wollen Häftlinge, die fit und unter 27 Jahre alt sind vermitteln“, sagt Wolfgang Wirth vom Kriminologischen Dienst des Landes NRW. Die Gesamtausgaben für das Modellprojekt belaufen sich auf 1,3 Millionen Euro.

Bei vielen Handwerkern stehen ehemalige Häftlinge offenbar in einem besseren Ruf als gedacht. „Ehemalige Gefangene sind auch bei der Verrichtung einfacher Tätigkeiten oft motivierter als andere“, weiß GQH-Geschäftsführer Martin Heinrich aus Erfahrung. „Die Ex-Häftlinge sind lange an Disziplin, Sauberkeit und Pünktlichkeit gewöhnt. Das sind Tugenden, die für die meisten Handwerksbetriebe unverzichtbar sind.“

Christof S. sitzt wegen Drogendelikten ein. Er hat eine Ex-Frau, zu der er nach der Haftentlassung aber nicht zurück kann. „Viele Mitgefangene fallen in ein Loch, wenn sie frei sind“, berichtet der Mehrfachverurteilte. „Wenn du niemanden hast, der dich unterstützt, dann landest du schnell wieder bei deinen alten Kumpels, die in der Szene unterwegs sind.“

Diesmal soll alles anders werden. S. würde gerne als Landschaftsgärtner arbeiten oder irgendwo im Lager. Noch hat er aber keinen Gabelstaplerschein. Übergangsmanagerin Amthor, die früher Arbeitsvermittlerin bei der ARGE war, prüft, was es für Möglichkeiten gibt. Fest steht, dass der Häftling zunächst für drei Monate ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft der Arbeiterwohlfahrt in Düsseldorf-Rath beziehen kann. Dort sieht ein Sozialarbeiter regelmäßig nach dem Rechten.

Bernhard Lorenz ist Leiter der JVA Ulmer Höh. „Bislang ist die Arbeitsvermittlung erst nach der Haftentlassung aktiv geworden“, berichtet der JVA-Chef. Diese zeitliche Lücke werde jetzt geschlossen. Vor allem Entlassene, die nicht unter Bewährungsauflagen stünden, seien rückfallgefährdet. In der JVA Düsseldorf gibt es Werkstätten, in denen die Gefangenen im Umgang mit Holz und Metall sowie in der Elektromontage ausgebildet werden könnten. „Viele Häftlinge verfügen bereits über Fertigkeiten, die nur aufgefrischt werden müssen“, sagt Lorenz.

Christof S. arbeitet derzeit in der Kleiderkammer der JVA. Er hat einen Hauptschulabschluss. Die Fenster an seinem Arbeitsplatz sind vergittert. Noch. Unsere Redaktion wird darüber berichten, was aus ihm nach der Entlassung wird.


 
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