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Holocaust-Gedenktag: "Kein Betriebsunfall der deutschen Geschichte"

zuletzt aktualisiert: 27.01.2008 - 15:40

Berlin (RPO). Auf der ganzen Welt haben die Menschen am Sonntag der NS-Opfer gedacht. So bekannte der bayrische Landesbischof Johannes Friedrich sich zur Schuld der Kirche, verfolgten Juden nicht ausreichend geholfen zu haben. Gedenkveranstaltungen fanden in ganz Deutschland statt.

Friedrich gab ein Schuldbekenntnis für die evangelische Kirche ab: "Unsere Landeskirche ist schuldig geworden, weil sie unzähligen Verfolgten, Unterdrückten und lebensgefährlich Bedrohten der damaligen Zeit keine helfende Hand gereicht hat", sagte Friedrich am Sonntag bei einem Gottesdienst in der Dachauer Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte. Die Kirchenverantwortlichen hätten sich damals schuldig gemacht, "weil sie den millionenfachen Tod Unschuldiger in Kauf genommen" und geschwiegen hätten, "wo klare Worte hätten gesprochen werden müssen".

Friedrich machte auch seinem Vorvorgänger als Landesbischof, Hans Meiser, Vorwürfe. Zwar habe Meiser zu den Wenigen gehört, die das "Büro Grüber" unterstützten, das mehr als 1000 Juden die Ausreise aus Deutschland ermöglicht hatte.

Im Jüdischen Museum in Berlin lasen Schauspieler Texte zur Judenverfolgung zwischen 1933 und 1937, wie eine Sprecherin der Kultureinrichtung mitteilte. Auch der Bundestag gedachte der Millionen Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft gedacht. In der Gedenkstunde in Berlin rief Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) zu ständiger Wachsamkeit gegen nationalsozialistisches Gedankengut auf. "Nach den bitteren Erfahrungen des letzten Jahrhunderts dulden wir keine Form von Extremismus, Rassismus und Antisemitismus - nirgendwo in der Welt, und in Deutschland schon gar nicht", sagte er.

Lammert betonte, der 30. Januar 1933 sei weder ein "Betriebsunfall der deutschen Geschichte" noch unausweichlich gewesen. Da der Weg in die Diktatur "keine Zwangsläufigkeit" gewesen sei, bleibe er eine "beständige Mahnung an alle demokratischen Kräfte". Deutschland sei vor solchen Anfeindungen nach wie vor nicht geschützt, sagte der Bundestagspräsident. Es sei "beschämend", dass jüdische Einrichtungen in Deutschland durch ständige Polizeipräsenz vor Angriffen geschützt werden müssten.

Der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" erklärt. Lammert beklagte, dass die Gedenkveranstaltung erneut nicht im Hauptprogramm von ARD und ZDF übertragen wurde.

Quelle: afp

 
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