Rückendeckung für Ministerin: Keine faulen Kompromisse beim Elterngeld
zuletzt aktualisiert: 19.04.2006 - 08:43Berlin (rpo). Nach reichlich Kritik auch aus den eigenen Reihen hat Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) nun Rückendeckung für ihre Pläne zum Elterngeld bekommen. Sogar der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) unterstützte die Ministerin und warnte vor faulen Kompromissen.
Die Maßnahme müsse "auch ein Beitrag zur Gleichstellung zwischen Männern und Frauen sein", erklärte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer am Mittwoch in Berlin. Die Widerstände aus der Union zeigten ein überholtes Rollenverständnis in der Familie, das mit dem Elterngeld gerade überwunden werden solle. "Wir fordern die Koalition deshalb auf, keine faulen Kompromisse einzugehen", betonte Engelen-Kefer mit Blick auf die Kritik unter anderem von CSU-Generalsekretär Markus Söder an den geplanten "Vätermonaten".
Ziel des Elterngeldes müsse insbesondere sein, dass Frauen bessere Chancen bekämen, auch mit Kindern im Arbeitsleben zu bleiben, erklärte Engelen-Kefer weiter. Eine reelle Chance, die Familienarbeit zwischen den Eltern zu teilen, entstehe nur, wenn sich Männer und Frauen die Bezugsdauer des Elterngeldes aufteilten. Dafür sei der geplante gesetzliche Anreiz für die so genannten Vätermonate dringend erforderlich.
CSU-Generalsekretär in der Kritik
Unterdessen wurde der Vorstoß von CSU-Generalsekretär Markus Söder zur Verhinderung der so genannten Vätermonate beim Elterngeld in der eigenen Partei und in der SPD kritisiert. "Es gilt das, was wir bei den Koalitionsverhandlungen vereinbart haben", sagte die CSU-Bundestagsabgeordnete Maria Eichhorn der "Berliner Zeitung". "Familienministerin Ursula von der Leyen hat meine volle Unterstützung", betonte die CSU-Familienpolitikerin.
Eichhorn sagte, Söder habe Unrecht, wenn er sage, die Vätermonate schränkten die Wahlfreiheit der Familien ein. "Es ist genau umgekehrt: Die Vätermonate erhöhen die Entscheidungsfreiheit", sagte sie. Eichhorn argumentierte, viele Väter könnten es sich zwar vorstellen, wegen der Kindererziehung zeitweise aus dem Job auszusteigen. Sie würden es derzeit aber nicht tun, weil sie zum Beispiel Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber befürchteten.
"Debatte ist völlig verquer"
Auch SPD-Fraktionsvize Nicolette Kressl kritisierte die andauernde Diskussion in der Union über die Auszeit für Väter. "Die Debatte über die Vätermonate ist doch völlig verquer", sagte sie. Schließlich gehe es um etwas, was bei Frauen schon seit Jahrzehnten funktioniere. Für die SPD seien die Vätermonate wichtig für ein neues Rollverständnis der Partner in der Familie. Kressl verwies zudem darauf, dass das Elterngeld nicht komplett wegfalle, sollte der Partner die Vätermonate nicht nutzen. In diesem Fall werde der geplante Sockelbetrag gewährt, betonte die SPD-Politikerin.
Nach den Plänen von der Leyens soll das Elterngeld in jedem Fall zehn Monate lang gezahlt werden. Entschließt sich auch der Partner, seinen Job für die Kinderbetreuung zu unterbrechen, kommen zwei Monate hinzu.
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