Geburtenrückgang: Keine Kinder - weniger Rente?
zuletzt aktualisiert: 16.03.2006 - 12:46Düsseldorf (RP). Die Rentenkassen sind leer, gleichzeitig werden immer weniger Kinder geboren - die Prognosen für die Renten sind düster. Experten und Politiker wollen kinderlosen Paaren jetzt weniger Rente zahlen. Die "Rheinische Post" hat bei vier Paaren in der Region mal nachgefragt, warum sie sich gegen den Nachwuchs entschieden haben.
Brigitte Mikelsons aus Viersen hat sich bewusst gegen Kinder entschieden. „Die Verantwortung war mir zu groß“, sagt die heute 51-Jährige. „Mütter müssen immer mit der Angst leben, dass ihren Kindern etwas zustößt, dass sie in falsche Kreise geraten oder unheilbar krank werden.“ Für die Viersenerin war dieser Gedanke an ein Leben in steter Sorge keine schöne Vorstellung. „Mit 30 habe ich mich deshalb sterilisieren lassen.“ Bereut hat sie diesen Schritt nie.
Auch ihr Mann, Egon Mikelsons, stand immer hinter der Entscheidung. „Wir beide waren uns in diesem Punkt einig.“ Dem 56-Jährigen war ein eigenes Kind nicht wichtig, und auch im Freundeskreis gab es einige Ehepaare, die ähnlich dachten. „Außerdem hatten wir uns einen gewissen Lebensstandard geschaffen, den wir nicht aufgeben wollten.“
Die Mikelsons halten engen Kontakt zu ihren Patenkindern, und auch der heute 34-jährige Neffe Thorsten schaut oft bei dem Paar vorbei. „Wir haben uns oft um ihn gekümmert“, sagt Brigitte Mikelsons. „Wir haben gesehen, wie er groß wird, aber nur die schönen Seiten miterlebt.“
Zu wenig Platz in der Wohnung
Markus Gladbach und Petra Herrmann aus Ratingen-Hösel haben sich vor zehn Jahren bewusst gegen Kinder entschieden. „Wir waren damals beide Berufsanfänger“, sagt der Geschäftsführer einer PR-Agentur. „Das Geld reichte gerade mal für uns beide aus. Wir konnten es uns nicht leisten, noch einen Esser mehr durchzufüttern.“ Später, als das Geld vorhanden war, sprachen andere Gründe dagegen, Nachwuchs zu bekommen: „Wir hatten uns eine Eigentumswohnung gekauft“, erzählt Markus Gladbach. „Aber die hat nur 70 Quadratmeter. Die Wohnung wäre für drei Personen zu klein gewesen.“
Das Ehepaar, das seit sieben Jahren verheiratet ist, steht zu seiner Entscheidung. „Es ist schließlich keine staatsbürgerliche Pflicht, Kinder zu zeugen, wir zahlen schon genug Steuern“, sagt der 44-Jährige. „Auf der Erde gibt es doch genug Menschen, die Kinder bekommen. Wir sind jedenfalls froh, dass wir unabhängig sind.“ Im Urlaub zum Beispiel. Im vergangenen Jahr hat das Paar die Ferien in Norwegen verbracht. „Wir sind viel gewandert, wussten morgens meist nicht, wo wir abends übernachten würden“, erzählt Markus Gladbach. „So einen Abenteuerurlaub können sie mit einer Familie nicht machen. Ich kann mir nicht vorstellen, einen Pauschalurlaub mit Kindern zu verbringen.“
Alle Kraft für den Beruf
Sie will als Psychotherapeutin für alle Menschen offen sein. Er will sich mit ganzer Leidenschaft seinem Beruf als Lehrer widmen können. Für Bärbel und Klaus Detmer (60) stand fest: Eigene Kinder müssen nicht sein. „Ich sehe mich als Frau der Öffentlichkeit. Kinder habe ich nie gewollt“, sagt die 48-Jährige. Auch als junges Mädchen nicht. Als Kind schon habe sie lieber Katzen als Puppen in den Kinderwagen gesetzt.
Heute hat das Paar einen Hund und zwei Katzen. „Ein Kinderersatz sind die nicht“, versichert Bärbel Detmer. „Tiere sind mit Menschen nicht vergleichbar.“ Kinder mögen beide. Klaus Detmer versucht, für die Kinder und Jugendlichen, die er unterrichtet, auch als Ansprechpartner da zu sein. „Und ich bin eine leidenschaftliche Tante“, sagt die 48-Jährige. „Insofern habe ich auch Kinder, die mir nahe stehen, aufwachsen sehen, ihnen versucht, den Weg ins Leben zu zeigen.“ Über eine Adoption haben die beiden früher einmal kurz nachgedacht. Sie kam aus Altersgründen nicht mehr in Frage.
„Wir haben Kinder nie vermisst“, sagt das Paar ziemlich überzeugend aus einem Munde. Die Kinderfrage generell sei ein zweischneidiges Schwert, befindet die Psychotherapeutin und analysiert: „Der Wunsch nach Kindern ist der Wunsch danach, die eigenen Gene weiterzugeben, was egoistisch ist. Der Wunsch, bewusst keine Kinder zu bekommen - aus welchen Gründen auch immer -, ist es auch.“
„Fühlen uns nicht reif genug“
„Ich kann es mir einfach überhaupt nicht vorstellen - ich und Kinder, ich als Mutter“, sagt Nina Oberfranc, Verwaltungsangestellte aus Langenfeld. Mit ihrem Lebensgefährten Jan Eichentopf (PR-Branche, 32) ist sich die 26-Jährige einig: Ein Kind bedeutet Verantwortung, bedeutet auch Verzicht auf die gewohnte Lebensweise, auf ein bisschen Luxus, auf die Karriere. „Wir sind gerade umgezogen, das hat ganz schön was gekostet. Im Moment hätten wir - selbst wenn wir wollten - kein Geld, um ein Kind aufzuziehen“, sagt die 26-Jährige.
Für beide steht die Karriere in ihren Jobs im Vordergrund. Und: „Wir sind noch so jung, fühlen uns noch nicht reif genug für ein Kind, wollen unsere Jugend auskosten.“ Von Paaren aus dem Umfeld, alle Anfang 30, hören Nina Oberfranc und Jan Eichentopf oft von den negativen Seiten des Kinderkriegens. „Wenn die erzählen, sie hätten in den letzten Nächten nicht geschlafen, weil der Kleine Magen-Darm-Grippe hatte oder zahnt, das motiviert mich nicht dazu, Mutter zu werden.“ Klar, Kinder seien für den Fortbestand der Gesellschaft wichtig, sagt das Paar. Sie seien froh, dass die eigenen Eltern nicht so gedacht haben wie sie heute. Dennoch: „Auch in zehn Jahren kann ich mir eigene Kinder nur ganz eventuell vorstellen. Ob ich dann meine Lebensweise deswegen komplett umkrempeln will, glaube ich aber eher nicht“, sagt Nina Oberfranc entschieden.
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