Sommer kippt FDP-Konzept: Keine Hausaufgabenbetreuung in Schulen
zuletzt aktualisiert: 21.08.2009 - 15:44Düsseldorf (RPO). Schulministerin Barbara Sommer (CDU) will keine Hausaufgabenbetreuung in den Schulen einführen. Damit wies sie ein FDP-Konzept zur Nutzung von Ergänzungsstunden zurück. Eine Verwendung als "Hausaufgabenstunden" sei "nicht zulässig", sagte ein Sprecher der Ministerin am Freitag in Düsseldorf. Auch die Opposition teilt diese Ansicht.
Das FDP-Konzept könne maßgeblich zur Entlastung beim verkürzten Abitur beitragen, sagte hingegen FDP-Fraktionschef Gerhard Papke. "Die FDP möchte die Schüler fordern, aber nicht überfordern. Wir wollen nicht, dass den Schülern durch den verdichteten Lernstoff die Freude am Lernen genommen wird", betonte er. Deshalb müsse das Schulministerium "endlich den Fuß von der Bremse nehmen".
Konkret schlug die FDP vor, die jeder Schule zur Verfügung stehenden zwölf Ergänzungsstunden in der Sekundarstufe I für Hausaufgabenbetreuung in der Schule zu nutzen. Laut Ausbildungs- und Prüfungsordnung sind Ergänzungsstunden zur individuellen und differenzierten Förderung im Klassenverband oder anderen Lerngruppen vorgesehen. Allerdings nutzen derzeit viele Schulen alle zwölf Stunden für zusätzlichen Fachunterricht. Dies wollte die FDP mit ihrem Vorschlag ändern.
Künftig soll in der 5. und 6. Klasse an jeweils drei Tagen in der Woche, in der 7., 8. und 9. Klasse an jeweils zwei Tagen in der Woche, regelmäßig für alle Schüler an Gymnasien eine Stunde für die Hausaufgabenbetreuung genutzt werden. In welchem Fach die Förderung erfolgt, können die Schüler selbst entscheiden.
Bundesweite Standards der Kultusminister sehen laut Sommer-Ministerium für den gesamten gymnasialen Bildungsgang einen Mindeststundenrahmen von 265 Wochenstunden vor.
"Um die bundesweite Anerkennung unseres Abiturs sicherzustellen, muss der Unterricht in diesem Umfang erteilt werden. Die von der FDP geforderte ausschließliche Nutzung der Förderstunden für eine Hausaufgabenbetreuung kann jedoch weder als Unterricht im Sinne eines gemäß Lehrplan kontinuierlich aufsteigenden Unterrichts noch als systematischer Förderunterricht verstanden werden", so der Sprecher des Ministeriums. Damit könnten die Ergänzungsstunden nicht mehr in den Mindeststundenrahmen eingerechnet werden.
Auch die SPD lehnte Papkes Vorschlag ab. "Die FDP-Pläne zur Hausaufgabenbetreuung in der Sekundarstufe I des Gymnasiums sind nicht vereinbar mit den Vorgaben der Kultusministerkonferenz", sagte die SPD-Bildungsexpertin Ute Schäfer. Die FDP gefährde die bundesweite Anerkennung des NRW-Abiturs, "da die Herauslösung von zwölf Stunden für die Hausaufgabenbetreuung de facto eine massive Unterschreitung der vorgeschriebenen Mindestwochenstundenzahl bedeutet", fügte die Abgeordnete hinzu.
Die Grünen verwarfen den Plan ebenso. "Wer von der Schule keine Ahnung hat, soll die Finger davon lassen", sagte die Grünen-Landtagsabgeordnete Sigrid Beer. Papke wolle davon abzulenken, "dass die FDP mit der Zwangsschulzeitverkürzung die Probleme an den Schulen erst verursacht hat".
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