Deutliche Honorar-Erhöhung: Kassenärzte bekommen eine Milliarde mehr
zuletzt aktualisiert: 05.10.2010 - 13:57Berlin (RPO). Die 150.000 Kassenärzte in Deutschland bekommen 2011 über eine Milliarde Euro mehr Honorar. Das ist das Ergebnis der Verhandlungen der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung am Dienstag in Berlin. Ursprünglich hatten die Kassen eine Nullrunde gefordert; die Ärzte wollten bis zu zwei Milliarden Euro mehr durchsetzen.
"Die Ärzte stehen 2011 wieder vor einem Rekord-Honorar und die Beitragszahler müssen das über die von der Bundesregierung beschlossene Beitragserhöhung finanzieren", erklärte der Sprecher des GKV-Spitzenverbands, Florian Lanz. "Das ist eine Lösung im Interesse der Ärzte und nicht im Interesse der Beitragszahler."
Die Gespräche sollen am Montag fortgesetzt werden, wie es weiter hieß. Die Ärzte setzten sich den Angaben zufolge mit Hilfe des als Schiedsman eingesetzten Gesundheitsexperten Jürgen Wasem gegen die Stimmen der Krankenkassen durch.
Debatte über die "asymmetrische Erhöhung"
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hatte den Verhandlungspartnern detaillierte Vorgaben gemacht. Die Vergütungen für die rund 150.000 Kassenärzte und Psychotherapeuten sollen demnach zunächst einheitlich um 0,75 Prozent oder 180 Millionen Euro steigen. Darüber hinaus soll es aber auch eine "asymmetrische Erhöhung" geben. Das heißt, zusätzlich sollen die Honorare in einzelnen Bundesländern unterschiedlich stark steigen. Um das Volumen dafür ging es jetzt.
Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, forderte Rösler auf, bundeseinheitliche Honorare durchzusetzen. "Der Gesetzgeber muss dafür sorgen, dass in Nordrhein für die gleiche ärztliche Behandlung nicht geringere Honorare gezahlt werden als in Bayern", sagte Montgomery der "Rheinischen Post". "Wir brauchen eine Gebührenordnung, bei der bundeseinheitliche Honorare für ärztliche Behandlungen gezahlt werden."
Das Honorarsystem sei mittlerweile so kompliziert, dass es höchstens noch zwei oder drei Experten gebe, die den Durchblick hätten. "Manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, da sind ganz bewusst Arztgruppen gegeneinander ausgespielt worden", beklagte Montgomery.
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