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Katarina Barley wird SPD-Generalsekretärin
Eine Richterin wechselt in die Abteilung Attacke

Katarina Barley: Eine Richterin wechselt in die Abteilung Attacke
SPD-Chef Sigmar Gabriel stellte Katarina Barley am Montag in Berlin offiziell vor. FOTO: dpa, car pzi
Berlin. SPD-Chef Sigmar Gabriel will die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Katarina Barley zur neuen Generalsekretärin seiner Partei machen. Auf dem Bundesparteitag im Dezember werde er den Delegierten die 46-Jährige als Nachfolgerin für Yasmin Fahimi vorstellen, die ins Bundesarbeitsministerium wechselt, sagte Gabriel am Montag in Berlin.

Katarina wer? Wie nun eigentlich ihr Nachname auszusprechen sei, wird Katarina Barley am Montag von einer Journalistin im Willy-Brandt-Haus gefragt. Die designierte SPD-Generalsekretärin verweist auf ihren britischen Vater: Eine englische Aussprache sei naheliegend, eine deutsche aber auch in Ordnung. Mit Barleys Nominierung ist SPD-Chef Sigmar Gabriel eine Überraschung gelungen. Öffentlich ist die 46 Jahre alte Bundestagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz bislang kaum in Erscheinung getreten. Im Dezember soll sie als Generalsekretärin die Leitung der SPD-Parteizentrale übernehmen.

Idealerweise erfüllen Generalsekretäre eine Doppelfunktion: Nach außen hin sind sie für die Attacke auf den politischen Gegner zuständig und setzen Themen in der politischen Debatte - gerne mit zugespitzter Rhetorik. Nach innen hin sorgen sie für eine schlagkräftige Organisation des Parteiapparats, haben die Parteizentrale im Griff und trimmen sie auf Kampagnenfähigkeit.

Das ist keine einfache Aufgabe für jemanden, der als Neuling ohne eigene politische Machtbasis von außen ins SPD-Hauptquartier kommt und dort erst mal auf etablierte Beziehungsnetzwerke trifft. Die scheidende Generalsekretärin Yasmin Fahimi könnte darüber viel erzählen. Ein eigenes politisches Profil hatte sie an der Seite des machtbewussten Gabriel kaum ausbilden können.

"Die Abteilung Attacke kann ich auch, aber wenn es sachlich geboten ist, nicht als Grundprinzip", sagt Barley bei der Vorstellung durch Parteichef Gabriel am Montag in Berlin. Sich selbst beschreibt die frühere Richterin als "sehr sachlich denkend, sehr verlässlich". Und sie macht klar, dass sie auch als Neuling im Willy-Brandt-Haus die Wahlkampfleitung 2017 übernehmen wolle, so wie es die Parteistatuten vorsehen.

Die Frage wird sein, wie viel Raum der SPD-Chef Barley für eine eigene Profilierung lässt. Barley sagt über ihr Verhältnis zu Gabriel: "Ich glaube, dass wir sehr unterschiedlich sind, dass wir aber eine Art der Kommunikation haben, die klappt."

Die Juristin ist in der Bundespolitik noch relativ neu. Erst seit zwei Jahren sitzt Barley für die SPD im Bundestag. In der Fraktion besetzt die zum linken Parteiflügel zählende Abgeordnete den Posten der Justiziarin.

Barley hat als Juristin eine "beeindruckende berufliche Laufbahn" hinter sich, wie Gabriel sagt, bislang aber wenig Erfahrung in der Organisation von Wahlkämpfen gesammelt. In Marburg und Paris studierte sie Jura, das Studium schloss sie mit der Promotion ab. Danach folgten Stationen in einer Hamburger Großkanzlei, beim wissenschaftlichen Dienst des Landtags von Rheinland-Pfalz und als Mitarbeiterin beim Bundesverfassungsgericht.

Seit 1994 ist Barley Mitglied der SPD, wo sie sich zunächst auf Ortsvereinsebene in Trier engagierte. Als ihr wichtigstes Anliegen bezeichnet sie die soziale Gerechtigkeit. Auf ihrer Internetseite schreibt Barley: "Die Ungerechtigkeit, dass in Deutschland nach wie vor die soziale Herkunft über den Erfolg im Leben entscheidet, dass Armut krank und Krankheit arm macht, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter aufgeht, treibt mich immer noch um."

Mit der Politik in Berührung kam Barley bereits in ihrem Elternhaus in Köln. Dort ging es politisch zu, es wurde immer lebhaft diskutiert, wie Barley auf ihrer Internetseite berichtet: "Noch heute freue ich mich auf diese Gespräche, wenn ich dort bin." Barleys künftiger Posten dürfte garantieren, dass der Gesprächsstoff am elterlichen Tisch so bald nicht ausgehen wird.

(csi/AFP)
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