Papst-Rede im Parlament: Kauder kritisiert SPD-Pläne für Boykott
VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 27.06.2011 - 15:43Berlin (RP). Der Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, hat den Aufruf einzelner SPD-Bundestagsabgeordneter zum Boykott der Papst-Rede im Bundestag scharf kritisiert. "Die Boykottaufrufe aus der SPD gegen die Rede des Papstes im Bundestag sind Ausdruck von religiöser Intoleranz und politischer Unvernunft", sagte Kauder unserer Redaktion.
Die Abgeordneten sollten sich auf die Worte des Papstes freuen, so Kauder. "Stattdessen wollen einige aus der SPD-Fraktion den 22. September zu einer Demonstration von aggressivem Atheismus nutzen. Das ist beschämend." Er erwarte, dass die SPD-Fraktion in einem Beschluss klarstelle, wie ihre Haltung zu dem Boykottaufruf sei, sagte Kauder.
"Der Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche ist eines der wichtigsten Personen dieser Welt. Wer dazu aufruft, seiner Rede fernzubleiben, drückt nicht nur eine Distanz zur katholischen Kirche aus. Er vergisst auch, dass der Papst unabhängig eine Stimme für Frieden und Menschenrechte auf der ganzen Welt ist."
Die geplante Rede sorgt auch innerhalb der SPD für Kontroversen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, wies einen Boykottaufruf aus den eigenen Reihen zurück. Damit reagierte er auf ein Papier des Abgeordneten Rolf Schwanitz, das unsere Redaktion veröffentlicht hatte. Die Rede sei mit dem "Grundsatz der religiösen Neutralität des Staates unvereinbar", heißt es darin.
Der Papst halte keinen Gottesdienst, sondern spreche zu aktuellen weltpolitischen Fragen, sagte Oppermann der "Bild am Sonntag". "Dadurch wird in keiner Weise infrage gestellt, dass unser Staat religiös und weltanschaulich neutral ist."
Scharfe Kritik an dem Papier, das Schwanitz an alle Abgeordneten seiner Fraktion verschickt hatte, übte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach. "Es ist mehr als peinlich, dem Heiligen Vater, schon bevor er angereist ist, zu signalisieren, dass er im Deutschen Bundestag nicht willkommen ist", sagte Bosbach unserer Redaktion. "Ich kenne kein vernünftiges Argument, weshalb man es dem Papst untersagen sollte, im Bundestag zu sprechen. Das wird eine Sternstunde des Parlaments werden, nicht nur für katholische Christen."
Kritik kam auch von der SPD-Abgeordneten Kerstin Griese, Mitglied der Synode der evangelischen Kirche. "Den Papstbesuch im Bundestag zu boykottieren, halte ich nicht für hilfreich. Ich halte auch den Brief für unglücklich", sagte Griese. Zum Besuch des Papstes sagte sie: "Als evangelische Christin wünsche ich mir, dass der Papst etwas Konstruktives zur Ökumene sagt."
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