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Altbundespräsident: Johannes Rau ist tot

zuletzt aktualisiert: 27.01.2006 - 12:27

Berlin (rpo). Altbundespräsident Johannes Rau ist tot. Der 75-Jährige ist am Freitagmorgen in seiner Berliner Wohnung verstorben. Das gab sein Büro bekannt. Rau war seit längerer Zeit schwer krank. An den Feierlichkeiten zu seinem 75. Geburtstag am 16. Januar hatte er aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen können.

Der vormalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident war 1999 zum Bundespräsidenten gewählt worden. Nach Ende seiner Amtszeit 2004 hatte er sich mehreren Operationen unterziehen müssen, unter anderem am Herzen und im Bauchraum. "Er hat sich von den Operationen nie wieder richtig erholen können", hieß es in Raus Büro. Er starb im Kreise seiner Familie. Rau hinterlässt seine Frau Christina sowie die gemeinsamen drei Kinder Anna (22 Jahre), Philipp (20) und Laura (19).

Wegen seiner Krankheit hatte der SPD-Politiker bereits zur Feier seines 75. Geburtstag am 16. Januar im Berliner Schloss Bellevue nicht mehr kommen können. Rau und seine Frau Christina wurden bei dem Empfang von ihren drei Kindern vertreten. In einem kurzen Dankeswort an die Gratulanten hatte Anna Rau erklärt, ihr Vater habe bis zuletzt vergeblich gehofft, zusammen mit einigen der engsten Freunde und Weggefährten feiern zu können. Einer von Raus letzten öffentlichen Auftritten war bei der Weihe der Dresdner Frauenkirche im Oktober 2005 gewesen.

Rau hatte die Bundesrepublik mit seinem Motto "Versöhnen statt Spalten" geprägt. Zunächst Oberbürgermeister seiner Geburtsstadt Wuppertal war er von 1978 bis 1998 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. 1987 trat er für die SPD als Kandidat für das Amt des Bundeskanzlers an. 1994 unternahm er er zunächst einen vergeblichen Anlauf genommen, sich zum Bundespräsidenten wählen zu lassen. Jahrzehntelang spielte er eine führende Rolle in der SPD in Nordrhein-Westfalen und im Bund.

Immer wieder wurde die Gabe des bibelfesten "Bruder Johannes" hervorgehoben, auf Menschen zuzugehen und Konflikte zu glätten. Eine besondere Beziehung verband ihn mit Israel, das er so oft wie kein anderer Spitzenpolitiker besuchte. Unvergessen blieb seine Versöhnungsgeste vor dem israelischen Parlament, als er um Vergebung für die von den Nazis begangenen Gräueltaten bat. Rau galt bis zuletzt als "Bürgerpräsident".

"Sein Rat war mir wichtig"

Sein Nachfolger Köhler reagierte bestürzt: "Der Tod von Johannes Rau erfüllt mich mit tiefer Trauer." Rau sei ein Mann gewesen, der die Welt menschlicher gemacht habe. Er bleibe ein Vorbild. "Sein Rat war mir immer wichtig", sagte Köhler. Der Familie Rau sprach er sein tiefes Beileid aus: "Wir werden ihn nicht vergessen. Er hat sich um Deutschland verdient gemacht."

Auch Kanzlerin Merkel würdigte die überragende Bedeutung Raus für das Land. Rau habe sich als achter Bundespräsident, langjähriger Ministerpräsident, als Mensch und als Politiker um Deutschland verdient gemacht. "Wir verneigen uns in Achtung und Dankbarkeit vor seinem Wirken und seiner politischen Lebensleistung." Er habe die Demokratie entscheidend vorangebracht. "Er war vor allem eines, ein großer Freund der Menschen", sagte die Kanzlerin.

Der SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck betonte den großen Verlust für die Sozialdemokratie: "Wir haben einen unersetzlichen Freund verloren, der einer der bedeutendsten und beliebtesten Politiker unseres Landes war." Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) nannte seinen Amtsvorgänger Rau einen "Politiker mit vielen Begabungen".

Köhler ordnete einen Staatsakt für den 7. Februar an. Ab (dem morgigen) Samstag haben Trauernde im Berliner Schloss Bellevue und in der Bonner Villa Hammerschmidt von 10.00 bis 18.00 Uhr Gelegenheit, sich in Kondolenzbücher einzutragen.

Quelle: ap

 
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