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Schünemann: Keine Hemmschwelle mehr: Jugendgewalt nimmt zu

zuletzt aktualisiert: 16.12.2007 - 16:24

Berlin (RPO). Die Jugendgewalt in Deutschland hat deutlich zugenommen. Das ergab eine Untersuchung von Bund und Ländern. In einigen Bundesländern hat sich die Zahl der Delikte verdoppelt. Vor allem Körperverletzungen wurden erheblich öfter registriert als in den Vorjahren.

"Die am deutlichsten steigende Deliktsform ist die gemeinschaftlich begangene Körperverletzung", zitierte die "Welt am Sonntag" aus dem Bericht einer Arbeitsgruppe für die Innenministerkonferenz. In einigen Bundesländern habe sich die Zahl der Rohheitsdelikte wie Körperverletzung, Raub und schwere Nötigung binnen eines Jahrzehnts fast verdoppelt, heißt es der Zeitung zufolge in dem Bericht.

So sei in Niedersachsen allein die Zahl der Körperverletzungen durch jugendliche Täter von 5.194 auf 10.280 gestiegen. Dabei nehme die Brutalität zu. "Zunehmende Gewalt bei Jugendlichen ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Früher gab es eine natürliche Hemmschwelle: Wenn jemand bei der Schulhofprügelei am Boden lag, wurde nicht mehr nachgetreten. Das ist heute anders", wird der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann in der "Welt am Sonntag" zitiert.

"Deutliche Warnzeichen"

Auch Hamburg, Bremen, Baden-Württemberg oder das Saarland registrierten einen starken Anstieg bei Körperverletzungsdelikten. Hamburgs Innensenator Udo Nagel sprach von einem "deutlichen Warnzeichen" für die Gesellschaft. "Offensichtlich existiert unter jungen Menschen eine immer niedrigere Hemmschwelle zur Ausübung von Gewalt", sagte Nagel der "Welt am Sonntag". Um diesen Trend zu stoppen, müssten auch die strafrechtlichen Möglichkeiten verschärft werden.

Die Täter der Körperverletzungsdelikte seien überwiegend Jugendliche um das 20. Lebensjahr. "Diese Aussage lässt sich als Trend, vor allem für den Bereich der einfachen Körperverletzung, für alle Bundesländer ausmachen", schreiben die Autoren des Berichts mit dem Titel "Entwicklung der Gewaltkriminalität junger Menschen mit einem Schwerpunkt auf städtischen Ballungsräumen".

Feste Jugendbanden oder Gangs wie in Berlin oder Bremen seien eher die Ausnahme. "Zumeist handelt es jedoch um lose, wohn- oder schulnahe Gruppierungen mit wechselnden Mitgliedern, die überwiegend Aggressionstaten innerhalb der jeweiligen Altersgruppe begehen, eher in Form einer Clique", zitiert die "Welt am Sonntag" aus dem Bericht.

Quelle: ap

 
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