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Debatte um Sigmar Gabriel
Juso-Chefin für Urwahl des SPD-Kanzlerkandidaten

Juso-Chefin Johanna Uekermann für Urwahl des SPD-Kanzlerkandidaten
Johanna Uekermann kritisiert auch die Griechenland-Politik Gabriels. FOTO: dpa
Berlin. In der SPD mehren sich die Forderungen nach einer Urwahl des Kanzlerkandidaten für 2017. Das "Auskungeln eines Kandidaten" wie 2013 dürfe es nicht mehr geben, sagte Juso-Chefin Johanna Uekermann in einem Interview.

Der Sprecher der SPD-Konservativen, Johannes Kahrs, sowie der Parteilinke Ralf Stegner zeigten sich offen für eine Mitgliederbefragung. In einer aktuellen Umfrage sprachen sich 61 Prozent der SPD-Anhänger bei der Kanzlerpräferenz gegen SPD-Chef Sigmar Gabriel aus.

"Die SPD hat mehr als nur einen möglichen Kanzlerkandidaten. Wir haben gute Männer und Frauen", sagte Uekermann der "Welt" vom Mittwoch. Die Entscheidung sollten alle Parteimitglieder gemeinsam treffen. Sie widersprach der Äußerung von Schleswig-Holsteins Regierungschef Torsten Albig (SPD), die Partei müsse sich überlegen, ob sie 2017 angesichts der Beliebtheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) überhaupt einen eigenen Bewerber ins Rennen schicke. Die SPD brauche einen Kanzlerkandidaten, schließlich sei sie "eine große Volkspartei", sagte die Vorsitzende der SPD-Nachwuchsorganisation.

Porträt: Gabriel - unberechenbar und brillanter Stratege FOTO: afp, JOHN MACDOUGALL

Uekermann übte insbesondere beim Thema Griechenland heftige Kritik an Gabriel. Gedankenspiele zu einem Grexit hätten in der Partei keine Mehrheit. Gabriel hätte Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) "klarmachen müssen, dass ein Grexit keine Option ist". Stattdessen habe der SPD-Chef "rumgeeiert".

Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Kahrs, sagte dem "Handelsblatt", bei nur einem "ernsthaften Kandidaten" reiche der Bundesparteitag zur Kandidatenkür. Bei mehreren ernsthaften Bewerbern könne es aber eine Mitgliederbefragung geben. SPD-Bundesvize Stegner sprach von einem "keineswegs abwegigen" Vorschlag. Dies sei kein Affront gegen Gabriel. Der SPD-Chef sei selbst dafür, die Mitglieder in wichtigen Fragen entscheiden zu lassen, wie etwa Ende 2013 zur Bildung einer großen Koalition. Allerdings sei die Frage einer Urwahl im Moment "rein hypothetisch", schränkte Stegner ein.

Die größten Niederlagen der SPD FOTO: dpa, Uwe Anspach

In der am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage für den Fernsehsender RTL und das Magazin "Stern" erreichte die SPD mit 24 Prozent einen Punkt mehr als in der Vorwoche. Bei der Frage nach der sogenannten Kanzlerpräferenz führte Merkel weiterhin mit erheblichem Abstand vor Gabriel. Würde das Amt des Kanzlers in direkter Wahl vergeben, bekäme sie derzeit 55 Prozent der Stimmen, Gabriel 14 Prozent. Auch unter den Anhängern seiner Partei war der SPD-Vorsitzende demnach nicht unumstritten.

Die Union lag in der Umfrage bei 41 Prozent. Die Grünen erreichten zehn und die Linken neun Prozent. Die FDP würde derzeit die Fünfprozent-Hürde knacken. Damit wäre nach jetzigem Stand die Neuauflage einer schwarz-gelben Koalition zur Bildung der Regierung zumindest theoretisch möglich.

(AFP)
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