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KBV will Nachbesserungen bei Notfall-Regelung aushandeln: Kein Chaos wegen Praxisgebühr

zuletzt aktualisiert: 02.01.2004 - 14:28

Berlin (rpo). Am ersten Werktag nach Einführung der neuen Praxisgebühr und den höheren Zuzahlungen in der Apotheke ist der Gesundheitsbetrieb weitgehend reibungslos gelaufen. "Das große Chaos ist ausgeblieben", erklärte die Kassenärztliche Bundesvereinigung am Freitag. Dies bestätigte auch eine AP-Umfrage bei Ärzten und Apothekern.

Den Unmut von Sozialministerin Ulla Schmidt zogen Mediziner auf sich, die die Beratung zu abgeschafften Kassenleistungen - zum Beispiel Brillen - künftig Patienten privat in Rechnung stellen wollen.

Seit 1. Januar müssen Patienten mindestens einmal im Quartal beim Arzt oder in der Erste-Hilfe-Station des Krankenhauses zehn Euro zahlen. In der Apotheke beträgt die Zuzahlung nun mindestens fünf und höchstens zehn Euro. Ministerin Schmidt verteidigte die höheren Belastungen für Patienten. "Letztendlich werden sich die Menschen auch daran gewöhnen", sagte sie im Deutschlandradio.

KBV-Sprecher Roland Stahl sagte der AP, die meisten Patienten zahlten anstandslos. Allerdings sei der Freitag nach Neujahr auch ein besonders ruhiger Tag. KBV-Chef Manfred Richter-Reichhelm sagte voraus, dass sich Patienten an normalen Tagen auf längere Wartezeiten einstellen müssten. "Bei 80 bis 100 Patienten am Tag muss kassiert werden - das dauert schon ein bisschen", sagte er im NDR.

Nach einer AP-Umfrage in Arztpraxen in Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen und Baden-Württemberg gab es am Freitag zunächst weder besonders lange Wartezeiten noch großen Unmut. In vielen Apotheken war es der Umfrage zufolge besonders ruhig. Apotheker vermuteten, dass sich viele Patienten vor Jahresende einen Medikamenten-Vorrat angelegt hätten.

KBV-Sprecher Stahl berichtete, Unverständnis habe es vor allem bei Notfallbehandlungen im Krankenhaus an Neujahr gegeben. Dass hier auch eine Praxisgebühr fällig werde, "ist seltener verstanden worden". Er wies Patienten darauf hin, dass sie die Quittung aus der Notaufnahme ihrem Arzt vorlegen sollten. Dann müssten sie die Quartalsgebühr nicht erneut bezahlen. Die Kassenärzte wollen sich nach Stahls Worten bemühen, mit den Krankenkassen eine patientenfreundliche Lösung für Notfallbehandlungen im Krankenhaus auszuhandeln.

Streit um das IGeLn

Ebenfalls verhandeln wollen die Kassenärzte darüber, was sie als "individuelle Gesundheitsleistung" (IGeL) den Patienten gesondert in Rechnung stellen dürfen. Stahl sagte, es gehe um die Beratung für Leistungen, die die Kasse nicht mehr zahlt. Er nannte als Beispiel die Beratung über rezeptfreie Medikamente - etwa Erkältungsmittel -, die Patienten jetzt grundsätzlich selbst bezahlen müssen.

Der stellvertretende KBV-Hauptgeschäftsführer Andreas Köhler sagte zudem laut Magazin "Stern", auch Untersuchungen beim Augenarzt könnten künftig extra kosten: "Die Brillenbestimmung ist eine IGeL-Leistung." Der mögliche Preis wäre 25 Euro.

Gesundheitsministerin Schmidt wies dies scharf zurück. Die Feststellung der Sehstärke sei weiter eine Kassenleistung, auch wenn Brillen selbst nicht mehr gezahlt würden. Eine Privatrechnung sei unzulässig. Sollten sich Augenärzte nicht daran halten, sollten Patienten "mit den Füßen abstimmen" oder die Quittung bei ihrer Kasse einreichen.

 


 
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