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"Warum so aggro?"
Edathy liefert sich SMS-Schlagabtausch mit "Bild"-Chef

Chronologie des Falles Edathy
Chronologie des Falles Edathy
Berlin. Sebastian Edathy ist untergetaucht. Doch der SPD-Politiker, gegen den die Staatsanwaltschaft Hannover wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie ermittelt, hat sich mit der Chefredaktion der "Bild"-Zeitung einen brisanten SMS-Dialog geliefert – und ihn öffentlich gemacht.

Für den heutigen Montag hat der frühere Bundestagsabgeordnete eine Erklärung angekündigt. Edathy möchte Stellung beziehen zu den Ermittlugen und Vorwürfen, er besitze kinderpornografisches Material. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen Edathy wegen Vorwürfen "im Grenzbereich" zur Kinderpornografie.

Wenige Stunden vor der Erklärung hat Edathy die "Bild"-Chefredaktion auf Schärfste attackiert und ihr vorgeworfen, eine Hetzkampagne gegen ihn zu betreiben, bei der Recht und Anstand massiv verletzt werden. In einem SMS-Dialog mit Bild-Chef Kai Diekmann schrieb Edathy: "Wenn das Jagdfieber jedes Anstands-Gefühl überschreitet, hat man's mit der "Bild" zu tun."

 

 

Der Politiker veröffentlichte den Dialog auf seinem Facebook-Profil mit der Bemerkung: "Chefredaktion "Bild" at its best..." Diekmann bestätigte Meedia, dass er sich ein SMS-Duell mit Edathy geliefert hat. Auf Edathys Aussage konnterte Diekmann: "Anstand?", woraufhin der untergetauchte Politiker schrieb, man könne das googeln.

Was dies konkret heißen würde, hakte Diekmann nach. "Wenn das ein Fremdwort ist, kann man das googeln", so die Antwort Edathys. Diekmann an die Adresse des Politikers: "Warum so aggro?" Ob der Dialog fortgeführt wurde oder Edathy es bei der abschließenden Frage Diekmanns ("Was hat Ihnen konkret missfallen?") beließ, bleibt indes offen.

Die Edathy-Affäre hat eine schwere Vertrauenskrise in der großen Koalition ausgelöst. Hans-Peter Friedrich hatte im Oktober 2013 als damaliger Innenminister SPD-Chef Sigmar Gabriel darüber unterrichtet, dass der Name des SPD-Politikers bei internationalen Ermittlungen aufgetaucht war. Inzwischen ist klar, dass es dabei um Kinderpornografie ging.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hatte den Vorgang öffentlich gemacht. Kurz darauf trat Friedrich von seinem Amt als Agrarminister zurück. Seither streiten Union und SPD über den Umgang mit Informationen. Doch auch die Rolle von Bundes- und Landeskriminalämtern wird seither kritisch betrachtet.

Vergangene Woche hatte es zur Edathy-Affäre im Bundestag eine Sitzung des Innenausschusses gegeben, bei der auch BKA-Chef Jörg Ziercke und Oppermann ausgesagt hatten.

(rpo)
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