| 16.58 Uhr

Kundus-Untersuchungsausschuss
Jung wehrt sich gegen Vertuschungsvorwürfe

Chronik der Kundus-Affäre
Chronik der Kundus-Affäre FOTO: ddp
Berlin (RPO). Der frühere Verteidigungsminister Jung hat sich in der Kundus-Affäre gegen Vorwürfe der Vertuschung verwahrt. Solche Vorwürfe und andere "ehrabschneidende Dinge kann ich nur mit Nachdruck zurückweisen", sagte Jung am Donnerstag vor dem Kundus-Untersuchungsausschuss des Bundestages in Berlin.

Er bekräftigte, dass es während seiner gesamten Amtszeit als Verteidigungsminister keinerlei gesicherte Zahlen über zivile Opfer gegeben habe. Bis heute schwankten die Angaben zwischen 17 und 142 Toten.

Jung verteidigte erneut den von einem deutschen Oberst befohlenen Luftangriff auf die beiden gekaperten Tanklastwagen bei Kundus in Nordafghanistan. Damals habe die Bundeswehr in Kundus "fast täglich in einer Gefechtssituation" gestanden. Zudem habe es Hinweise gegeben, dass die Taliban im Vorfeld der Bundestagswahl einen größeren Anschlag gegen die Deutschen planten. "Die Lage spitzte sich dramatisch für unsere Soldaten zu", betonte Jung.

Die Erstinformation nach dem Luftschlag vom 4. September vergangenen Jahres habe gelautet, dass es sich bei den Opfern "nur um Taliban und deren Verbündete" gehandelt habe. Dabei sei von 56 Toten und mehreren Verletzten die Rede gewesen. Oberst Georg Klein, der den Luftschlag befohlen hatte, habe ihm das in einem Telefonat bestätigt.

Das Mitgefühl gelte den Familien

Nach seinen Aussagen hätten die Taliban zivile Opfer liegenlassen, um genau dies zu demonstrieren. Da aber wenige Stunden nach dem nächtlichen Luftschlag keine Leichen mehr gefunden wurden, sei geschlussfolgert worden, dass es sich nur um Taliban oder deren Verbündete gehandelt haben konnte.

Erst zwei Tage später sei deutlich geworden, dass diese strikte Aussage so nicht mehr zu halten sei, sagte Jung weiter. Deshalb habe man vonseiten der Bundesregierung ab diesem Zeitpunkt gesagt, dass man es bedauere, wenn es bei dem Luftschlag zivile Opfer gegeben habe und dass das Mitgefühl den Familien gelte. Doch sei seine Einschätzung bis zuletzt so gewesen, dass die "überwiegende Mehrzahl" der Opfer Taliban gewesen sei.

Jung hatte knapp drei Monate nach dem Kundus-Luftangriff die politische Verantwortung für das Informationschaos übernommen und sein Amt als Bundesarbeitsminister niedergelegt.

(DDP/nbe)
 
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